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<title>Reden von Finanzminister Rainer Wiegard</title>
<link>http://www.rainerwiegard.de</link>
<description>Rainer Wiegard - Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein f&#252;r die CDU. Die aktuellen Pressemitteilungen:</description>
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	<title>Debatte zum Haushalt und Finanzplan</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=120</link>
	<description>Finanzminister Rainer Wiegard im Landtag: Die Vergangenheit hat unsere Zukunft unerbittlich eingeholt
Die Vergangenheit hat unsere Zukunft unerbittlich eingeholt

Mit dem Finanzplan, dem Entwurf f&amp;#252;r die Haushalte 2011 und 2012 und dem Haushaltsbegleitgesetz haben wir Ihnen den finanzpolitischen Fahrplan in die Zukunft vorgelegt. Den Fahrplan in eine Zukunft, in der auch unsere Kinder und deren Kinder ein lebenswertes Schleswig-Holstein vorfinden.
Unserem Haushaltsentwurf liegt erstmals eine langfristige, &amp;#252;ber den gesamten Konsolidierungspfad reichende Finanzplanung zugrunde.
F&amp;#252;r unser Land beginnt mit dieser langfristigen Finanzplanung und dem daraus abgeleiteten Doppelhaushalt eine neue Zeitrechnung. Der Blick ist fest auf das Jahr 2020 gerichtet. Wir richten die schleswig-holsteinische Haushaltspolitik darauf aus, in sp&amp;#228;testens zehn Jahren nur noch so viel Geld auszugeben, wie zugleich auch erwirtschaftet wird.

Und dies geschieht nach dem Grundsatz: 
Niemand hat das Recht, heute noch nicht geborene Generationen mit Schulden zu belasten, um sich jetzt einen besseren Lebensstandard leisten zu k&amp;#246;nnen.
Deshalb machen wir endg&amp;#252;ltig Schluss mit immer mehr, immer weiteren Vorbelastungen f&amp;#252;r die Zukunft.

Ende 2010 wird Schleswig-Holstein 27 Milliarden Euro Schulden haben. 23 Milliarden davon waren bis 2005 aufgelaufen; 1,6 Milliarden davon waren au&amp;#223;erhalb des Landeshaushaltes verborgen. Hier stellen wir Transparenz her. Die j&amp;#228;hrliche Belastung aus diesen Schulden betr&amp;#228;gt rund eine Milliarde Euro Zinsen. 
2020 werden die Schulden voraussichtlich &amp;#252;ber 33 Milliarden Euro betragen - ohne unsere Konsolidierung aber mindestens 10 Milliarden Euro mehr. &amp;#220;ber Handlungsf&amp;#228;higkeit muss dann niemand mehr nachdenken. Wer jetzt nicht handelt, treibt das Land in den sicheren Bankrott.
Dabei tr&amp;#246;stet es &amp;#252;berhaupt nicht, dass die Finanzlage Schleswig-Holsteins objektiv vor f&amp;#252;nf Jahren deutlich schlechter war als heute. Damals hatte der Landeshaushalt eine Kreditfinanzierungsquote von 21 Prozent, heute von 17 Prozent. Aber es ist ziemlich gleichg&amp;#252;ltig, ob man 21 Meter unter Wasser ist, oder 17 Meter. 
Das ist lediglich der zur Wahrhaftigkeit notwendige Hinweis an diejenigen unter uns, die heute das hohe Lied der Konsolidierung singen, die allerdings ohne deren verantwortungsloses Handeln in den vergangenen 20 Jahren gar nicht erforderlich w&amp;#228;re. 

Wir haben 2006 diese charakterlose Schuldenmacherei beendet und bis 2008 jeden zus&amp;#228;tzlich eingenommenen Steuer-Euro f&amp;#252;r die Senkung des &amp;#252;bernommenen Fehlbetrages im Haushalt verwendet. Die Rezession des Jahres 2009 hat uns zwar vor&amp;#252;bergehend einen Strich durch die Fortsetzung dieser Konsolidierungsstrategie gemacht. Aufhalten wird sie uns nicht. Und die wirtschaftliche Entwicklung zeigt erste Aufw&amp;#228;rtstendenzen.
W&amp;#228;hrend die Schulden des Landes in den letzten zwanzig Jahren um das 2,6-fache gestiegen sind, wuchs die Zinslast nur um das 1,5-fache. H&amp;#228;tte sich der Zinsmarkt in &amp;#228;hnlicher Form entwickelt wie die Schulden, h&amp;#228;tten wir heute bereits 600 Millionen Euro mehr an Zinsen zu zahlen, also nicht eine Milliarde, sondern 1,6 Milliarden Euro.
Nach unseren Prognoserechnungen steigen die Zinslasten in den kommenden zehn Jahren um gut 700 Millionen Euro an  wenn der Konsolidierungskurs konsequent umgesetzt wird. Geschieht das nicht, und die Ausgaben werden weiterhin in dem bisherigen Ma&amp;#223;e entwickelt, wird die Steigerung doppelt so hoch ausfallen.
So werden k&amp;#252;nftige Generationen auch nach 2020 noch jedes Jahr &amp;#252;ber 1,7 Milliarden Euro Zinsen zu zahlen haben, obwohl und wenn ab dann keine neuen Schulden mehr hinzukommen.

Aber das ist noch nicht die ganze Wahrheit &amp;#252;ber die Vorbelastungen aus der Vergangenheit, die die Zukunft auch hier unerbittlich einholt.
Denn: Ist die Zahl der Versorgungsempf&amp;#228;nger in den letzten 20 Jahren um etwa 10.000 Versorgungsberechtigte gestiegen, wird sich diese Zahl jetzt bereits in den n&amp;#228;chsten 10 Jahren um weitere 10.000 Versorgungsberechtigte erh&amp;#246;hen. Aus heute 28.000 werden dann 38.000 Versorgungsberechtigte. Und die Versorgungs- und Beihilfeleistungen f&amp;#252;r diesen Personenkreis werden von heute etwa einer Milliarde Euro um gut 500 Millionen Euro ansteigen, weil f&amp;#252;r diese Ausgaben in der aktiven Besch&amp;#228;ftigungszeit der Beamten keine entsprechende Vorsorge getroffen wurde. 

Die Hypotheken der Vergangenheit lassen kr&amp;#228;ftig gr&amp;#252;&amp;#223;en.
Derzeit wenden wir jeden dritten Steuer-Euro nur f&amp;#252;r die Bezahlung der Vergangenheit auf. Dieses Geld steht f&amp;#252;r Zukunftsaufgaben nicht mehr zur Verf&amp;#252;gung.

Schleswig-Holstein ist mit diesen Hypotheken belastet - und hat dar&amp;#252;ber hinaus noch einen gewaltigen Renovierungsstau. 

So betr&amp;#228;gt das strukturelle Defizit etwa 1,25 Mrd. Euro, die Differenz also zwischen den konjunkturbereinigten regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Einnahmen und den regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Ausgaben. &amp;#220;ber die Methode, dies f&amp;#252;r alle L&amp;#228;nder und den Bund einheitlich zu berechnen, wird zwar noch verhandelt. Aber in dieser Region wird sich das bewegen.
Das bedeutet bis 2020: 
1,25 Milliarden Euro strukturelles Defizit abbauen,
+ 700 Millionen Euro zus&amp;#228;tzliche Zinsen bew&amp;#228;ltigen,
+ 500 Millionen Euro zus&amp;#228;tzliche Versorgungsleistungen aufbringen.
Das sind vergangenheitsbezogene Lasten von rund 2,4 Milliarden Euro.

Dar&amp;#252;ber hinaus werden die Tarifsteigerungen bei den aktiv Besch&amp;#228;ftigten trotz erheblicher Personalstellenreduzierung mindestens 400 Millionen Euro betragen. Und die den Kommunen zustehenden Steueranteile im Kommunalen Finanzausgleich verlangen etwa die gleiche Summe von 400 Millionen Euro.
So summieren sich die nicht mehr vermeidbaren Vorbelastungen aus der Vergangenheit und die aus heutiger Sicht berechenbaren k&amp;#252;nftigen Belastungen auf insgesamt etwa 3,2 Milliarden Euro, die im Jahr 2020 erwirtschaftet werden m&amp;#252;ssen.

