<?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-1"?>
<rss version="0.92">
<channel>
<title>Reden von Finanzminister Rainer Wiegard</title>
<link>http://www.rainerwiegard.de</link>
<description>Rainer Wiegard - Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein f&#252;r die CDU. Die aktuellen Pressemitteilungen:</description>
<docs>http://backend.userland.com/rss092</docs>
<language>de</language>
<item>
	<title>9. Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtages - Donnerstag, 28. Januar 2010 </title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=85</link>
	<description>Finanzminister Rainer Wiegard: Niemand hat das Recht, heute noch nicht geborene Generationen in beliebiger H&amp;#246;he mit Schulden zu belasten, um jetzt ein angenehmeres Leben zu f&amp;#252;hren.
Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Frau Pr&amp;#228;sidentin! Meine sehr verehrten Damen! Meine Herren! 
Es gibt eine neue Schuldengrenze. Es gab bisher auch schon eine. Das ist richtigerweise von zwei Rednern bereits dargestellt worden. Der wesentliche Unterschied ist: Bisher waren Schulden grunds&amp;#228;tzlich zul&amp;#228;ssig, wenn auch mit einer Grenze in H&amp;#246;he der investiven Ausgaben. Die neue Regelung hei&amp;#223;t: Schulden sind grunds&amp;#228;tzlich nicht zul&amp;#228;ssig. Das ist der entscheidende neue Punkt, der es auch er&amp;#252;brigt, Diskussionen dar&amp;#252;ber zu f&amp;#252;hren, was eine Investition ist. Das ist der Punkt, Kollege Habeck, bei dem ich und wahrscheinlich die meisten hier Bauchschmerzen bei Ihrem &amp;#196;nderungsantrag habe, n&amp;#228;mlich einfach irgendwelche anderen konsumtiven Ausgaben zu Investitionen zu erkl&amp;#228;ren.

Ich gebe zu, wir haben f&amp;#252;r die Zeit der Schuldenbremse - 2011 bis 2019 - ein Kl&amp;#228;rungsproblem, wie hier mit Kreditaufnahmen verfassungsrechtlich zu verfahren ist. Aber einfach zu sagen, wir machen das, was in den vergangenen 40 Jahren auch schon gemacht wurde, indem wir ein bisschen an dem Investitionsbegriff herumschrauben - das ist regelm&amp;#228;&amp;#223;ig passiert -, ist nicht der richtige Weg.

(Zuruf der Abgeordneten Monika Heinold [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

Entscheidend ist, dass die &amp;#196;nderung notwendig ist, nicht etwa, weil wir eine Neuregelung in der Verfassung stehen haben, sondern dass sie notwendig ist, weil Schleswig-Holstein - das gilt im &amp;#220;brigen auch f&amp;#252;r die meisten anderen L&amp;#228;nder und den Bund - bei einer Fortsetzung regelm&amp;#228;&amp;#223;iger weiterer Schuldenaufnahmen schlicht und ergreifend nicht &amp;#252;berlebensf&amp;#228;hig ist.

(Beifall bei CDU und FDP)

Deshalb finde ich es bemerkenswert, dass wir &amp;#252;ber die Begrifflichkeit noch ein bisschen miteinander zu diskutieren haben. Ich habe den Eindruck, dass noch nicht jeder die Notwendigkeit richtig erkannt hat.

Herr Kollege Stegner, Sie begr&amp;#252;nden Ihren Antrag damit, dass Sie auf der Grundlage einer Verfassungs&amp;#228;nderung die M&amp;#246;glichkeit haben wollen, gegen die entsprechende Verfassungsregel des Bundes zu klagen. Das ist keine ausreichende Fiktion, sondern wir brauchen ein Verst&amp;#228;ndnis, das deutlich macht: Keine Landesregierung, kein Parlament hat das Recht, heute noch nicht geborene Generationen in beliebiger H&amp;#246;he mit Schulden zu belasten, um jetzt angenehmer leben zu k&amp;#246;nnen. Dem haben wir uns zu beugen. 

(Beifall bei CDU und FDP)

Wenn man - wie ich gerade vor einigen Stunden - aus einem Land zur&amp;#252;ckkommt, das eine mehr als 4.000-j&amp;#228;hrige Geschichte detailliert nachweisen kann, dann ist es schon mindestens bemerkenswert, dass sich die f&amp;#252;r die Finanzlage des Landes Schleswig-Holstein in den letzten 20 Jahren Verantwortlichen an ihren Teil der Verantwortung offensichtlich nicht mehr erinnern k&amp;#246;nnen.
(Beifall bei CDU und FDP)

Ihre Verantwortung, insbesondere Ihre, Herr Stegner, f&amp;#252;r den Teil von 1988 mindestens bis 2005: regelm&amp;#228;&amp;#223;ig deutlich &amp;#252;berdurchschnittliche Einnahmen verbraucht, Landesverm&amp;#246;gen vollst&amp;#228;ndig ver&amp;#228;u&amp;#223;ert, die bis heute geltende Schuldengrenze regelm&amp;#228;&amp;#223;ig &amp;#252;berzogen, eine Milliarde  Zinsen, die aus dieser Verschuldung resultieren, eine weitere Milliarde  aus Pensionslasten, f&amp;#252;r die keinerlei Vorsorge getroffen wurde, Lehrer besch&amp;#228;ftigt, aber nicht bezahlt, Infrastruktur str&amp;#228;flich vernachl&amp;#228;ssigt, UK S-H-Sanierungsstau von 700 Millionen , Sanierungsstau bei den Schulen in H&amp;#246;he von 200 Millionen , Verkehrsnetze-Sanierungsstau kaum absch&amp;#228;tzbar, wahrscheinlich eine Milliarde . Es gibt kein einziges Jahr in der gemeinsamen Regierungszeit von Rot-Gr&amp;#252;n, in dem Sie es geschafft haben, einen Haushaltsabschluss vorzulegen, bei dem Sie weniger Schulden gemacht als investiert und Verm&amp;#246;gen entnommen haben. 
Sich dann hier hinzustellen und so zur aktuellen Politik zu reden! In einigen F&amp;#228;llen, wie Sie wissen, habe ich erhebliche Zweifel, ob uns das im Detail wirklich so richtig voranbringt, wenn man sich anguckt, was Sie an Antr&amp;#228;gen zu Steuerentlastungsgesetzen des Bundes eingebracht haben. Sie haben sogar vorliegende Drucksachen, in denen darauf hingewiesen wurde, dass hier mit Einnahmeverlusten zu rechnen ist, durch einen Resolutionsentwurf abge&amp;#228;ndert, in dem es hei&amp;#223;t - ausschlie&amp;#223;lich auf Antrag Schleswig-Holsteins &amp;#226;: Der Bundesrat begr&amp;#252;&amp;#223;t das vorliegende Steuerentlastungsgesetz, das insbesondere darauf ausgerichtet ist, Wachstum und Besch&amp;#228;ftigung zu verbessern sowie Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Familien sp&amp;#252;rbar zu entlasten.
(Zurufe)

Der Bundesrat stellt fest, dass in dem nun vom Deutschen Bundestag beschlossenen Gesetz wesentliche steuerliche Belange der mittelst&amp;#228;ndischen Wirtschaft eine angemessene Ber&amp;#252;cksichtigung gefunden haben. Der Bundesrat verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Beibehaltung der Teilwertabschreibung, des Verlustr&amp;#252;cktrags, die Ansparabschreibungen sowie auf die Freibetragsregelung bei Ver&amp;#228;u&amp;#223;erungsgewinnen. Das hei&amp;#223;t: Wer ein Paar Schuhe verkauft, der zahlt Steuern. Wer eine Schuhfabrik verkauft, der zahlt keine Steuern.
(Zurufe)
Das war die Diktion der sozialdemokratischen Regierung in Schleswig-Holstein, unterst&amp;#252;tzt von den Gr&amp;#252;nen seit 1996.
(Ulrich Schippels [DIE LINKE]: Aber nicht von uns! - Wolfgang Kubicki [FDP]: Sie spielen doch keine Rolle!)

Meine Damen und Herren, ich habe vor diesem Landtag und vor der schleswig-holsteinischen &amp;#214;ffentlichkeit vor eineinhalb Jahren eine ausdr&amp;#252;ckliche Entschuldigung ausgesprochen - jedenfalls f&amp;#252;r den Teil, den ich zu verantworten habe - hinsichtlich der Verfassungsbr&amp;#252;che bei der Aufstellung und im Vollzug der Haushalte der letzten Jahre. Herr Stegner, ich warte immer noch darauf, dass Sie sich hier hinstellen und gegen&amp;#252;ber der schleswig-holsteinischen &amp;#214;ffentlichkeit Ihren Anteil der Verantwortung &amp;#252;bernehmen.
(Beifall bei CDU und FDP)

Dazu geh&amp;#246;rt nat&amp;#252;rlich auch, dass man wei&amp;#223;, wor&amp;#252;ber man redet. Und den Eindruck habe ich - gestatten Sie mir das bitte - bei dem, was Sie hier heute vorgetragen haben, &amp;#252;berhaupt nicht. Herr Kollege Stegner, Sie sprechen von einem strukturellen Defizit von 600 Millionen . Da sind Sie nur bei der H&amp;#228;lfte. 600 Millionen  sind der strukturelle Nachteil gegen&amp;#252;ber den anderen westdeutschen Fl&amp;#228;chenl&amp;#228;ndern hinsichtlich der Einnahmeentwicklung und der Mehrausgaben bei den Zinsen. Aber das strukturelle Defizit liegt bei etwa 1,2 Milliarden .
Das Zweite ist ein von Ihnen immer wieder wiederholter v&amp;#246;llig unsinniger Vergleich, n&amp;#228;mlich der Vergleich der staatlichen Kreditaufnahme mit der Kreditaufnahme einer Familie f&amp;#252;r ein Auto oder f&amp;#252;r ein Haus. Die Familie kriegt den Kredit f&amp;#252;r das Haus gar nicht mehr, wenn sie nicht vorher den Kredit f&amp;#252;r das Auto planm&amp;#228;&amp;#223;ig getilgt hat. Das Land Schleswig-Holstein hat noch nie Schulden getilgt. Wir h&amp;#228;tten nie einen weiteren Kredit kriegen k&amp;#246;nnen, aber der Staat unterliegt anderen Regeln. Das ist der entscheidende Unterschied, den Sie ignorieren.

Herr Kollege Habeck, ich habe mich &amp;#252;ber einen Teil Ihres Redebeitrags, soweit er sich mit den Grunds&amp;#228;tzen befasst hat, gefreut und hoffe, dass wir bei den weiteren Beratungen in den n&amp;#228;chsten Monaten bis zur Verabschiedung der Verfassungs&amp;#228;nderung die eine oder andere Ver&amp;#228;nderung gemeinsam erarbeiten k&amp;#246;nnen. Helmut Kohl hat einmal von der Gnade seiner sp&amp;#228;ten Geburt gesprochen; Sie haben die Gnade der sp&amp;#228;ten Mitgliedschaft in diesem Haus, sodass Sie sich nicht unbedingt pers&amp;#246;nlich f&amp;#252;r das verantwortlich f&amp;#252;hlen m&amp;#252;ssen, was Ihre Fraktion in fr&amp;#252;heren Zeiten, insbesondere der Zeit ihres Mitregierens von 1996 bis 2005, hier an finanziellem Schaden, sowohl was den Landeshaushalt als auch was die Infrastrukturverhinderung in diesem Land betrifft, verursacht hat.
(Zurufe)

Herr Kollege Habeck, ich will damit nur deutlich machen: Wenn es richtig ist - ich hatte den Eindruck, dass wir in dem Punkt &amp;#252;bereinstimmen -, dass wir aus der Erkenntnis heraus, dass wir nicht so weitermachen k&amp;#246;nnen, eine &amp;#196;nderung wollen, nicht weil es irgendwo geschrieben steht, dann geh&amp;#246;rt dazu auch, dass jeder den Teil seiner Verantwortung &amp;#252;bernimmt, der dazu gef&amp;#252;hrt hat, dass wir heute zu dieser Ver&amp;#228;nderung kommen m&amp;#252;ssen. Da kann man sicherlich noch auf ein Wort von Ihnen hoffen. 
Die Erg&amp;#228;nzungstexte der SPD zu der Einschr&amp;#228;nkung der S&amp;#228;tze 1 bis 4 sind so schwammig, das man sie kleindr&amp;#252;cken und &amp;#246;ffnen kann, bis sich der Schwamm &amp;#252;berdehnt. Meine Damen und Herren, Sie k&amp;#246;nnten auch reinschreiben: Abends wird es dunkel, und morgens wird es hell. Auch das k&amp;#246;nnten wir in der Verfassung regeln. 
Meine Damen und Herren, was meinen Sie denn konkret damit? Meinen Sie bei den Regelungen des Bundes, die zu Einnahmeverlusten f&amp;#252;hren, die rechnerischen, strukturellen, durchschnittlichen Einnahmeverluste, oder meinen Sie tats&amp;#228;chliche Einnahmeverluste? Ist das auf das Haushaltsjahr bezogen? Oder gibt es da einen Spielraum, den Sie beliebig ausdehnen wollen? Wollen Sie damit zum Beispiel sagen, wenn der Bund ank&amp;#252;ndigt, die BAf&amp;#246;G-S&amp;#228;tze zum Herbst dieses Jahres zu erh&amp;#246;hen, dass wir sozusagen wie Rumpelstilzchen mit dem Fu&amp;#223; auftreten und sagen k&amp;#246;nnen sollen: Na gut, dann &amp;#228;rgern wir eben den B&amp;#252;rger und nehmen zu seinen Lasten h&amp;#246;here Kredite auf? Wir m&amp;#252;ssen hier schon sehr viel konkreter werden, wenn derartige Einschr&amp;#228;nkungen erforderlich sein sollten. 

Vizepr&amp;#228;sidentin Herlich Marie Todsen-Reese: 
Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Bernd Heinemann?

Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Bitte sehr!

Vizepr&amp;#228;sidentin Herlich Marie Todsen-Reese: 
Bitte, Herr Abgeordneter Heinemann!

Bernd Heinemann [SPD]: 
Herr Minister, k&amp;#246;nnen wir erwarten, dass Sie Ihre eigenen Standpunkte auch noch zum Besten geben und noch etwas zu Ihren Visionen sagen?

Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Ja, Herr Kollege. Das k&amp;#246;nnen Sie auch in den letzten Debattenbeitr&amp;#228;gen nachlesen. Wir reden nicht zum ersten Mal &amp;#252;ber den Schuldentilgungspakt, die Schuldengrenze oder die Schuldenbremse, sondern wir haben schon stundenlange Debatten zu diesem Thema gef&amp;#252;hrt. Das k&amp;#246;nnen Sie alles nachvollziehen. Die Zeit erlaubt es mir nicht, hier alles erneut vorzutragen. Sie k&amp;#246;nnen es nachlesen.

(Bernd Heinemann [SPD]: Dazu haben Sie bisher &amp;#252;berhaupt nichts gesagt!)

Wenn Ihnen das zu schwer ist, kann ich Ihnen die Redebeitr&amp;#228;ge gern zur Verf&amp;#252;gung stellen. Aber ich m&amp;#246;chte gern auf die Debatte eingehen, weil es notwendig ist, dass wir hier miteinander debattieren. Das bedeutet, dass zu getroffenen Aussagen auch konkrete Antworten gegeben werden m&amp;#252;ssen.

Meine Damen und Herren, Sie wissen, dass die vorige Landesregierung einen Vorschlag f&amp;#252;r einen Altschuldentilgungspakt gemacht hat. Nun w&amp;#228;re ein Antrag von Herrn Stegner nicht ein Antrag von Herrn Stegner, wenn er wahrheitsgem&amp;#228;&amp;#223; w&amp;#228;re.

(Widerspruch bei der SPD - J&amp;#252;rgen Weber [SPD]: Das geht zu weit! - Wolfgang Kubicki [FDP]: Wer austeilt, muss auch einstecken k&amp;#246;nnen!)

- Ich komme noch dazu, Ihnen das zu erl&amp;#228;utern.

Herr Stegner hat auch heute wieder gesagt, dass der Altschuldenfonds, den die SPD im Rahmen des Steuerpakts 2004 vorlegte, auch von der Regierung von Peter Harry Carstensen vertreten worden sei. Diese Aussage ist definitiv falsch. Dar&amp;#252;ber haben wir auch in diesem Haus mehrfach miteinander debattiert. Ihren Altschuldenfonds habe ich bereits 2004 und auch im Rahmen der Beratungen der F&amp;#246;deralismuskommission abgelehnt; er wurde da auch von anderen unterbreitet. Wir werden diesen Vorschlag auch in Zukunft ablehnen, weil es eben kein Altschuldentilgungsfonds ist. Vielmehr sollen die aufgelaufenen Altschulden beiseite gestellt, sozusagen in Beton gegossen werden - weil sie ja von so gro&amp;#223;er Bedeutung f&amp;#252;r die Nachwelt sind -, und dann laufend dauerhaft mit Zinsen bedient werden.