Dagegen wird die konjunkturbereinigte Steuerentwicklung einschlie&amp;#223;lich L&amp;#228;nderfinanzausgleich und Zuweisungen des Bundes sowie den Ausgleich f&amp;#252;r die weggefallene Kfz-Steuer im Jahr 2020 gegen&amp;#252;ber heute einen Zuwachs von etwa 2,3 Milliarden Euro ausweisen.

Daraus ergibt sich, dass das heutige Ausgabevolumen au&amp;#223;erhalb der genannten Bereiche um rund 900 Millionen Euro, fast eine Milliarde Euro, reduziert werden muss - oder aber die Einnahmen noch &amp;#252;ber das berechnete Volumen hinaus gesteigert werden m&amp;#252;ssen.

Wir haben in den vergangenen Monaten in Deutschland und in anderen Teilen Europas &amp;#252;ber die Finanzlage Griechenlands geh&amp;#246;rt. Manche haben sich dar&amp;#252;ber ereifert.
Wir sollten da zur&amp;#252;ckhaltend sein. Denn die Summe der Kapitalmarktschulden des Landes und seiner Kommunen und die anteiligen Bundesschulden, die mit der schleswig-holsteinischen Wirtschaftsleistung zu erwirtschaften sind, betrugen am Ende des letzten Jahres &amp;#252;ber 63 Milliarden Euro  und damit 87 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts. Und darin sind die impliziten Verpflichtungen aus Versorgungszusagen noch nicht enthalten. Sie betragen weitere 36 Milliarden Euro. Damit sind wir bei 100 Milliarden und 130 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts.

Nicht nur die Vergangenheit, auch Griechenland l&amp;#228;sst gr&amp;#252;&amp;#223;en.

Das ist die ungeschminkte Finanzlage des Landes Schleswig-Holstein heute und ihre Fortschreibung auf das Jahr 2020 - wenn Parlament und Regierungen sich in der Zwischenzeit nicht wegducken, sondern ihre Aufgabe erf&amp;#252;llen und mit ihren Entscheidungen daf&amp;#252;r sorgen, dass in sp&amp;#228;testens zehn Jahren mit dem R&amp;#252;ckbau der aufget&amp;#252;rmten Schulden begonnen werden kann.

Die wesentlichen finanzpolitischen Ziele

Das vorrangige Ziel ist es, ab 2020 einen strukturell ausgeglichenen Haushalt aufzustellen und zu vollziehen. 
Das strukturelle Defizit abzubauen ist dabei nicht Selbstzweck. Aber ohne das ist alles andere zwecklos. 
Um die Handlungsf&amp;#228;higkeit Schleswig-Holsteins wieder herzustellen, d&amp;#252;rfen die regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Ausgaben nicht dauerhaft die regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Einnahmen &amp;#252;bersteigen.
Dazu m&amp;#252;ssen wir uns von der Fixierung auf ein einzelnes Haushaltsjahr ebenso verabschieden wie von der Betrachtung der jeweiligen j&amp;#228;hrlichen Einnahmen und Ausgaben. Die Einnahmen beinhalten konjunkturelle Schwankungen. Entscheidend ist deshalb die Entwicklung der um konjunkturelle Effekte bereinigten strukturellen Einnahmen. 
Die Ergebnisse der Steuersch&amp;#228;tzungen verlieren so f&amp;#252;r die Aufstellung der Haushalte ihre zentrale Bedeutung. Aber die darin enthaltenen Konjunkturprognosen zeigen, ob wir unsere konjunkturell bedingte Kreditaufnahme nachjustieren m&amp;#252;ssen oder nicht. 

Unser zweites Ziel ist, das strukturelle Defizit in zehn Jahren in gleichen Schritten abzubauen, also um j&amp;#228;hrlich etwa 125 Millionen Euro.
F&amp;#252;r diesen Pfad haben wir die Ausgabengrenze festgelegt. Sie ergibt sich aus allen zur Verf&amp;#252;gung stehenden strukturellen Einnahmen und dem maximal zul&amp;#228;ssigen strukturellen Defizit. Diese Ausgabengrenze ist in unserer Planung ein maximaler Wert. Er kann nach unten, nicht aber nach oben ver&amp;#228;ndert werden. 
Das jahresdurchschnittliche Wachstum unserer allgemeinen strukturellen Deckungsmittel betr&amp;#228;gt rd. 3,4 Prozent. Unsere Ausgabengrenze w&amp;#228;chst hingegen lediglich um rund 1,5 Prozent. So wir werden im Planungszeitraum das Wachstum der Ausgaben deutlich unterhalb des Wachstums der Einnahmen halten. Auf diese Weise verringern wir unser strukturelles Defizit stetig. 

Unser drittes Ziel ist es, die j&amp;#228;hrliche Konsolidierungshilfe von 80 Millionen Euro zu erhalten. Der Bund und alle L&amp;#228;nder bezahlen die Konsolidierungshilfe durch Umsatzsteuerabzug. So auch Schleswig-Holstein. Die Berichte an den Stabilit&amp;#228;tsrat  den ersten werden wir f&amp;#252;r die kommende Sitzung im Oktober vorlegen  werden den Nachweis erbringen, dass unsere Konsolidierung gelingt. 

Und viertens wollen wir den Kommunen im Rahmen des Kommunalen Finanzausgleichs Planungssicherheit geben. So wollen wir den kommunalen Finanzausgleich verstetigen, ihn also im Zuge der eigenen Steuerplanung von konjunkturellen Schwankungen frei machen, wie bei den Landeseinnahmen auch. Voraussetzung ist eine Einigung mit der kommunalen Familie &amp;#252;ber die konkrete Ausgestaltung. Dar&amp;#252;ber wird derzeit verhandelt.

Ausgaben reduzieren  Einnahmen verstetigen

Die genannten finanzpolitischen Ziele k&amp;#246;nnen nur erreicht werden, wenn die derzeitigen regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Ausgaben begrenzt, teilweise reduziert und die regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Einnahmen auf einem h&amp;#246;heren Niveau als heute verstetigt werden. 
Ohne diese Kombination aus Ausgabendisziplin und Einnahmestabilit&amp;#228;t wird ein ausgeglichener Haushalt nicht zu erreichen sein.
Und da insbesondere die Vorbelastungen aus der Vergangenheit - neben dem strukturellen Defizit vor allem die unvermeidbaren Ausgaben f&amp;#252;r Zinsen und Versorgung - einen immer gr&amp;#246;&amp;#223;er werdenden Teil beanspruchen, bleibt f&amp;#252;r die &amp;#252;brigen Ausgaben f&amp;#252;r Personal und Verwaltung, Zuweisungen und Investitionen kein wachsender Ausgaberahmen mehr &amp;#252;brig.  

Das daf&amp;#252;r zur Verf&amp;#252;gung stehende Gesamtbudget wird &amp;#252;ber den gesamten Konsolidierungszeitraum mit jeweils rund sieben Milliarden Euro auf konstantem Niveau gehalten. 

Dabei steigen die darin enthaltenen Ausgaben f&amp;#252;r Personal und Verwaltung von derzeit knapp 3,8 Milliarden Euro um rund 700 Millionen Euro auf 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2020.
Darin ist bereits enthalten, dass wir die Zahl der Stellen um 5300 reduzieren  eine gewaltige Stellen Kraftanstrengung  und eine Vielzahl personalwirtschaftlicher Ma&amp;#223;nahmen vornehmen, die ebenfalls die Ausgaben begrenzen werden: so erh&amp;#246;hen wir das Pensionseintrittsalter f&amp;#252;r Regierungsmitglieder um sieben Jahre, die Lebensarbeitszeit bei Polizeibeamten um zwei Jahre und Beamte m&amp;#252;ssen k&amp;#252;nftig eine h&amp;#246;here Eigenleistung bei der Beihilfe erbringen.
Dies alles begrenzt jedoch nur den Anstieg der Ausgaben, verhindern kann es ihn nicht.
Allein in den n&amp;#228;chsten beiden Haushaltsjahren steigen Personal- und Verwaltungskosten deshalb von 3,77 Mrd. Euro um 165 Mio. Euro auf 3,93 Mrd. Euro. Im selben Zeitraum bauen wir bereits rund 870 Stellen ab.