Wie man mit volkswirtschaftlichen Rechnungen m&amp;#246;glicherweise belegen kann, wird die entsprechende Gr&amp;#246;&amp;#223;e bei steigendem Bruttoinlandsprodukt und steigender Inflation in Relation zum Haushalt immer kleiner. Aber eine gute Milliarde  bleibt eine gute Milliarde . Diese f&amp;#252;r die Ewigkeit zu betonieren mit dem Argument: &quot;Das, was wir damals gemacht haben, war von so gro&amp;#223;er Bedeutung&quot;, ist schlicht und ergreifend Betrug an k&amp;#252;nftigen Generationen. Deshalb sagen wir Nein zu einer solchen L&amp;#246;sung.

(Beifall bei CDU und FDP)

Was wir wollen, ist ein Altschuldentilgungsfonds. Einen entsprechenden Vorschlag haben wir in die Diskussion eingebracht. Wie Sie wissen, sind wir in der ersten Runde damit nicht durchgedrungen; aber wir bleiben dabei. Unser Vorschlag zum Altschuldentilgungsfonds besagt, dass die aufgelaufenen Staatsschulden in etwa dem gleichen Zeitraum, in dem sie entstanden sind, auch zur&amp;#252;ckgezahlt werden m&amp;#252;ssen, also mit einem Tilgungssatz von etwa 0,5 %.

Unser Vorschlag folgt nicht dem Grundsatz, der auch in Ihrer Diktion hier enthalten war, dass einige L&amp;#228;nder f&amp;#252;r andere L&amp;#228;nder die Schulden zur&amp;#252;ckzahlen sollen. Nach unserem Plan zahlt jedes Land die eigenen Schulden zur&amp;#252;ck. Geholfen wird durch eine Art Fortsetzung des Solidarit&amp;#228;tszuschlags, wie wir ihn f&amp;#252;r den Aufbau Ost verwendet haben. Die Gr&amp;#246;&amp;#223;enordnung des Zuschlags auf die Einkommensteuer l&amp;#228;ge bei 1,5 % bis 2 %. Das ist notwendig, um die Landes- und Kommunalschulden in einem Zeitraum von f&amp;#252;nfzig Jahren zu tilgen und mit Zinsen zu bedienen.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Robert Habeck [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

Weitere 3 % braucht man, um dem Bund das Gleiche zu erm&amp;#246;glichen. Damit sind wir wieder bei einem Zuschlag von 5,5 %, wie er bereits jetzt als Zuschlag auf die Einkommensteuer erhoben wird. Ich glaube, wir werden &amp;#252;ber diesen Punkt erneut miteinander diskutieren.

(Beifall der Abgeordneten Monika Heinold [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

M&amp;#246;glicherweise nennen wir es dann anders. Die Neuordnung des L&amp;#228;nderfinanzausgleichs steht in den n&amp;#228;chsten Jahren an; sp&amp;#228;testens am Ende dieser Wahlperiode beginnen die Beratungen. Dann werden wir erneut &amp;#252;ber diese Frage reden.
Nur, die Nettotilgung von Altschulden beginnt erst dann, wenn man mit der Neuverschuldung bei null ist. Dort m&amp;#252;ssen wir erst einmal hinkommen. Deshalb ist die Reihenfolge richtig, erst die Schuldengrenze festzulegen, die Schuldenbremse auf dem Weg dahin umzusetzen und dann mit der Altschuldentilgung definitiv zu beginnen. In der F&amp;#246;deralismuskommission II ist vereinbart worden, dass in einer weiteren Beratungsrunde - das wird die sein, in der wir den L&amp;#228;nderfinanzausgleich neu ordnen - auch &amp;#252;ber die Altschuldentilgung neu diskutiert wird. Dann werden wir unseren Antrag erneut einbringen.

(Anhaltender Beifall bei CDU und FDP)


</description>
</item>


<item>
	<title>Debatte &amp;#252;ber Schuldengrenze im Landtag</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=77</link>
	<description>Rainer Wiegard: Wir haben nicht das Recht, noch nicht geborene Generationen mit Schulden zu belasten, um heute angenehmer leben zu k&amp;#246;nnen.
Ich bitte nun die Landesregierung um den Bericht. Das Wort hat Herr Finanzminister Rainer Wiegard.

Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Frau Pr&amp;#228;sidentin! Meine sehr verehrten Damen, meine Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eines eint inzwischen offenbar alle Fraktionen dieses Hauses, n&amp;#228;mlich die Erkenntnis, dass wir endlich mit dem Wahnsinn Schluss machen m&amp;#252;ssen, der &amp;#252;brigens in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, und zwar die &amp;#196;nderung der Finanzverfassung von 1969 der ersten gro&amp;#223;en Bonner Koalition. Daraus hat sich die Entwicklung ergeben, dass Jahr f&amp;#252;r Jahr neue Schulden auf die bereits vorhandenen aufget&amp;#252;rmt wurden, weil die Verfassung es erlaubt hat, in jedem Jahr so viele neue Schulden zu machen, wie investiert wird.

Wir wissen, wir brauchen Nachhaltigkeit vor allen Dingen in der Finanzpolitik. Wir k&amp;#246;nnen und d&amp;#252;rfen regelm&amp;#228;&amp;#223;ig nur so viel ausgeben, wie wir auch erwirtschaften und wie wir aus dieser Erwirtschaftung einnehmen. Regelm&amp;#228;&amp;#223;ig - wie bisher - mehr auszugeben als einzunehmen bedeutet, dass wir unseren heutigen Lebensstandard auf Kosten heute noch nicht geborener Generationen einrichten. 

Wer diese Erkenntnis gewonnen hat, braucht eigentlich keine Verfassungsregel, die ihn dazu zwingt, dieser Logik moralischen Handelns gegen&amp;#252;ber k&amp;#252;nftigen Generationen zu folgen,

(Beifall bei der CDU)

egal, ob sie im Grundgesetz oder in der Landesverfassung verankert ist. 

Denn die finanzielle Ausgangslage ist seit Langem eindeutig:
Wir geben inzwischen eine Milliarde Euro f&amp;#252;r Zinsen f&amp;#252;r alte Schulden aus und eine weitere f&amp;#252;r Pensionsleistungen f&amp;#252;r Beamte, f&amp;#252;r die in der Vergangenheit keine Vorsorge getroffen worden ist. Das sind zusammen zwei Milliarden Euro, und damit haben wir fast jeden dritten eingenommen Steuereuro nur f&amp;#252;r die Bezahlung von Vergangenheit ausgegeben - nicht f&amp;#252;r Zukunft, nicht f&amp;#252;r Familie, nicht f&amp;#252;r Kinderbetreuung, nicht f&amp;#252;r die Bildung unserer Kinder, die wir alle so hochhalten, und nicht f&amp;#252;r den Ausbau einer zukunftsf&amp;#228;higen Infrastruktur.

Wenn wir das Niveau unserer heutigen Ausgaben - ohne es zu steigern - dauerhaft fortschreiben und lediglich eine j&amp;#228;hrliche Tarifsteigerung von zwei Prozent f&amp;#252;r unsere Besch&amp;#228;ftigten einrechnen, dann wird unser strukturelles Defizit bei regelm&amp;#228;&amp;#223;igem Wachstum der Einnahmen um 2,5 % j&amp;#228;hrlich im Jahr 2020 auf &amp;#252;ber zwei Milliarden Euro steigen, der Schuldenstand auf &amp;#252;ber 43 Milliarden Euro, und die Zinslast daraus wird sich mit 2,3 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Dabei tr&amp;#246;stet nicht im Geringsten, dass die heutige Situation schon deutlich besser als die vor vier Jahren ist. Denn bis 2005 war das Defizit im Haushalt mit 1,7 Milliarden  mehr als doppelt so hoch wie die damalige Zinslast. 2008 haben wir einen Abschluss vorgelegt, in dem der Fehlbetrag mit weniger als 300 Millionen  gerade noch ein Drittel der Zinslast betrug.

(Monika Heinold [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN]: Sie rechnen sich die Welt aber auch sch&amp;#246;n, Herr Wiegard!)

- Frau Kollegin Heinold, von Ihnen h&amp;#228;tte ich diesen Zwischenruf am wenigsten erwartet, denn Sie sind im Wesentlichen daf&amp;#252;r verantwortlich. Aufgrund Ihres Zwischenrufes will ich f&amp;#252;r Sie gern noch einmal wiederholen, was ich in jeder Sitzung zu diesem Thema sagen werde:

(Zuruf des Abgeordneten Dr. Ralf Stegner [SPD])

- Sie beide sind daf&amp;#252;r verantwortlich, dass es in keinem einzigen Jahr der rot-gr&amp;#252;nen Regierungszeit geschafft wurde, einen Haushalt vorzulegen, der den Vorschriften der Verfassung entspricht. In keinem einzigen Jahr!

(Beifall bei CDU und FDP - Zuruf des Abgeordneten Dr. Ralf Stegner [SPD])

- Herr Kollege Stegner, der entscheidende Unterschied zwischen Ihrer Politik und unserer ist der, dass wir unter meiner Verantwortung die ungeplant eingegangenen Steuermehreinnahmen vollst&amp;#228;ndig zur Senkung der Neuverschuldung verwendet haben. 

(Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der FDP)

Sie waren es, der uns bei den ersten Anzeichen einer leichten Verbesserung im Fr&amp;#252;hjahr 2007 aufgefordert hat, vorher gemeinsam beschlossene Ausgabenbegrenzungen wieder zur&amp;#252;ckzunehmen.

(Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der FDP)

Deshalb sage ich noch einmal: Es tr&amp;#246;stet &amp;#252;berhaupt nicht, dass die Situation heute ein bisschen besser ist als zu Ihrer Zeit. Aber zu Ihrer Zeit war noch nicht einmal die Erkenntnis vorhanden, dass es &amp;#252;berhaupt ein Problem gibt. Darauf mussten wir erst hinarbeiten. Ohne die erdr&amp;#252;ckenden Altschulden h&amp;#228;tten wir im Jahre 2008 einen &amp;#220;berschuss von 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Das macht die Dimension des Problems deutlich.

Das zeigt, wie wichtig es ist, das Anwachsen der Schulden endlich zu stoppen. Es zeigt aber auch, dass ein ausgeglichener Haushalt ohne Neuverschuldung im Jahr 2020 nicht etwa das Ziel ist, sondern nur ein Zwischenschritt auf dem Weg, den bis dahin angeh&amp;#228;uften Schuldenberg wieder abzubauen. Deshalb werden wir die gegen Ende dieser Wahlperiode anstehenden Beratungen &amp;#252;ber den L&amp;#228;nderfinanzausgleich wieder dazu nutzen, die Frage des Abbaus der Staatsverschuldung auch in diesem Zusammenhang auf die Tagesordnung zu setzen.
Dies zeigt auch, dass es die Lage ist, die uns zum Handeln zwingt, und nicht etwa eine Regel in der Verfassung - gleich, wo sie geregelt ist.
Die weltweit wirkende wirtschaftliche Rezession hat uns bei der weiteren Senkung der Neuverschuldung einen m&amp;#228;chtigen Brocken in den Weg gelegt. Sie darf uns aber nicht daran hindern, diesen Weg konsequent zu gehen. Deshalb hat diese Koalition fest vereinbart, dass die Aufnahme von Krediten zum Haushaltsausgleich ab dem Jahr 2020 in konjunkturellen Normallagen nicht mehr zul&amp;#228;ssig ist.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Axel Bernstein [CDU])

&amp;#220;ber- und unterdurchschnittliche konjunkturelle Entwicklungen m&amp;#252;ssen sich in einem Zyklus ausgleichen. Das haben Plisch und Plum damals &amp;#252;brigens auch schon so gewollt; es hat sich nur niemand daran gehalten. Nur in au&amp;#223;ergew&amp;#246;hnlichen Notsituationen und bei Naturkatastrophen soll eine Kreditaufnahme zul&amp;#228;ssig sein. Diese Kreditaufnahme setzt dann eine qualifizierte Mehrheit im Landtag voraus und ist k&amp;#252;nftig mit einem verbindlichen Tilgungsplan zu verbinden. Diese Regelung wollen wir in unserer Landesverfassung anstelle der bisherigen Regelungen verankern. Wir werden dem Landtag deshalb so rechtzeitig einen Vorschlag zur &amp;#196;nderung der Landesverfassung vorlegen, dass entsprechende Beschl&amp;#252;sse bis zur Jahresmitte 2010 gefasst werden k&amp;#246;nnen.

(Beifall bei CDU und FDP)

Ich bitte Sie um Verst&amp;#228;ndnis, wenn ich die Frage nach dem Stand der Vorbereitungen einer Klage des Landtags gegen die die L&amp;#228;nder verpflichtende Regelung im Grundgesetz nicht beantworte. Denn diese Frage richtet sich an Sie selbst, und ich werde mir nicht das Recht herausnehmen, f&amp;#252;r die Landesregierung eine Erkl&amp;#228;rung im Namen des Landtags abzugeben.

Wir wollen das strukturelle Defizit bis 2020 auf null reduzieren. Bei der Einhaltung des Defizitabbaupfades erhalten wir Konsolidierungshilfen von insgesamt bis zu 720 Millionen  bis zum Jahr 2020. Voraussetzung ist allerdings, dass wir Jahr f&amp;#252;r Jahr etwa 10 % des strukturellen Defizits aus dem Jahr 2010 abbauen. Dies werden wir gegen&amp;#252;ber dem Stabilit&amp;#228;tsrat nachweisen m&amp;#252;ssen, und das werden wir im Rahmen der bundesstaatlichen Finanzordnung entsprechend zu organisieren haben.

Voraussetzung f&amp;#252;r die Darstellung eines kontinuierlichen Defizitabbaupfades ist ein Konjunkturbereinigungsverfahren. Mit diesem Verfahren werden der Ausgangswert des Jahres 2010 bestimmt und die j&amp;#228;hrlichen Tilgungsschritte festgelegt. &amp;#220;ber die Eckpunkte eines solchen Bereinigungsverfahrens wird derzeit mit dem Bund und den anderen L&amp;#228;ndern verhandelt. Wir werden dem Finanzausschuss Anfang des Jahres &amp;#252;ber den Stand der Beratungen informieren.

Noch vor einem Jahr konnte man eine solche Trendberechnung auf Basis der Vergangenheitsentwicklung ohne gr&amp;#246;&amp;#223;ere Probleme durchf&amp;#252;hren. Aber die Wirtschafts- und Finanzkrise stellt einen dramatischen Strukturbruch dar, und solche Br&amp;#252;che haben die Angewohnheit, dass sie Trendverschiebungen zur Folge haben. Deshalb wird die gro&amp;#223;e Steuersch&amp;#228;tzung im Mai 2010 Auskunft dar&amp;#252;ber geben, wie stark dieser Strukturbruch voraussichtlich sein wird, und der Bund wird sich bis dahin erkl&amp;#228;ren m&amp;#252;ssen, inwieweit er Strukturen zus&amp;#228;tzlich ver&amp;#228;ndern will; die entsprechende Diskussion werden wir in der heutigen Tagung noch im Rahmen eines eigenen Tagesordnungspunktes f&amp;#252;hren. 

Auf der Grundlage der gro&amp;#223;en Steuersch&amp;#228;tzung im Mai 2010 werden wir Ihnen eine langfristige Finanzplanung bis zum Jahr 2020 und eine mittelfristige Finanzplanung f&amp;#252;r das laufende Haushaltsjahr und die n&amp;#228;chsten Haushaltsjahre vorlegen sowie die Anforderungen an die n&amp;#228;chsten beiden Haushalte ableiten. 

Ich habe die Ausgangslage noch einmal dargestellt, weil viele neue Mitglieder in diesem Hause sind, die die bisherige Diskussion in dieser Tiefe nicht mitverfolgen konnten. Es wird deutlich, dass es ein &quot;Weiter so!&quot; nicht geben darf und nicht geben kann. Es wird deutlich, dass neben einer Stabilisierung der Einnahmen durch stetiges Wachstum auch Ausgabek&amp;#252;rzungen unumg&amp;#228;nglich sind. Ich betone dies, weil Einzelne offensichtlich immer noch glauben, ein strukturell ausgeglichener Haushalt sei m&amp;#246;glich, ohne dass die B&amp;#252;rger es merken. 

(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Mit Steuersenkungen geht es am besten!)

- Herr Kollege Stegner, der gr&amp;#246;&amp;#223;te Steuersenker in der Geschichte ist offensichtlich Herr Steinbr&amp;#252;ck. Er hat uns in Schleswig-Holstein Mindereinnahmen in der Gr&amp;#246;&amp;#223;enordnung von 300 Millionen Euro beschert und sich dann mit der Nachricht verabschiedet, dass es f&amp;#252;r Steuersenkungen keinen Spielraum gibt. Das ist eine bemerkenswerte Logik, Herr Kollege.