Wenn in einem festen Ausgaberahmen ein Teil der Ausgaben steigt, reduziert sich zwangsl&amp;#228;ufig der verbleibende Teil. Hier kommen ganz simpel die vier Grundrechenarten zum Tragen, die in den vergangenen zwanzig Jahren str&amp;#228;flich ignoriert worden sind. 
Nach Abzug der Ausgaben f&amp;#252;r Personal und Verwaltung sinkt das verbleibende Budget f&amp;#252;r Zuweisungen, Zusch&amp;#252;sse und Investitionen von heute 3,4 Milliarden Euro um 740 Millionen  Euro auf rund 2,7 Milliarden Euro in 2020, davon allein in den n&amp;#228;chsten beiden Haushaltsjahren um 327 Mio. Euro oder mehr als 40 Prozent. 

Neben der K&amp;#252;rzung von Ausgaben im Zuge des Auslaufens der Konjunkturprogramme haben wir uns bei den vorgenommenen Ausgabek&amp;#252;rzungen wesentlich an drei Kriterien orientiert:
	dem Ausgabeniveau vergleichbarer L&amp;#228;nder,
	der Reduzierung einkommensunabh&amp;#228;ngiger F&amp;#246;rderungen und
	der Beseitigung m&amp;#246;glicher Doppelstrukturen.

Die K&amp;#252;rzung und Begrenzung von Ausgaben st&amp;#246;&amp;#223;t dabei nat&amp;#252;rlich regelm&amp;#228;&amp;#223;ig nicht auf ausgepr&amp;#228;gte Zustimmung der jeweils Betroffenen. Sie betrifft alle &amp;#246;ffentlichen Aufgabenbereiche. 
	So schaffen wir die unabh&amp;#228;ngig vom Einkommen gew&amp;#228;hrte beitragsfreie Betreuung von Kindern wieder ab. Stattdessen bauen wir die Infrastruktur aus und helfen den Kommunen, ihre Aufgaben der Daseinsvorsorge in der Kinderbetreuung besser erf&amp;#252;llen zu k&amp;#246;nnen. (35 Mio.  Euro)
	Wir senken das ebenfalls einkommensunabh&amp;#228;ngig gew&amp;#228;hrte Landesblindengeld f&amp;#252;r Erwachsene auf den Satz, der f&amp;#252;r blinde Kinder gilt, n&amp;#228;mlich 200 Euro im Monat. Das Blindengeld f&amp;#252;r Kinder wird nicht gek&amp;#252;rzt. Einkommensschwache blinde Menschen erhalten angemessene Blindenhilfe. (9,5 Mio. Euro)
	Wir streichen die Landeszusch&amp;#252;sse zu den Sch&amp;#252;lerbef&amp;#246;rderungskosten (insgesamt rund 7 Mio. Euro: 6,5 Mio. Euro plus 0,5 Mio. Euro bei den Schulen der d&amp;#228;nischen Minderheit)
	Wir senken die Ausgaben im Rahmen der Sozialvertr&amp;#228;ge (1,6 Mio. Euro bzw. 0,4 Mio.  Euro) und begrenzen das Wachstum der Ausgaben im Sozialhaushalt.
	Wir senken die Ausgaben f&amp;#252;r die einzelbetriebliche F&amp;#246;rderung im Zuge der Wirtschaftsf&amp;#246;rderung und konzentrieren uns auf den Ausbau der Infrastruktur. 
	Wir k&amp;#252;rzen den Zuschuss zum Schleswig-Holstein MusikFestival  ohne die Aufgabe an sich damit zu gef&amp;#228;hrden. 

Wenn wir die Ausgaben im Rahmen der verf&amp;#252;gbaren Mittel neu ordnen, geht es vor allem darum, dies - soweit m&amp;#246;glich - gerecht zu gestalten, dabei die f&amp;#252;r unsere Gesellschaft notwendigen ehrenamtlichen Strukturen zu erhalten und die soziale Ausgewogenheit zu wahren. Wer bessere Vorschl&amp;#228;ge hat, als die, die wir Ihnen hier vorlegen, ist herzlich eingeladen, sie nicht f&amp;#252;r sich zu behalten.

Aber ich sage auch ganz ausdr&amp;#252;cklich: F&amp;#252;r die Haushaltskonsolidierung reichen Ausgabenk&amp;#252;rzungen und wirtschaftliches Wachstum allein nicht aus. 
Wir brauchen neben einem stetigen und verl&amp;#228;sslichen Einnahmewachstum auch strukturelle Einnahmeverbesserungen.
Unsere Finanzplanung sieht deshalb zus&amp;#228;tzlich zu der Fortschreibung der langfristigen Steuereinnahmen mit j&amp;#228;hrlich 2,5 Prozent f&amp;#252;r die Jahre 2013 bis 2016 auch strukturelle Einnahmeverbesserungen von jeweils 100 Millionen Euro vor, um die durch die Auswirkungen zahlreicher Steuergesetze in 2010 entstandene Delle bei den strukturellen Steuereinnahmen von rund 400 Millionen Euro wieder auszugleichen.
Diese Einnahmeverbesserungen m&amp;#252;ssen vorrangig durch die Beseitigung von Ausnahmen und Verg&amp;#252;nstigungen bei der Einkommensteuer und der Umsatzsteuer erzielt werden. Das muss zugleich auch der Vereinfachung und der Senkung von B&amp;#252;rokratiekosten f&amp;#252;r Unternehmen, B&amp;#252;rger und Verwaltung dienen.

Wir werden die Grunderwerbsteuer ab 2013 von 3,5 Prozent auf 5 Prozent anheben. Das ist eine klare Ansage. Eine Erh&amp;#246;hung der Grunderwerbsteuer zu einem fr&amp;#252;heren Zeitpunkt ist nicht sinnvoll. Denn wir befinden uns derzeit erst in einer zarten wirtschaftlichen Aufw&amp;#228;rtsbewegung. Es w&amp;#228;re unverantwortlich, diese Entwicklung durch plumpe st&amp;#252;mperhafte Steuererh&amp;#246;hungen zu gef&amp;#228;hrden. Und die zweij&amp;#228;hrige &amp;#220;bergangszeit gibt allen Planungssicherheit. 
Zur Sicherung der Gemeindefinanzen muss neben der Verstetigung der Steuereinnahmen der Gemeinden durch eine Reform der Gewerbesteuer vor allem auch die Grundsteuerreform zu einem Abschluss gef&amp;#252;hrt werden.

Jeden Steuer-Euro, den wir &amp;#252;ber den langfristigen Durchschnitt hinaus einnehmen, setzen wir zur Tilgung der Schulden ein. Dieses Geld dient nicht  wie in der Vergangenheit - zur Finanzierung neuer Ausgaben. 

Das alles bedeutet, dass es f&amp;#252;r die Senkung des Steuerniveaus keinen Spielraum gibt. Das hei&amp;#223;t nicht, das nicht in einzelnen F&amp;#228;llen auch Steuersenkungen erforderlich sein k&amp;#246;nnen. Beispiele daf&amp;#252;r habe ich in der Vergangenheit bereits hinreichend aufgezeigt. Aber sie d&amp;#252;rfen insgesamt nicht zu einer Reduzierung des Steueraufkommens f&amp;#252;hren, wenn nicht zugleich die Aufgaben in entsprechendem Ma&amp;#223;e reduziert werden. Anders ist der Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben nicht herzustellen.

Auf politische Schwerpunkte konzentrieren

Schleswig-Holstein hat in der zweiten H&amp;#228;lfte der neunziger Jahre den Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland verloren. Zwar sind wir in den letzten drei Jahren bei Erwerbst&amp;#228;tigkeit und Arbeitslosigkeit im Trend besser als der Bundesdurchschnitt, aber wir werden in den n&amp;#228;chsten zehn Jahren regelm&amp;#228;&amp;#223;ig eine &amp;#252;berdurchschnittliche wirtschaftliche Entwicklung nehmen m&amp;#252;ssen, um den Anschluss an die anderen westlichen Bundesl&amp;#228;nder wiederzufinden.