(Beifall bei CDU und FDP - Zurufe)

- Meine Damen und Herren, ich komme zur&amp;#252;ck zu denen, die der Meinung sind, dass wir ohne Reduzierung des Personalbestandes und ohne K&amp;#252;rzung &amp;#246;ffentlicher Leistungen einen ausgeglichenen Haushalt herstellen k&amp;#246;nnen. Wer dies will, muss j&amp;#228;hrlich etwa zwei Milliarden Euro mehr einnehmen, als wir ohnehin in der durchschnittlichen Entwicklung bereits unterstellt haben. Politischer Wille ersetzt nun einmal nicht die vier Grundrechenarten. Nur damit diejenigen, die sich mit diesen Gedanken befassen, ann&amp;#228;hernd wissen, wor&amp;#252;ber sie eigentlich reden: Um dies zu erreichen, m&amp;#252;ssten Sie zum Beispiel die Umsatzsteuer verdoppeln auf etwa 36 Prozent, oder sie m&amp;#252;ssten die Lohnsteuer verdoppeln. 

(Zurufe)

Auch die nun aus der Mottenkiste herausgeholte Verm&amp;#246;gensteuer, die zu reaktivieren w&amp;#228;re, ist keine L&amp;#246;sung.

(Andreas Beran [SPD]: Tr&amp;#228;gt aber dazu bei!)

Ihr Aufkommen m&amp;#252;ssten Sie verzwanzigfachen, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Das h&amp;#228;tte allerdings zur Folge, dass Sie das nicht dauerhaft machen k&amp;#246;nnen, sondern nur f&amp;#252;nf Jahre, dann sind die Verm&amp;#246;gen weg, und dann gibt es aus den Verm&amp;#246;gen keine Ertr&amp;#228;ge mehr. 

(Zurufe von der SPD)
Dann gibt es auch keine Steuern auf diese Ertr&amp;#228;ge mehr. Dann ist das Ziel einer ganzen Reihe von Salonsozialisten, Herr Kollege Stegner, erreicht: Alle sind gleicherma&amp;#223;en arm.

(Beifall bei CDU und FDP)

Deshalb warne ich auch dringend davor, die Ausgaben f&amp;#252;r immer mehr &amp;#246;ffentliche Aufgaben relativ an das Bruttoinlandsprodukt zu koppeln. Es ist inzwischen Mode geworden, alles am BIP zu orientieren, auch wenn der Zusammenhang nicht wirklich erkennbar ist. Es kann doch nicht Ziel sein, dass mit einer f&amp;#252;r alle geltenden Excel-Tabelle die Verteilung der Ausgaben bis hin zu den Gemeinden festgelegt wird, w&amp;#228;hrend wir hier noch dar&amp;#252;ber diskutieren, ob wir eine Verschuldungsregel im Grundgesetz oder in der Landesverfassung festlegen wollen. 

Deshalb glaube ich, dass sehr viel mehr Ernsthaftigkeit notwendig sein wird. Wir haben eine gewaltige Aufgabe vor uns. Ich wei&amp;#223; nicht, ob jeder bereits die Dimensionen &amp;#252;berschaut hat. Ich bin auch davon &amp;#252;berzeugt: Wir werden diese Aufgabe nur gemeinsam l&amp;#246;sen, nicht gegeneinander.

(Beifall bei CDU und FDP)


</description>
</item>


<item>
	<title>Plenardebatte im Landtag</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=64</link>
	<description>Finanzminister Rainer Wiegard: Schuldengrenze ist zwingend notwendig
Vizepr&amp;#228;sidentin Ingrid Franzen: 
Das Wort f&amp;#252;r die Landesregierung hat nun Herr Finanzminister Rainer Wiegard.

Rainer Wiegard, Finanzminister und Innenminister: 
Frau Pr&amp;#228;sidentin! Meine Damen und Herren! Zun&amp;#228;chst einmal m&amp;#246;chte ich vor dem Hohen Haus klarstellen, auf welche Weise wir &amp;#252;ber die Vorschl&amp;#228;ge des Herrn Landtagspr&amp;#228;sidenten zu diesem Themenkomplex hergefallen sind. Der Einfachheit halber zitiere ich aus dem Protokoll der Plenarsitzung vom 15. Juli. Damals habe ich ausgef&amp;#252;hrt:

&quot;Herr Kollege Kayenburg, ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie durch die Verbindung Ihrer beiden Antr&amp;#228;ge sehr deutlich gemacht haben, worauf es ankommt: Wenn man das eine tut, muss man vorher das andere auch tun, n&amp;#228;mlich in der Verfassung klar regeln, wie wir k&amp;#252;nftig mit Neuverschuldung umgehen. Eine Klage gegen die Verfassungsregeln im Grundgesetz kann nicht f&amp;#252;r sich allein stehen, denn wenn sie Erfolg h&amp;#228;tte, was ja in breiten Teilen des Hauses vermutet wird, dann w&amp;#252;rden wir, wenn wir nicht eine eigene Verfassungsregel in unsere Verfassung aufn&amp;#228;hmen, ohne eine solche dastehen. Das w&amp;#228;re kontraproduktiv. Das ist nicht gewollt. 
Ich pers&amp;#246;nlich darf hinzuf&amp;#252;gen, dass es f&amp;#252;r mich ohnehin fraglich ist - das hat jetzt nichts mit dem rechtlichen Rahmen zu tun -, ob staatliche Organe das Recht haben, in beliebiger H&amp;#246;he und auf unabsehbare Zeit heute noch nicht geborene Generationen mit Schulden zu belasten, um damit den heutigen Lebensstandard zu finanzieren.&quot;

(Beifall bei der CDU)

Meine Damen und Herren, ich denke, das macht sehr eindringlich klar, wie wir &amp;#252;ber Herrn Kayenburg hergefallen sind.
Herr Kollege Hentschel, ich bin ein erneutes Mal &amp;#252;berrascht, wenn Sie darstellen, dass D&amp;#228;nemark bereits vor 15 Jahren diese Schritte gegangen sei, die Sie jetzt vorschlagen. Das muss im Jahr 1994 gewesen sein.

(Karl-Martin Hentschel [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN]: 1993!)

- Seit 1993 sogar. Von 1996 bis 2005 haben Sie gemeinsam mit den Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein regiert. Sie sind f&amp;#252;r 60 % der Kapitalmarktschulden des Landes Schleswig-Holstein verantwortlich. 

(Beifall bei der CDU - Zuruf des Abgeordneten Karl-Martin Hentschel [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

Bei dieser Diskussion, die nicht immer - wie ich finde - den Sachverhalt vollst&amp;#228;ndig wiedergibt, wird au&amp;#223;er Acht gelassen, dass es neben den Kapitalmarktschulden eine Reihe weiterer Verschuldungen aus der Gegenwart und der Vergangenheit gibt, die in die Zukunft reichen, n&amp;#228;mlich beispielsweise die Verlagerung der Pensionsleistungen f&amp;#252;r ausgeschiedene Beamte, ohne dass hierf&amp;#252;r Vorsorge getroffen worden ist. Auch ein Ausbau von Infrastruktur ist in die Zukunft verschoben worden. Dies gilt auch f&amp;#252;r unterlassene Instandhaltungsma&amp;#223;nahmen bei Verm&amp;#246;gensgegenst&amp;#228;nden, f&amp;#252;r unterlassene Sanierungen zum Beispiel beim UK S-H und so weiter.

Wenn Sie das summieren, kommen Sie auf Milliardenbetr&amp;#228;ge, die laufende Haushalte belasten, und zwar nicht etwa mit Aufgaben f&amp;#252;r die Zukunft, sondern es sind Lasten, die in der Vergangenheit entstanden sind, im Wesentlichen in der Zeit, in der Sie regiert haben. Dies geh&amp;#246;rt zur Wahrheit der geschichtlichen Darstellung dazu. 

(Beifall bei der CDU)

Wenn Sie in mehreren Beitr&amp;#228;gen darstellen, dass es nicht gehen k&amp;#246;nne, nun in einem Schnellverfahren eine Verfassungsregel zu dieser Frage in die Verfassung aufzunehmen, dann sage ich: Dar&amp;#252;ber diskutieren wir bereits seit drei Jahren in der F&amp;#246;deralismuskommission. Bereits zu Beginn ist von Einzelnen in diesem Haus dieses Thema problematisiert worden. Ich habe &amp;#252;berhaupt kein Verst&amp;#228;ndnis daf&amp;#252;r, dass heute dar&amp;#252;ber diskutiert wird, wir m&amp;#252;ssten nun im Schnellverfahren die Verfassung &amp;#228;ndern. Nein, meine Damen und Herren, das ist eine v&amp;#246;llig unzureichende Darstellung. Wir haben Zeit genug.

Im &amp;#220;brigen haben wir mit zahlreichen Wissenschaftlern und mit allen politischen Kr&amp;#228;ften in Deutschland aus den L&amp;#228;ndern und dem Bund &amp;#252;ber die L&amp;#246;sung dieser Frage diskutiert  Sie wissen, dass wir sehr unterschiedliche L&amp;#246;sungsans&amp;#228;tze gehabt haben  und sind schlie&amp;#223;lich zu einer Einigung gekommen. Deshalb glaube ich nicht, dass wir in Schleswig-Holstein die Welt unbedingt noch einmal ganz neu, sozusagen von vorn erfinden m&amp;#252;ssen, sondern dass hier gen&amp;#252;gend Ans&amp;#228;tze enthalten sind.

Ich halte auch den Vorschlag, zun&amp;#228;chst eine Klage einzureichen und f&amp;#252;r den Fall, dass man sich dann nicht verst&amp;#228;ndigen kann, sp&amp;#228;ter eine die Verfassung &amp;#228;ndernde Regelung zu machen und die Klage dann wieder zur&amp;#252;ckzuziehen, f&amp;#252;r falsch. 

Das Beispiel, das hier genannt worden ist, ist schlicht falsch. In der Tat haben wir schon einmal eine Verfassungsklage eingereicht, n&amp;#228;mlich die, festzustellen, dass der Haushalt des Landes Schleswig-Holstein verfassungswidrig ist, nachdem die Regierung, der Sie angeh&amp;#246;rten, Herr Hentschel, die Verfassungsm&amp;#228;&amp;#223;igkeit des Haushalts zun&amp;#228;chst einmal proklamiert hatte. Wir haben die Klage zur&amp;#252;ckgezogen, nachdem ich hier im Landtag f&amp;#252;r die Landesregierung demonstrativ und klar erl&amp;#228;utert habe: Wir halten den Haushalt 2005 f&amp;#252;r verfassungswidrig und den f&amp;#252;r 2006 gleich mit. - Wenn dies dann so festgestellt ist, dann, Herr Kollege Kubicki, muss man dies nicht durch eine Klage in Karlsruhe zus&amp;#228;tzlich feststellen lassen. Deshalb haben wir die Klage zur&amp;#252;ckgezogen.

(Unruhe bei der SPD - Karl-Martin Hentschel [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN]: Faule Ausrede!)

- Das ist &amp;#252;berhaupt keine faule Ausrede. Man muss nicht etwas feststellen lassen, was man selbst schon festgestellt hat.

(Beifall bei CDU und FDP)

Meine Damen und Herren, das war allerdings eine sehr wichtige &amp;#196;nderung in der Politik, die im &amp;#220;brigen auch dazu gef&amp;#252;hrt hat, dass wir innerhalb weniger Jahre alles, was an zus&amp;#228;tzlichen Einnahmen in die Landeskasse hineingekommen ist, dazu verwandt haben, genau diesen Sachverhalt zu &amp;#228;ndern

(Karl-Martin Hentschel [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN]: Genau das haben Sie nicht gemacht!)

- genau diesen Sachverhalt zu &amp;#228;ndern -, Herr Kollege Hentschel, n&amp;#228;mlich die Neuverschuldung damit zu reduzieren, so, wie es versprochen worden ist. Deshalb haben wir im Jahre 2008 einen Fehlbetrag im Haushalt ausgewiesen vor Risikovorsorge von weniger als 300 Millionen . Von Ihnen hatten wir 1,7 Milliarden  &amp;#252;bernommen. Das war der Weg, den wir gegangen sind.

(Beifall bei CDU und FDP)

Nur sage ich sehr deutlich: Alle Fraktionen haben in der Sache ja bekundet, dass sie die Signale eigentlich verstanden haben. Wenn man die Aufz&amp;#228;hlung der Schuldenentwicklung - und wenn man noch hinzunimmt, was ich an heimlicher Schuldenentwicklung dargestellt habe - zum Anlass nimmt, zun&amp;#228;chst einmal eine Schuldengrenze, eine neue und - von allen so bekundet - anerkannte Schuldengrenze zu bek&amp;#228;mpfen, statt sie erst einzuf&amp;#252;hren, dann entbehrt das doch einer ganzen Menge Logik. Es gibt genauso die M&amp;#246;glichkeit, den Beschluss &amp;#252;ber eine Klage in Karlsruhe gegen die grundgesetzliche Regelung erst dann herbeizuf&amp;#252;hren, wenn die Landesverfassung tats&amp;#228;chlich in entsprechender Weise ge&amp;#228;ndert wird.

Ich sage Ihnen sehr deutlich, was meine Sorge ist: In den im F&amp;#246;deralismusverfahren vereinbarten Konsolidierungshilfen f&amp;#252;r Schleswig-Holstein geht es um 720 Millionen . Wir haben uns hier schon &amp;#252;ber kleinere Betr&amp;#228;ge miteinander gestritten. 

Diese Konsolidierungshilfen sind klar und eindeutig an die Regelungen in Artikel 109 GG gebunden. Wenn wir dies nun bek&amp;#228;mpfen, kann ich Ihnen nur sagen: Ich glaube nicht, dass wir eine Verhaltensver&amp;#228;nderung mit dem Bund &amp;#252;ber diese Konsolidierungshilfen erreichen, wenn wir gleichzeitig eine Klage dazu anstrengen, ohne dass wir eine mindestens gleichwertige, gleichgewichtige Regelung in der Landesverfassung verankert haben, um demonstrativ zu dokumentieren, dass dieses Land Schleswig-Holstein bereit ist, diesen Weg zu gehen.

(Beifall der Abgeordneten Sylvia Eisenberg [CDU])

Absichtserkl&amp;#228;rungen haben Sie auch in fr&amp;#252;heren Jahren dazu abgegeben, eingehalten haben Sie sie nie.
Meine Damen und Herren, ich bitte Sie: Nehmen Sie diese Sorge ernst!

(Beifall bei der CDU)

</description>
</item>


<item>
	<title>Plenardebatte zum Gesetzentwurf &amp;#252;ber die Wahl der Landr&amp;#228;te</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=65</link>
	<description>Innenminister Rainer Wiegard: Wahl der Landr&amp;#228;te schnell regeln
Pr&amp;#228;sident Martin Kayenburg: 
F&amp;#252;r die Landesregierung hat Innenminister Rainer Wiegard das Wort.

Rainer Wiegard, Finanzminister und Innenminister: 
Herr Pr&amp;#228;sident! Meine Damen und Herren! Der vorliegende Gesetzentwurf beruht auf der am 12. Dezember 2008 erfolgten Verabschiedung des Vorschaltgesetzes zur Neuregelung der Wahl der Landr&amp;#228;tinnen und Landr&amp;#228;te. Mit dem Vorschaltgesetz sind wesentliche Bestimmungen der Kreisordnungen, nach denen Neuwahlen einer Landr&amp;#228;tin oder eines Landrates durchzuf&amp;#252;hren sind, au&amp;#223;er Kraft gesetzt worden. Dieser Zustand kann nat&amp;#252;rlich nicht beliebig lange anhalten. Sowohl aus verfassungsrechtlichen Gr&amp;#252;nden als auch aufgrund der damit verbundenen sehr starken Belastung der stellvertretenden Landr&amp;#228;tinnen und Landr&amp;#228;te und damit des Ehrenamtes sind wir verpflichtet, eine Neuregelung zu schaffen.

Dies betrifft insbesondere den Kreis Steinburg, wo der Amtsinhaber am 31. August die Altersgrenze bereits &amp;#252;berschritten hat und ausgeschieden ist. Dies betrifft besonders auch den Kreis Pinneberg, wo die Amtszeit von Landrat Dr. Grimme am 30. September ausl&amp;#228;uft. Deshalb ist die Entscheidung jetzt notwendig.
Weitreichende Neuerungen wie die Streichung des Hauptausschusses und die Einf&amp;#252;hrung eines Verwaltungsausschusses in die Kreisordnung und damit ver&amp;#228;nderte Zust&amp;#228;ndigkeiten von Kreistagen einerseits und den Landr&amp;#228;ten andererseits bed&amp;#252;rfen weiterer Er&amp;#246;rterungen. Das haben insbesondere die schriftlichen Stellungnahmen der vom Innen- und Rechtsausschuss angeh&amp;#246;rten Verb&amp;#228;nde und Institutionen deutlich gemacht. Diese Diskussion muss demn&amp;#228;chst mit gro&amp;#223;er Sorgfalt und umfassend fortgesetzt werden.
Ich danke Ihnen sehr, dass Sie bereit sind, das Notwendige jetzt zu tun.

(Beifall bei der CDU)

</description>
</item>


<item>
	<title>80. Bundeskammerversammlung der Bundessteuerberaterkammer</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=47</link>
	<description>Finanzminister Rainer Wiegard:  &quot;Wir brauchen ein Steuersystem, das Leistung bef&amp;#246;rdert und den Staat handlungsf&amp;#228;hig erh&amp;#228;lt.&quot;
Sehr geehrter Herr Dr. Vinken, (Pr&amp;#228;sident der Bundessteuerberaterkammer)
sehr geehrter Herr Dr. Neuhaus, (Pr&amp;#228;sident der StBK SH)
meine Damen und Herren,

im Namen der schleswig-holsteinischen Landesregierung hei&amp;#223;e ich Sie zu Ihrer Bundeskammerversammlung in L&amp;#252;beck-Travem&amp;#252;nde herzlich willkommen.