Deshalb gilt es, sehr konzentriert und zielstrebig  
	die wirtschaftliche und wirtschaftsnahe Infrastruktur ausbauen - Forschung und Wissenschaft zu f&amp;#246;rdern
	die Bildungschancen zu verbessern  und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern
	unsere Verwaltung zu modernisieren  und die Zusammenarbeit in Norddeutschland zu intensivieren

Infrastruktur ausbauen
Der Ausbau unserer wirtschaftsnahen Infrastruktur ist Voraussetzung daf&amp;#252;r, dass Schleswig-Holstein die strukturelle Schw&amp;#228;che &amp;#252;berwindet und den in den 90er Jahren verlorenen Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung anderer L&amp;#228;nder weiter aufholt. Der Infrastrukturausbau stellt in allen Bereichen die Basis f&amp;#252;r Wachstum Arbeitspl&amp;#228;tze dar.
Ein besonderer Schwerpunkt ist der Ausbau der touristisch bedeutsamen Infrastruktur, der gew&amp;#228;hrleistet, dass Schleswig-Holstein auch in Zukunft - in dieser f&amp;#252;r unser Land wichtigen Branche - ein attraktiver Standort ist. 
Daneben sind Investitionen in die Infrastruktur der H&amp;#228;fen, der Weiterbildung, der Forschung aber auch in weiche wirtschaftsnahe Faktoren wie Beratungsprojekte und Clustermanagements erforderlich. Unsere St&amp;#228;rken m&amp;#252;ssen bestm&amp;#246;glich aufgebaut und vernetzt werden.
Die Wettbewerbsf&amp;#228;higkeit der schleswig-holsteinischen Unternehmen und Arbeitspl&amp;#228;tze ist abh&amp;#228;ngig von deren Innovationsgrad. Die Vernetzung von Wirtschaft mit Wissenschaft und Forschung ist deshalb f&amp;#252;r beide von existenzieller Bedeutung. Einerseits sorgen die Hochschulen f&amp;#252;r die Deckung des Arbeitskr&amp;#228;ftebedarfs der Unternehmen. Andererseits sorgen Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Einrichtungen sowohl der Grundlagenforschung als auch der angewandten Forschung f&amp;#252;r Innovationen. Diese werden auch von schleswig-holsteinischen Unternehmen genutzt. Die Wettbewerbsf&amp;#228;higkeit der Unternehmen wird verbessert. Das sichert und schafft Arbeitspl&amp;#228;tze und Erwerbst&amp;#228;tigkeit.

Deshalb steigen die Ausgaben f&amp;#252;r die Fachhochschulen und Universit&amp;#228;ten von knapp 255 Millionen Euro um 2,8 Prozent im Jahre 2011 bzw. 4,2 Prozent im Jahre 2012.
Ziel ist es, die Exzellenzf&amp;#228;higkeit im Land zu erhalten. Deshalb wird die Christian-Albrechts-Universit&amp;#228;t dabei unterst&amp;#252;tzt, Eliteuniversit&amp;#228;t zu werden. Den Universit&amp;#228;ten werden 4 Millionen Euro in 2011 und 3,5 Millionen Euro in 2012 zur Vorbereitung f&amp;#252;r Antr&amp;#228;ge der Exzellenzinitiative II zur Verf&amp;#252;gung gestellt.

Bildungschancen verbessern
Wir f&amp;#246;rdern die fr&amp;#252;hkindliche Bildung und Betreuung bis zum Jahr 2013 mit insgesamt rund 490 Millionen Euro. Bis 2013 sollen rund 17.000 neue Betreuungspl&amp;#228;tze f&amp;#252;r Kinder unter drei Jahren entstehen. Wir stellen hierf&amp;#252;r im Finanzplanungszeitraum rund 105 Millionen Euro f&amp;#252;r Investitionen bereit. Dar&amp;#252;ber hinaus beteiligen wir uns auch an den Betriebskosten dieser Einrichtungen bis 2013 mit weiteren rund 115 Millionen Euro einschlie&amp;#223;lich Bundesmitteln.
Und wir beenden die rot-gr&amp;#252;ne Deckelung des Landeszuschusses f&amp;#252;r den laufenden Betrieb der Kindertagesst&amp;#228;tten und erh&amp;#246;hen den Zuschuss ab 2011 von 60 Millionen Euro auf 70 Millionen Euro pro Jahr erh&amp;#246;ht (+17 Prozent). Unsere Kindertagesst&amp;#228;tten erhalten die dringend ben&amp;#246;tigte Mittel.
Die vorschulische Sprachentwicklung ist ein wichtiger Beitrag zur Integration. Wir f&amp;#246;rdern sie deshalb weiterhin mit j&amp;#228;hrlich sechs Millionen Euro. F&amp;#252;r den Ausbau der Betreuungs- und Ganztagsangebote werden 8,8 Millionen Euro j&amp;#228;hrlich zur Verf&amp;#252;gung gestellt. Au&amp;#223;erdem bleibt der Vertretungsfonds mit 12 Millionen Euro pro Jahr stabil. Mit Personalkostenzusch&amp;#252;ssen von 3,2 Millionen Euro st&amp;#228;rken wir das Handlungskonzept &quot;Schule und Arbeitswelt&quot;.

Verwaltung modernisieren
Schleswig-Holstein wird nicht nur die schlankeste Verwaltung aller L&amp;#228;nder erhalten, sondern vor allem die Verwaltungsprozesse so gestalten, dass unser Land sich dadurch bei den Investitionsvorhaben von Unternehmen und Privatpersonen einen Standortvorteil sichert. 
Wir wollen eine Spitzenposition im Bundesvergleich zu erreichen. Die Verwaltung auf Landes- und Kommunalebene wird u. a. durch die B&amp;#252;ndelung und Delegation von Zust&amp;#228;ndigkeiten effektiver organisiert werden. Sie wird in die Lage versetzt, innerhalb festgelegter Fristen wirksame Bescheide auch &amp;#252;ber das Internet zu erlassen.
Die weitere Reorganisation der Landesverwaltung und die damit verbundene B&amp;#252;rgern&amp;#228;he werden vor allem durch die konsequente Weiterentwicklung der elektronischen Verwaltung erreicht. Der Einheitliche Ansprechpartner zur Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie wird auch in weiteren Wirtschaftsbereichen eingesetzt.
Das Land wird f&amp;#252;r z&amp;#252;gige und vereinfachte Planungsverfahren sorgen. Mit dem neuen Landesentwicklungsplan gibt es f&amp;#252;r viele Kommunen zus&amp;#228;tzliche Freir&amp;#228;ume. Diese werden sich durch die Kommunalisierung der Regionalplanung noch vergr&amp;#246;&amp;#223;ern. Die Verantwortung vor Ort wird gest&amp;#228;rkt. Planungszeitr&amp;#228;ume werden verk&amp;#252;rzt. Damit werden die bekannten rot-gr&amp;#252;nen Investitionshemmnisse beseitigt.
Die Finanzsituation der &amp;#246;ffentlichen Haushalte stellt auch die Kommunen vor gro&amp;#223;e Herausforderungen. Die Kommunen m&amp;#252;ssen alle Anstrengungen unternehmen, um die rechtlichen und tats&amp;#228;chlichen M&amp;#246;glichkeiten zur Optimierung ihrer Verwaltungsstrukturen auszusch&amp;#246;pfen. Nur so k&amp;#246;nnen sie maximale Effizienzrenditen erwirtschaften. Neben der konsequenten Fortsetzung interner Optimierungen kommen hierf&amp;#252;r insbesondere weit reichende Kooperationen und freiwillige Fusionen in Betracht. Auch hier muss allerdings das Tempo zunehmen.

Die Vorschl&amp;#228;ge der Opposition sind &amp;#252;berwiegend ungeeignet

Nun erleben wir eine lebhafte Diskussion &amp;#252;ber die Vorschl&amp;#228;ge der Landesregierung. Da ist nat&amp;#252;rlich von besonderem Interesse, was denn die Oppositionsparteien vorlegen, die sich ja anschicken, diese Regierung abl&amp;#246;sen zu wollen.
Der Oppositionsf&amp;#252;hrer beschr&amp;#228;nkt sich darauf, seine hinl&amp;#228;nglich bekannten Textbausteine zu verbreiten. Mit der Forderung nach Mindestlohn und anderen Allgemeinpl&amp;#228;tzen will er den von ihm selbst wesentlich mit verursachten Schulden- und Pensionsberg bek&amp;#228;mpfen. Durch eine von oben verordnete Kreisgebietsreform und in der Folge &amp;#196;nderungen an der kommunalen Struktur sollen schwindelerregende Effekte in dreistelliger Millionenh&amp;#246;he erwirtschaftet  und bei den Kommunen zur Sanierung des Landeshaushaltes abgesch&amp;#246;pft werden.
WIR l&amp;#246;sen unsere Probleme selbst. Wir bereichern uns nicht an den Sparanstrengungen der Kommunen, damit bei uns ein &quot;Weiter so&quot; m&amp;#246;glich ist. 

Die Gr&amp;#252;nen beschreiben wortreich Papiere, in denen sie im Ergebnis 420 Millionen Euro einsparen  und gleich 350 Millionen Euro wieder ausgeben. Die Einsparungen haben sie &amp;#252;brigens auch noch von uns abgeschrieben. Schlie&amp;#223;lich verlangen sie von der Landesregierung, den Bund und die anderen L&amp;#228;nder dazu zu bewegen, uns die in ihrer j&amp;#228;mmerlichen Regierungszeit aufget&amp;#252;rmten Schulden abzunehmen.
Und dann wir weiter gest&amp;#252;mpert: So wird die Landesregierung aufgefordert, sich beim Bund daf&amp;#252;r einzusetzen, die sogenannte kalte Progression und den Mittelstandsbauch bei der Einkommensteuer aufkommensneutral zu beseitigen und schlagen zugleich vor, daf&amp;#252;r den Spitzensteuersatz von 42 auf 45 Prozent anzuheben. Bekannterma&amp;#223;en reichen ihre Rechenf&amp;#228;higkeiten nicht aus. Um die Progression und den Bauch zu beseitigen, werden sie die Spitzsteuer wohl auf &amp;#252;ber 70 Prozent erh&amp;#246;hen m&amp;#252;ssen. F&amp;#252;r die Haushaltskonsolidierung ist damit noch kein einziger Cent erwirtschaftet.
Ich empfehle Ihnen, zuerst einen Kurs bei der Volkshochschule zu besuchen, um mal die Grundrechenarten zu erlernen.


Wir alle stehen heute und in den n&amp;#228;chsten Jahren vor gro&amp;#223;en Herausforderungen. 
Wir nehmen diese Herausforderungen an.
Und wir sind bereit, &amp;#252;ber unsere Vorschl&amp;#228;ge mit jedem zu reden, der bereit ist zu akzeptieren, dass wir unser heutiges Leben nicht weiter auf Pump aufbauen d&amp;#252;rfen. Wenn es bessere Argumente und Vorschl&amp;#228;ge f&amp;#252;r andere Konsolidierungsma&amp;#223;nahmen gibt, stehen wir dieser Diskussion aufgeschlossen gegen&amp;#252;ber. Bisher hat es noch keine gegeben.
Es st&amp;#252;nde insbesondere denjenigen gut zu Gesicht, die die Probleme verursacht haben, sich nun langsam auf den Weg zu machen, statt ein paar populistische Pressemeldungen als Rollsplitt auf die Autobahn der Haushaltssanierung zu werfen.

Schleswig-Holstein ist auf dem Weg.
Wir sind es unserem Land und den B&amp;#252;rgerinnen und B&amp;#252;rgern, vor allem aber den heute noch nicht geborenen Generationen schuldig.

Wir geben der Zukunft eine Chance.

*****

</description>
</item>


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	<title>Zusammenfassende Sachdarstellung zur HSH Nordbank</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=110</link>
	<description>Parlamentarischer Untersuchungsausschuss
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

gerne bin ich Ihrer Ladung nachgekommen, mich als Betroffener - manche von Ihnen haben sinngem&amp;#228;&amp;#223; verlauten lassen: Hauptbetroffener - dieses parlamentarischen Untersuchungsausschusses als Auskunftsperson vernehmen zu lassen. Ich werde Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen Rede und Antwort stehen, soweit ich die Situation der HSH Nordbank AG schildern und aus meiner Erinnerung an eigenes Erleben und Handeln zur Aufkl&amp;#228;rung der von unserem Landtag beschlossenen Unter-suchungsthemen beitragen kann.

Mit Ihrer mir am 26. April 2010 zugegangenen Ladung haben Sie beschlossen, mich als Auskunftsperson in meiner Funktion als Finanzminister und ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrates und des Risi-koausschusses der HSH Nordbank AG h&amp;#246;ren zu wollen.

Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Gelegenheit geben, Ihnen vorab im Zusammenhang schildern zu k&amp;#246;nnen, was ich f&amp;#252;r wesentlich halte.

Lassen Sie mich eingangs bemerken, warum ich nicht von der mir einger&amp;#228;umten Gelegenheit Gebrauch gemacht habe, zeitlich vor den Auskunftspersonen eine zusammenh&amp;#228;ngende Sachdarstellung zu geben. Einige von Ihnen haben mein Erscheinen hier ja auch medial eingefordert.

Mit meiner Person und der HSH Nordbank AG werden ganz wesentlich die Ereignisse um die Liquidi-t&amp;#228;tskrise Ende 2008 und die Erarbeitung des Restrukturierungskonzeptes f&amp;#252;r den Wiederaufstieg der Bank verbunden. In dieser Zeit bin ich innerhalb und au&amp;#223;erhalb des Schleswig-Holsteinischen Landtages bis in das Private hinein h&amp;#228;ufig Zielscheibe herabsetzender Kritik gewesen. Nicht selten wurde dabei die Grenze des Ertr&amp;#228;glichen &amp;#252;berschritten.

Selbstverst&amp;#228;ndlich habe ich mich der parlamentarischen Kontrolle und der politischen Kritik zu stellen - und ich stelle mich ihr.

Selbstverst&amp;#228;ndlich habe auch ich ein origin&amp;#228;res Interesse daran, dass etwaige Defizite in der Ge-sch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrung der Bank und deren &amp;#220;berwachung aufgedeckt und daraus im Interesse unseres Landes f&amp;#252;r die Zukunft entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Deshalb ist es auch selbstverst&amp;#228;ndlich, dass Sie mein Handeln kritisch &amp;#252;berpr&amp;#252;fen und der Frage nachgehen, ob ich meine Pflichten als Minister des Landes Schleswig-Holstein und als Mitglied des Aufsichtsrates der HSH Nordbank AG gewissenhaft erf&amp;#252;llt habe  auch wenn in die Bewertung meiner Arbeit sicherlich das jeweilige politische Vorverst&amp;#228;ndnis einflie&amp;#223;en mit einflie&amp;#223;en wird. 


Ich verbinde deshalb mit Ihrer Aufkl&amp;#228;rungsarbeit in dieser Zeit auch die Erwartung, dass sich die Kritik versachlicht und sich nicht mehr gezielt - und politisch motiviert - verletzend gegen mich pers&amp;#246;nlich und die &amp;#252;brigen handelnden Personen richtet. M&amp;#246;glicherweise wird dann der eine oder die andere Abgeordnete &amp;#196;u&amp;#223;erungen und Wortwahl in Bezug auf die Bank und die damals Verantwortlichen auch zu &amp;#252;berdenken bereit sein. Das ist heute, eineinhalb Jahre nach dem H&amp;#246;hepunkt der Krise sicher leichter als in der angespannten Situation damals.


Auch ich betrachte die Entwicklung der zur&amp;#252;ckliegenden Jahre selbstkritisch. Wer w&amp;#228;re ich, w&amp;#252;rde ich mich nicht selbst fragen, ob m&amp;#246;gliche Defizite und Risiken - selbst wenn sie f&amp;#252;r die Liquidit&amp;#228;tskrise der Bank Ende 2008 nicht urs&amp;#228;chlich gewesen sein sollten - nicht fr&amp;#252;her h&amp;#228;tten erkannt werden k&amp;#246;nnen.

Hier und da k&amp;#246;nnte auch der eine oder die andere Abgeordnete - insbesondere als Mitglied des Fi-nanzausschusses - Anlass haben, ebenfalls in sich zu gehen. Immer wieder ist in der &amp;#246;ffentlichen Aus-einandersetzung &amp;#252;ber m&amp;#246;gliche Ursachen die von der Bank geplante Eigenkapitalrendite kritisch hin-terfragt worden. Sind die Planungen Vorgaben der Anteilseigner oder Zielsetzungen des Vorstandes gewesen? Und war diese  angeblich der parlamentarischen &amp;#214;ffentlichkeit vorenthaltene  Planvorgabe eine Ursache f&amp;#252;r die unterstellte Bereitschaft, wom&amp;#246;glich riskante Gesch&amp;#228;fte eingegangen zu sein? 