In diesem Wahljahr war schon die Wahl des Tagungsortes eine sehr gute Wahl!

Die Hansestadt L&amp;#252;beck und die umliegenden Kreise sind eine au&amp;#223;erordentlich vielf&amp;#228;ltige Region in Deutschland.

Sie finden hier eine endlose, wundersch&amp;#246;ne K&amp;#252;ste. Travem&amp;#252;nde bildet den Ausgangspunkt einer Perlenkette von schleswig-holsteinischen Orten an der Ostsee. L&amp;#252;beck bietet als Weltkulturerbe viel Geschichte mit heute rund 1.800 denkmalgesch&amp;#252;tzten Geb&amp;#228;uden.

Wohl jede in Deutschland gedruckte Tageszeitung hat schon diese Region gesehen, denn das Zeitungspapier wird aus Skandinavien &amp;#252;ber den hiesigen Hafen importiert.
Deutschlands f&amp;#252;hrende Unternehmen und Einrichtungen der Medizintechnik und Medizininformatik forschen und arbeiten in L&amp;#252;beck. Der Nachbarkreis Stormarn geh&amp;#246;rt zu den TOP 10 in Deutschland der wirtschaftsst&amp;#228;rksten Landkreise. Mit einer Arbeitslosenquote von knapp &amp;#252;ber vier Prozent herrschen dort - &amp;#252;brigens mein Wahlkreis - Verh&amp;#228;ltnisse wie in anderen strukturstarken Regionen.

Sie sehen, wir in Schleswig-Holstein bieten eine ganze Menge  und wir k&amp;#246;nnen auch hochdeutsch.

An dieser Region am Mare Baltikum k&amp;#246;nnen Sie erkennen, wie sich die Welt politisch und wirtschaftlich in den letzten Jahrzehnten unglaublich ver&amp;#228;ndert hat.

Der Eiserne Vorhang ist gefallen. 
Uralte Handelsbeziehungen nach Osteuropa erleben eine Renaissance. Mauer, Stacheldraht und Sperrstreifen der innerdeutschen Grenze sind verschwunden. Deutschland hat seine Einheit wiedererlangt.

Es ist erst zwanzig Jahre her, da war der K&amp;#252;stenstreifen auf der anderen Seite des Priwalls, Sie k&amp;#246;nnen das von hier sehen, noch unerreichbares Territorium.

Heute haben wir Freiheit f&amp;#252;r Menschen, Informationen und Meinungen und Freiz&amp;#252;gigkeit f&amp;#252;r Waren, Kapital und Dienstleistungen. Manche haben da oft ein sehr kurzes Ged&amp;#228;chtnis. Deshalb erlaube ich mir, gerade hier  unmittelbar an der ehemaligen Demarkationslinie  daran zu erinnern. Auch daran, dass Deutschland der Ausgangspunkt daf&amp;#252;r war, dass diese &amp;#214;ffnung zur Freiheit nicht nur auf Deutschland beschr&amp;#228;nkt blieb, sondern Freiheit f&amp;#252;r die V&amp;#246;lker Europas und dar&amp;#252;ber hinaus bewirkt hat.

Mit der Freiheit kommt der Wettbewerb. Wir im Ostseeraum konkurrieren nun nicht mehr nur mit den Regionen in Skandinavien, sondern eben auch mit denen in Polen oder im Baltikum oder anderswo auf dieser Welt, wo das bis dahin eben nicht freiz&amp;#252;gig m&amp;#246;glich war.

Deshalb muss die Politik durch Investitionen in die Infrastruktur und durch Organisation der &amp;#252;brigen Rahmenbedingungen die Voraussetzungen daf&amp;#252;r schaffen, dass unsere Unternehmen sich diesem weltweiten Wettbewerb stellen k&amp;#246;nnen und nicht durch nationale Bedingungen daran gehindert oder benachteiligt werden.

Hier im L&amp;#252;becker Raum betrifft das hinsichtlich der Infrastruktur z.B. die Elektrifizierung der Bahnstrecke von L&amp;#252;beck nach Hamburg, die den G&amp;#252;ter- und Personentransport beschleunigt. 

Es betrifft die Fehmarnbelt-Querung als k&amp;#252;nftig gr&amp;#246;&amp;#223;tes Bauprojekt in Nordeuropa, die die Metropolen Hamburg und Kopenhagen/Malm&amp;#246; in drei Stunden verbindet.
End es betrifft den weiteren Ausbau der Autobahn A 24, die von Stettin entlang der Ostseek&amp;#252;ste in Richtung Elbe f&amp;#252;hrt. 
Die Schnittstelle dieser Verkehrsprojekte bei L&amp;#252;beck verbindet unser Land mit Ost-, und Nord- und Westeuropa. 

Allein diese drei Verkehrsprojekte zeigen auf, welche wirtschaftlichen Entwicklungen m&amp;#246;glich sind, wenn Politik entscheidet  oder anderswo erfolgen, wenn Politik sich verweigert. Verweigerung haben wir hier fast zwanzig Jahre erlebt.


 
Meine Damen und Herren,

zu den Standortbedingungen geh&amp;#246;rt vor allem auch die Steuerpolitik.

Sie erinnern sich, dass wir uns da schon vor der letzten Bundestagswahl viel vorgenommen hatten. Einiges ist auf den Weg gebracht. Manche dieser Wege sind  so finde ich  &amp;#252;berwiegend gut gelungen, also nach der Renovierung besser als vorher. 
Bei anderen ist das m.E. umgekehrt. Das gilt insbesondere f&amp;#252;r die Reform der Erbschaftsteuer und die Tatsache, dass der Bund sich krampfhaft an die Kraftfahrzeugsteuer klammert, die er den L&amp;#228;ndern nun abgekauft hat, statt sie abzuschaffen und in anderen Verkehrsabgaben aufgehen zu lassen. 
Steuerpolitik muss nachhaltige Antworten auf Wettbewerb formulieren. Eine im internationalen Vergleich attraktive Unternehmensbesteuerung ist heute der Grundstein f&amp;#252;r Wachstum und Besch&amp;#228;ftigung. 
Und Steuervermeidung und Steuerverlagerung m&amp;#252;ssen finanziell unattraktiver werden  ein Baustein f&amp;#252;r die Konsolidierung der Staatsfinanzen  und f&amp;#252;r mehr Steuergerechtigkeit. 
Mit der Anhebung der Umsatzsteuer von 16% auf 19% im Jahr 2007 konnten Bedingungen geschaffen werden, um den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung zu senken und damit Unternehmen und Arbeitnehmer zu entlasten.
Ebenso war dies ein unverzichtbarer Beitrag f&amp;#252;r die Sanierung der &amp;#246;ffentlichen Haushalte. Deutschland liegt mit 19% immer noch knapp unter dem europ&amp;#228;ischen Durchschnitt. 
Bei dem erm&amp;#228;&amp;#223;igten Steuersatz von sieben Prozent h&amp;#228;tte ich mir ein bisschen mehr Mut zu Bereinigungen gew&amp;#252;nscht. Hier wird in den kommenden Jahren eine wichtige Aufgabe vor uns liegen.
Kernelement der Unternehmensteuerreform seit Januar 2008 ist vor allem die Senkung des K&amp;#246;rperschaftsteuersatzes von 25% auf 15%.
Eng mit der Reform der Unternehmensbesteuerung verkn&amp;#252;pft ist die Modernisierung der Kapitalertragsbesteuerung. Ein transparentes System der Kapitalbesteuerung bei privaten Haushalten h&amp;#228;lt Kapital im Inland und sichert dadurch langfristig das Steueraufkommen. Seit Januar 2009 werden alle privaten Kapitaleink&amp;#252;nfte einheitlich mit einer 25-prozentigen Abgeltungsteuer belegt. Steuerpflichtige mit Zinseink&amp;#252;nften und einem niedrigeren individuellen Steuersatz als 25% werden nicht st&amp;#228;rker belastet, wenn sie diese in ihrer Steuererkl&amp;#228;rung angeben.
Mit dem B&amp;#252;rgerentlastungsgesetz wurde eine der gr&amp;#246;&amp;#223;ten Steuerentlastungen der bundesdeutschen Geschichte beschlossen. Rund 16,6 Millionen Menschen profitieren ab Januar 2010 durch die bessere Absetzbarkeit der Beitr&amp;#228;ge zur Kranken- und Pflegeversicherung von Entlastungen in H&amp;#246;he von ca. 10 Mrd. Euro j&amp;#228;hrlich. 
Weitere deutliche Steuerentlastungen besonders f&amp;#252;r untere Einkommensgruppen ergaben sich bereits aus den Beschl&amp;#252;ssen zu den Konjunkturpaketen. 
So ist f&amp;#252;r 2009 neben der Erh&amp;#246;hung des Grundfreibetrages (auf 7.834 , ab 1. Januar 2010 auf 8.004 ) auch der Eingangssteuersatz von 15% auf 14% gesunken. 
Familien werden zus&amp;#228;tzlich seit Jahresbeginn durch das erh&amp;#246;hte Kindergeld, die Anhebung des Kinderfreibetrages und den f&amp;#252;r 2009 einmalig gew&amp;#228;hrten Kinderbonus entlastet.
Andere Entlastungsschritte zielten auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sowie die Eind&amp;#228;mmung der Schwarzarbeit: Die F&amp;#246;rderung von haushaltsnahen Dienstleistungen wurde ausgeweitet und eine Ber&amp;#252;cksichtigung von Arbeitskosten bei Handwerkerleistungen zu Erhaltungs- und Modernisierungszwecken (erweitert zum 1. Januar 2009) im privaten Bereich eingef&amp;#252;hrt. 
Die Ber&amp;#252;cksichtigung von Kinderbetreuungskosten wurde deutlich verbessert.
(Sie haben es sicher bemerkt: Dies war auch ein Beitrag zu den &amp;#196;u&amp;#223;erungen des Bundesfinanzministers, wir k&amp;#246;nnten uns Steuersenkungen auf breiter Front nicht leisten.)