In diesem thematischen Zusammenhang darf ich einmal aus der Niederschrift der 100. Sitzung des Finanzausschusses zitieren, die in der Zeit vom 09. April bis zum 11. April 2003 stattgefunden hat. In Luxemburg. Dort in Luxemburg anwesend waren auch Abgeordnete, die sp&amp;#228;ter als eloquente Kritiker der Gesch&amp;#228;ftspolitik der HSH Nordbank AG hervorgetreten sind. Das Protokoll &amp;#252;ber die Veranstaltung in Luxemburg verzeichnet keinerlei kritische Bemerkungen, wohl aber, dass dort &amp;#252;ber Geschichte, Aufgabe und Bilanz der Landesbank-Tochtergesellschaft in Luxemburg und seitens des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Landesbank Kiel, Herrn Berger, &amp;#252;ber die Fusion von Landesbank Schleswig-Holstein und Hamburgischer Landesbank zur HSH Nordbank AG berichtet wurde. Und auch &amp;#252;ber k&amp;#252;nftige Absichten. Herr Berger teilte uns - auch ich war damals Mitglied des Finanzausschusses - in Luxemburg mit, dass - und jetzt zitiere ich w&amp;#246;rtlich aus dem Protokoll - 

&quot;Geplant sei, die Eigenkapitalrentabilit&amp;#228;t der Bank von derzeit 10,4 % auf etwa 17 % im Jahre 2005 zu steigern und dann an die B&amp;#246;rse zu gehen.&quot;

Zur Erinnerung: das war am 10. April 2003, also sozusagen zur Geburtsstunde der HSH Nordbank AG vor den Abgeordneten des Finanzausschusses unseres Landtages in Luxemburg. 

Ich will damit zwei Dinge deutlich machen: Die Planungsgr&amp;#246;&amp;#223;e der Eigenkapitalrendite war kein Bank- und kein Staatsgeheimnis. Im Gegenteil. Insbesondere diese Gr&amp;#246;&amp;#223;e  allerdings nicht als Plan, sondern als erreichtes Ergebnis - war eine zwingende Voraussetzung f&amp;#252;r die Absicht, das erforderliche Eigenkapital f&amp;#252;r das Gesch&amp;#228;ftsmodell der Bank an der B&amp;#246;rse zu generieren statt durch die bisherigen &amp;#246;ffentlichen Anteilseigner. Denn die F&amp;#228;higkeit der &amp;#246;ffentlichen Anteilseigner hierzu war schon bisher sehr begrenzt. 

Und zweitens: Eine Eigenkapitalrentabilit&amp;#228;t von 15 oder 17 Prozent verleitet nach meiner Auffassung keineswegs zu riskanter Gesch&amp;#228;ftspolitik. Als ein sehr vereinfachtes Beispiel - ohne Ber&amp;#252;cksichtigung steuerlicher und anderer Feinheiten - mag dienen: Wenn aus einem Gesch&amp;#228;ftsvolumen von 100 Mil-lionen Euro bei 10 Millionen Euro eingesetztem Eigenkapital insgesamt ein Gewinn von 1,5 Millionen Euro erzielt wird, entspricht das einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent. Ich kann da tats&amp;#228;chlich nichts Verwerfliches dran finden. 
Und deshalb haben wohl auch die Abgeordneten damals im April 2003 in Luxemburg die beiden klaren Botschaften von Herrn Berger  angestrebte Eigenkapitalrendite und angestrebter B&amp;#246;rsengang  so wohlwollend aufgenommen. Wer beides nicht wollte, h&amp;#228;tte der Fusion im Landtag nicht zustimmen m&amp;#252;ssen.

Bei dieser Gelegenheit am Rande: Der Finanzausschuss tagte u.a. auch in Kopenhagen, in den baltischen Hauptst&amp;#228;dten und in London. Dort vom 27. bis 30. M&amp;#228;rz 2006. Auch dort haben sich die Abgeordneten vor Ort mit der T&amp;#228;tigkeit und der Gesch&amp;#228;ftspolitik und ihrer R&amp;#252;ckwirkungen auf die Gesamtbank vertraut gemacht. 


Mit diesen Hinweisen soll nicht ansatzweise etwa das Verantwortungsgef&amp;#252;ge zwischen Bank, Regierung und Parlament verschoben werden. Ich will damit lediglich darauf aufmerksam machen, dass vieles von dem, wor&amp;#252;ber heute kritisch  besser sollte man sagen: unkritisch - hergefallen wird, durchaus Gegenstand unmittelbarer Information mit Gelegenheit zur &amp;#196;u&amp;#223;erung anderer Meinung war.


Nach kritischer Selbstpr&amp;#252;fung sage ich: Ich habe als der f&amp;#252;r die Beteiligung des Landes an der HSH Nordbank AG verantwortliche Finanzminister meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen erf&amp;#252;llt - und ich habe dieses gern getan - nicht nur, weil man gern tun soll, was man tun muss.

Als Minister bin ich ausschlie&amp;#223;lich dem Wohle des Landes Schleswig-Holstein, als Mitglied des Auf-sichtsrates der Bank war ich ausschlie&amp;#223;lich dem Unternehmensinteresse verpflichtet. In guten Zeiten f&amp;#252;hrt die Erf&amp;#252;llung dieser Pflichten &amp;#252;blicherweise zu keinerlei Kollisionen. F&amp;#252;r Krisenzeiten der hier zu bew&amp;#228;ltigenden Dimension fehlte es an einschl&amp;#228;gigen Erfahrungen. Es galt mithin die Pflicht, sorgf&amp;#228;ltig zu bestimmen. 

Meine Pflicht hat darin bestanden, bei diesen gewaltigen von au&amp;#223;en auf die Bank wirkenden Ereignissen Schaden von der Bank und damit auch von dem letzten verbliebenen Verm&amp;#246;genswert des Landes abzuwenden und eine Perspektive f&amp;#252;r Werterholung zu er&amp;#246;ffnen. Dazu ist in der Zeit von Oktober 2008 bis April 2009 in intensiver Kleinarbeit, jeden Tag und - wenn es darauf ankam - auch rund um die Uhr, ein intelligentes und tragf&amp;#228;higes Restrukturierungskonzept erarbeitet worden, das einmalig f&amp;#252;r die Bundesrepublik und bislang ohne Belastungen f&amp;#252;r die B&amp;#252;rgerinnen und B&amp;#252;rger dieses Landes umgesetzt werden konnte. Von der Bank vorbereitet. Von unseren Mitarbeitern und Beratern in Hamburg und Schleswig-Holstein begleitet. Und von den politisch Verantwortlichen schlie&amp;#223;lich entschieden.

Die Entwicklung gibt mir Recht. 

Die Bank befindet sich, sogar besser als erwartet, wieder auf dem Pfad nachhaltiger Gesundung. Sie erwartet  wie im Restrukturierungskonzept geplant - in 2011 wieder Gewinne und wird 2012 wieder Dividende auf das zur Verf&amp;#252;gung gestellte Kapital zahlen. 



Die Wirtschaftspr&amp;#252;fer haben in Folge der internationalen Finanzmarktkrise M&amp;#228;ngel im Risikosystem der Bank aufgezeigt, die bis dahin sowohl dem Bundesaufsichtsamt f&amp;#252;r Finanzdienstleistungen als auch der Bundesbank offensichtlich entgangen sind, obwohl diese beiden Pr&amp;#252;finstitutionen regelm&amp;#228;&amp;#223;ig an denselben Sitzungen der Aufsichtsgremien der Bank teilgenommen haben wie ich und die &amp;#252;brigen 19 Mitglieder des Aufsichtsrates. 

Auch die von mir als Aufsichtsrat beauftragten Wirtschaftspr&amp;#252;fer haben noch im Mai 2008 bei ihrem Bericht &amp;#252;ber die Pr&amp;#252;fung des Jahresabschlusses 2007 keinerlei Hinweise auf m&amp;#246;glicherweise fehlerhafte Risikostrukturen gegeben. Sie haben ganz im Gegenteil best&amp;#228;tigt, dass die gebildete Risikovorsorge ausreichend bemessen ist und insgesamt keinerlei Anzeichen f&amp;#252;r eine unzureichende Einsch&amp;#228;tzung der Risiken im Credit Investment Portfolio vorliegen. Insbesondere haben die Pr&amp;#252;fer dem Aufsichtsrat berichtet, dass die Bank &amp;#252;ber ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling verf&amp;#252;gt.


Aus heutiger Sicht ist - r&amp;#252;ckblickend  die &amp;#252;berm&amp;#228;&amp;#223;ige Bevorratung nicht f&amp;#252;r das Kundenkreditgesch&amp;#228;ft ben&amp;#246;tigter Liquidit&amp;#228;t unter dem Schutz der Gew&amp;#228;hrtr&amp;#228;gerhaftung bis zur Jahresmitte 2005 der Ausl&amp;#246;ser f&amp;#252;r den erheblichen Umfang des Kreditersatzgesch&amp;#228;fts. Die - preiswert eingekaufte - Liquidit&amp;#228;t konnte in diesem Volumen am Kreditmarkt nicht platziert werden und wurde deshalb eben f&amp;#252;r Ersatzgesch&amp;#228;fte genutzt. Das war &amp;#252;brigens durchaus branchen&amp;#252;blich. Und auch rentierlich.


Schaubild  Entwicklung der Gew&amp;#228;hrtr&amp;#228;gerhaftung 2001 - 2015


Damit hat aber das Land als Eigent&amp;#252;mer im Rahmen der Gew&amp;#228;hrtr&amp;#228;gerhaftung gesamtschuldnerische B&amp;#252;rgschaften &amp;#252;bernommen, die sich bis 2005 auf j&amp;#228;hrlich &amp;#252;ber 160 Mrd. Euro beliefen und  nach dem Auslaufen der Gew&amp;#228;hrtr&amp;#228;gerhaftung am 18. Juli 2005 - noch Ende 2008, also auf dem H&amp;#246;hepunkt der Finanzmarktkrise nach der Lehman-Pleite, mit mehr als 60 Milliarden Euro valutierten. Diese drohende Gew&amp;#228;hrtr&amp;#228;gerhaftung hat nat&amp;#252;rlich auch alle &amp;#220;berlegungen zur Restrukturierung begleitet. Eine Abwicklung der Bank, wie manche gefordert haben, h&amp;#228;tte zwangsl&amp;#228;ufig die Gew&amp;#228;hrtr&amp;#228;gerhaftung ausgel&amp;#246;st  in welcher H&amp;#246;he auch immer.

Und ich bin deshalb schon manchmal sehr erstaunt &amp;#252;ber einzelne &amp;#196;u&amp;#223;erungen, die die zehn Milliarden Euro gemeinsame B&amp;#252;rgschaft der L&amp;#228;nder Hamburg und Schleswig-Holstein im Rahmen des Rest-rukturierungsprogramms als m&amp;#246;glichen Untergang des Abendlandes beschw&amp;#246;ren, sich allerdings nicht mehr daran erinnern m&amp;#246;gen, dass sie selbst in ihrer Verantwortungszeit B&amp;#252;rgschaften &amp;#252;ber ein Vielfaches dieser Summe  &amp;#252;brigens ohne jede Diskussion und Beratung - eingegangen sind, die auch heute noch ein Mehrfaches dieser Summe betragen. Und f&amp;#252;r die es &amp;#252;brigens keine Verg&amp;#252;tung gibt. Anders als bei der von uns gefundenen L&amp;#246;sung, bei der die Bank die gew&amp;#228;hrte Garantie mit vier Prozent verzinst, was immerhin f&amp;#252;r ein volles Jahr 400 Millionen Euro ausmacht, als Belastung f&amp;#252;r die Bank und als Entlastung f&amp;#252;r das gegebene Eigenkapital.

Deshalb geh&amp;#246;rt zur Vollst&amp;#228;ndigkeit dieses Vorgangs auch, dass in demselben Zeitraum zwischen 2001 und 2004 die damalige Landesregierung - das war nun wirklich alles vor meiner Amtszeit  dar&amp;#252;ber hinaus der Bank kreditfinanziertes Beteiligungskapital in H&amp;#246;he von knapp einer Milliarde Euro zur Verf&amp;#252;gung gestellt hat. Diese Kreditbelastung f&amp;#252;r den Landeshaushalt besteht in wesentlichen Teilen heute noch. 


Ich bin im Mai 2005 in den Aufsichtsrat der Bank berufen worden. Frau Simonis hat gebeten, die Mai-Sitzung des Aufsichtsrates noch leiten zu d&amp;#252;rfen, womit ich mich einverstanden erkl&amp;#228;rt habe. Meine erste Sitzung als Aufsichtsratsvorsitzender war deshalb im September 2005.

F&amp;#252;r mich war sehr schnell klar, dass die &amp;#246;ffentlichen Anteilseigner nicht in der Lage sind, der Bank das f&amp;#252;r ihr auf Wachstum ausgerichtetes Gesch&amp;#228;ftsmodell erforderliche Eigenkapital dauerhaft zuzuf&amp;#252;hren. 

Mein Ziel war deshalb, den schon im Fusionsvertrag aufgezeigten Gang an die B&amp;#246;rse nunmehr zielstrebig vorzubereiten, in diesem Zusammenhang den &amp;#246;ffentlichen Anteil an der Bank zu verringern und so f&amp;#252;r das Land jedenfalls die eine Milliarde Euro kreditfinanziertes Beteiligungskapital zur&amp;#252;ck zu erhalten. Nach der Haltevereinbarung des Fusionsvertrages mussten  und m&amp;#252;ssen - die drei &amp;#246;ffentlichen Anteilseigner aus Hamburg und Schleswig-Holstein bis 2013 die H&amp;#228;lfte der Anteile halten. Seinerzeit hatten sie zusammen knapp 74 Prozent.

Gut 26 Prozent hielt die WestLB. Aus Medienberichten wurde bekannt, dass die F&amp;#252;hrung der WestLB erwog, die Mehrheit an der HSH Nordbank zu erwerben. Sehr kurzfristig nach dem Regierungswechsel nach der Landtagswahl 2005 in NRW habe ich  nach Er&amp;#246;rterung der Absichten der dortigen Lan-desregierung mit dem Finanzminister - mit dem Vorstandsvorsitzenden der WestLB verabredet, dass in gemeinsamem Einvernehmen ein &amp;#220;bernehmer f&amp;#252;r die Anteile der WestLB gesucht werden soll und die &amp;#252;brigen Anteilseigner der HSH Nordbank diesen Vorgang positiv begleiten werden. Dieser Prozess wurde dann gegen Ende des Jahres 2005 eingeleitet und mit der &amp;#220;bernahme der Anteile an die Investoren um J.C. Flowers zur Jahreswende 2006/2007 erfolgreich abgeschlossen.

Parallel dazu hatte ich den Vorstand im September 2005 gebeten, das seit der Fusion entwickelte Gesch&amp;#228;ftsmodell im Hinblick auf die nunmehr konkretisierte Absicht des B&amp;#246;rsenganges zu &amp;#252;berpr&amp;#252;fen, eine entsprechende Strategie dazu zu entwickeln und dem Aufsichtsrat vorzulegen. &amp;#220;ber die Vorstellungen des Vorstandes zur strategischen Ausrichtung ist in mehreren Sitzungen des Aufsichts-rates und im November 2006 abschlie&amp;#223;end beraten worden. Dazu geh&amp;#246;rte &amp;#252;brigens auch ein Qualifi-zierungsprogramm f&amp;#252;r einen Teil der Besch&amp;#228;ftigten.

Da auch im Markt immer wieder mal &amp;#252;ber die Frage und den Zeitpunkt eines B&amp;#246;rsenganges spekuliert wurde, haben Anteilseigner und Vorstand die Verabredung getroffen, dass der Vorstand zeitgleich mit der Vorlage des Jahresabschlusses 2007 die formale B&amp;#246;rsenf&amp;#228;higkeit herstellt, so dass Anteilseigner und Aufsichtsrat jederzeit in der Lage sind, je nach den herrschenden gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten einen Termin daf&amp;#252;r festzulegen.

Dieser Weg wurde zun&amp;#228;chst durch die Auswirkungen der Lehman-Pleite und deren Folgen unterbrochen.