Wir werden jetzt sehr aufmerksam beobachten m&amp;#252;ssen, wie diese Ma&amp;#223;nahmen wirken und in welchem Ma&amp;#223;e sie die Kr&amp;#228;fte motivieren, die zu neuem Wachstum f&amp;#252;hren, das wir dringend brauchen. Denn diese steuerlichen Erleichterungen f&amp;#252;r Herrn und Frau B&amp;#252;rger werden zun&amp;#228;chst mit neuen Schulden finanziert. Und die kosten im n&amp;#228;chsten Jahr zus&amp;#228;tzliche Zinsen. Davon haben wir aber ganz bestimmt schon jetzt zu viel!

Schleswig-Holstein hat im vergangenen Jahr, dem besten Einnahmejahr aller Zeiten, eine Milliarde Euro Zinsen f&amp;#252;r alte Schulden bezahlen m&amp;#252;ssen. Und eine weitere Milliarde Euro f&amp;#252;r Pensionen, weil daf&amp;#252;r keine Vorsorge getroffen war. Das hei&amp;#223;t: Fast jeder dritte eingenommene Euro wird f&amp;#252;r die Bezahlung von Vergangenheit ausgegeben. Nicht f&amp;#252;r Zukunftsaufgaben. 

Bei einigen Punkten bin ich allerdings der Meinung, sie h&amp;#228;tten an anderer Stelle kompensiert werden k&amp;#246;nnen. Ich habe deshalb im Bundesrat dem B&amp;#252;rgerentlastungsgesetz meine Zustimmung verweigert, weil ich der Meinung bin, dass wir nicht gen&amp;#252;gend &amp;#220;berraschungseier haben, mit denen wir alle W&amp;#252;nsche beliebig erf&amp;#252;llen k&amp;#246;nnen.

Dabei haben wir einen beachtlichen Spagat vor uns. 
Wir m&amp;#252;ssen gleichzeitig
kraftvoll in den Ausbau der Infrastruktur investieren, 
die unertr&amp;#228;glich hohe Verschuldung konsequent zur&amp;#252;ckf&amp;#252;hren,
und die Einnahmeseite der &amp;#246;ffentlichen Haushalte einschlie&amp;#223;lich der sozialen Sicherungen zukunftsf&amp;#228;hig machen.

Dabei f&amp;#252;hrt an den ersten beiden Punkten &amp;#252;berhaupt kein Weg vorbei. Ohne Zukunftsinvestitionen in den Ausbau von Verkehrswegen, Ver- und Entsorgungs- und Datennetzen werden wir nicht dauerhaft im internationalen Wettbewerb bestehen k&amp;#246;nnen. Und wenn wir die wahnsinnige staatliche Verschuldung nicht in absehbarer Zeit stoppen, werden uns die Zinsen f&amp;#252;r die Altschulden erdrosseln  oder unsere Nachkommen, weil sie die hohen Lasten nicht mehr tragen k&amp;#246;nnen.

Bei der Entwicklung der steuerlichen Belastung m&amp;#252;ssen wir sehr sorgf&amp;#228;ltig schauen, welche Stellschrauben notwendig sind, um die Leistungstr&amp;#228;ger in unserer Gesellschaft nicht so &amp;#252;ber Geb&amp;#252;hr mit Steuern und Abgaben zu belasten, dass sie sich schlie&amp;#223;lich dieser Leistung verweigern. Denn sie tragen die Last auch f&amp;#252;r jene, die nicht leistungsf&amp;#228;hig sind. Deshalb werden wir hier  wenn die konjunkturelle Entwicklung dies zul&amp;#228;sst   &amp;#252;berschaubare Korrekturen vornehmen m&amp;#252;ssen. Das gilt f&amp;#252;r die Abflachung des Mittelstandsbauchs ebenso wie f&amp;#252;r die Verschiebung des H&amp;#246;chststeuersatzes.

Schlie&amp;#223;lich aber  und das ist die eigentliche Aufgabe  f&amp;#252;hrt m.E. kein Weg vorbei an einer umfassenden Steuerstrukturreform, die ein einfacheres, transparentes und f&amp;#252;r die Betroffenen und Beteiligten nachvollziehbares, wieder Vertrauen stiftendes Steuerrecht schafft, das sich auf deutlich weniger Steuerarten beschr&amp;#228;nkt, dabei auf Ausnahmeregelungen weitgehend verzichtet und so zu erheblich g&amp;#252;nstigeren Kosten bei Steuerpflichtigen, ihren Beratern und der Finanzverwaltung f&amp;#252;hrt. In der Steuerverwaltung in Schleswig-Holstein sind 5.000 Menschen besch&amp;#228;ftigt.

Ich bin der festen &amp;#220;berzeugung, dass wir uns das heutige, in der Handhabung luxuri&amp;#246;s aufw&amp;#228;ndige Steuerrecht einfach nicht leisten k&amp;#246;nnen. Weder auf der Seite der Steuerpflichtigen noch auf der Seite der Steuereinnehmer.

Und weil Herr Steinbr&amp;#252;ck gerne markig darauf hinweist, dass es keinen Urknall gibt, aus dem pl&amp;#246;tzlich und unerwartet ein solches Steuerrecht erw&amp;#228;chst, 
und der damit eigentlich genau dies verweigert, 
will ich gerne noch betonen: 

Ein neues und zukunftsf&amp;#228;higes Steuerrecht entsteht in der Tat nicht von selbst durch einen Urknall, sondern durch ein klares Zielkonzept, bei dem man wei&amp;#223;, wo man mittel- und langfristig ankommen will und das man in einer Vielzahl von Schritten &amp;#252;ber Jahre konsequent verfolgt und zielstrebig umsetzt. Das ist allerdings mit harter Arbeit und klarem Blick f&amp;#252;r das Wichtige verbunden. 

Und: Dies zu formulieren und festzulegen, gelingt nach meiner festen &amp;#220;berzeugung nur in einer wirtschaftlichen Schw&amp;#228;chephase  also jetzt. Denn die meisten finanz- und haushaltspolitischen Fehler in den letzten vierzig Jahren wurden in Hochkonjunkturzeiten begangen. Nach dem Motto: Wir habens ja  und das wird schon noch so weitergehen.

Meine Damen und Herren,
es wird Sie also nicht &amp;#252;berraschen, dass es auch nach dem 27. September eine Vielzahl steuerpolitischer Themen geben wird, die mit Sorgfalt und Intensit&amp;#228;t zu diskutieren sind.

Ich bin deshalb auch sehr gespannt auf Ihre steuerpolitischen Strategien.

Deshalb w&amp;#252;nsche ich Ihnen f&amp;#252;r die n&amp;#228;chsten beiden Tage eine interessante und erfolgreiche Bundesversammlung. Die Atmosph&amp;#228;re hier an der K&amp;#252;ste mit frischem Wind und weitem Blick schafft bestimmt eine gute Grundlage f&amp;#252;r eine solche Beratung.


</description>
</item>


</channel>
</rss>