Die Bank wird - wie in der Sanierungsplanung vorgesehen  in den Jahren 2008 bis 2010 jeweils mit einem Buchverlust abschlie&amp;#223;en, weil sie ihre Verluste im Gegensatz zu anderen Banken in vergleichbarer Lage selbst tr&amp;#228;gt. Das ist ein gewaltiger Unterschied, der ganz sicher bislang von vielen noch nicht realisiert worden ist. Ab 2011 wird die Bank wieder Gewinne ausweisen und sp&amp;#228;testens ab 2012 auch wieder Dividende an die Eigent&amp;#252;mer zahlen. Danach werden die Eigent&amp;#252;mer den Weg dort fortsetzen, wo er wegen der internationalen Finanzmarktkrise zun&amp;#228;chst unterbrochen werden musste: Die weitere Reduzierung des &amp;#246;ffentlichen Anteils durch Ver&amp;#228;u&amp;#223;erung. 

Wenn dieses Konzept auch weiterhin tr&amp;#228;gt und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung nicht er-hebliche Ver&amp;#228;nderungen erfordert, wird  wie bis heute - auch bis dahin der Steuerzahler keinen Cent dazu bezahlt haben. Im Ergebnis sind dann die Probleme dort gel&amp;#246;st, wo sie ihren Anfang genommen haben: Im Finanzmarkt. Und in der Bank.


Um an dieser Stelle &amp;#252;berdies eines gleich festzustellen. Der Bund hat sich an dieser Konzeption nicht beteiligt. Er hat dies sogar kategorisch ausgeschlossen. Der Sonderfonds zur Finanzmarktstabilisierung (kurz SoFFin genannt) hat zwar Liquidit&amp;#228;tshilfen Ende November 2008 gew&amp;#228;hrt. Eine Beteiligung durch die Gew&amp;#228;hrung direkter Finanzmittel musste aber an der Forderung des Bundes scheitern, bereits vorhandene Risiken in den Landesbanken m&amp;#252;ssten allein von deren Tr&amp;#228;gern, also im Wesentlichen den L&amp;#228;ndern, bew&amp;#228;ltigt werden. Der Bund war lediglich bereit, profitable zuk&amp;#252;nftige Gesch&amp;#228;ftsfelder der Landesbanken mit Kapitalma&amp;#223;nahmen zu unterst&amp;#252;tzen. Solch ein Gesch&amp;#228;ft will jeder gern machen. Ich erlaube mir den Hinweis, dass im damaligen Bundesfinanzministerium man diese kritische Situation am Finanzmarkt f&amp;#252;r eine zwangsweise Ver&amp;#228;nderung der Landesbanken nutzen wollte. Ohne R&amp;#252;cksicht auf Verluste in den L&amp;#228;ndern.


Insgesamt kann ich heute  auch trotz dieser zus&amp;#228;tzlichen Erschwernisse - auf die positiven Ergebnisse der Krisenbew&amp;#228;ltigung zur&amp;#252;ckblicken, die aufzeigen, dass wir den richtigen Weg beschritten haben. Dabei will ich insbesondere auch die enge Zusammenarbeit mit den beiden Hamburgischen Finanzsenatoren Wolfgang Peiner und Michael Freytag hervorheben. Alle Entscheidungen in dieser Zeit sind gemeinsam er&amp;#246;rtert, vorbereitet und beschlossen worden. 

Die aktuellen Eckdaten der Bank best&amp;#228;tigen, was vor mehr als einem Jahr, im Fr&amp;#252;hjahr 2009, als Rest-rukturierungskonzept und Planung von Sen Freytag und mir den Kabinetten und schlie&amp;#223;lich den Par-lamenten vorgelegt wurde. Dabei ist insbesondere die Entwicklung der Kernkapitalquote hervorzu-heben.

Die von den beiden L&amp;#228;ndern &amp;#252;ber die gemeinsame Finanzfonds-Anstalt gew&amp;#228;hrte Garantie wird von der Bank planm&amp;#228;&amp;#223;ig verg&amp;#252;tet. Die Verg&amp;#252;tung &amp;#252;bersteigt den Zinsaufwand der Anstalt f&amp;#252;r das gew&amp;#228;hrte Kapital sowie die Kosten der Anstalt selbst und reduziert damit die urspr&amp;#252;ngliche Kreditaufnahme.

Die Bank ist damit auf dem geplanten guten Weg  und finanziert diesen Weg selbst. 
Der Steuerzahler hat bis heute keinen Cent dazu bezahlt.


I.	Zu meiner Person und zur Organisation des Finanzministeriums


Ich bin von Beruf Industriekaufmann. Meine Lehre habe ich in den sechziger Jahren bei den HAKO-Werken in Bad Oldesloe absolviert. Mein Lehrherr war Tyll Necker.

Den Schwerpunkt meiner beruflichen T&amp;#228;tigkeit hatte ich beim Bundesvorstand der Deutschen Ange-stellten-Gewerkschaft in Hamburg von 1975 bis 2000 in verschiedenen Leitungsfunktionen. Bis zu meinem Einzug in den Schleswig-Holsteinischen Landtag im Jahre 2000 leitete ich den Bereich Finanzen und Revision mit der Zust&amp;#228;ndigkeit f&amp;#252;r den Gesamthaushalt der Hauptverwaltung, des Bundesvorstandes und der Landesverb&amp;#228;nde. Zugleich war ich Stellvertreter des Bundesvorstandsmitglieds f&amp;#252;r Organisation und Finanzen. 

Ab 1983 war ich zugleich Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrer der gewerkschaftspolitischen Bildungseinrichtungen der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft. Diese Aufgabe habe ich noch bis zu meiner Ernennung zum Finanzminister wahrgenommen.

Bis Mai 2000 habe ich f&amp;#252;r die DAG an der Finanzfusion der vier Gewerkschaften DAG, &amp;#214;TV, HBV und IG Medien zu Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft verdi mitgewirkt.

Ich war beruflich immer mit Finanzen besch&amp;#228;ftigt. Aber ich bin kein ausgebildeter Bankfachmann. Ich hatte und habe auch nicht vor, das zu sein. Ich gebe auch nicht vor, das zu sein.

Seit dem ersten Tag meiner Mitgliedschaft im Landtag hat mich die Finanzlage des Landes besch&amp;#228;ftigt. Meine Fraktion hat mich deshalb 2001 zum Finanzpolitischen Sprecher gew&amp;#228;hlt. 

Der Ministerpr&amp;#228;sident des Landes Schleswig-Holstein hat mich am 27. April 2005 zum Finanzminister des Landes Schleswig-Holstein ernannt.

Seit dem 11. Mai 2005 war ich Mitglied des Aufsichtsrats der HSH Nordbank AG und bin zugleich zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gew&amp;#228;hlt worden. Die Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden der HSH Nordbank AG habe ich bis zum 31. Dezember 2006 ausge&amp;#252;bt.

Ich bin Mitglied des Risikoausschusses, des Pr&amp;#252;fungsausschusses, des Pr&amp;#228;sidialausschusses und des Vermittlungsausschusses des Aufsichtsrats der HSH Nordbank gewesen.

Am 1. Juli 2009 hat meine Aufsichtsratsmitgliedschaft in der HSH Nordbank AG geendet.

Als Finanzminister des Landes Schleswig-Holstein bin ich f&amp;#252;r die Verwaltung der Beteiligungen, also die Verm&amp;#246;genswerte des Landes ressortzust&amp;#228;ndig.

Die Grundsatzfragen der Beteiligungsverwaltung sowie die Beteiligungen selbst wurden bei meinem Amtsantritt in der Abteilung VI 4 (Wirtschaftsabteilung) verantwortet. Die Leitung der Wirtschaftsab-teilung oblag Frau Dr. Sibylle Roggencamp, die vor ihrer Ernennung zur Abteilungsleiterin bereits Referatsleiterin des zust&amp;#228;ndigen Referats VI 42 (Grundsatzfragen der Beteiligungsverwaltung, Beteili-gung) war und in dieser Eigenschaft bereits den Fusionsprozess der ehemaligen Landesbanken Kiel und Hamburg zur HSH Nordbank AG mitgestaltet hat.

Innerhalb der Abteilung waren neben der Abteilungs- und der Referatsleitung ein weiterer Referent h&amp;#246;herer Dienst und ein Mitarbeiter gehobener Dienst f&amp;#252;r die Erledigung der Belange der HSH Nordbank zust&amp;#228;ndig. 

Diese Linienorganisation im Ministerium ist w&amp;#228;hrend der Phase der Restrukturierung der HSH Nordbank AG durch eine Projektorganisation vor&amp;#252;bergehend suspendiert worden. Dieser Projektorganisation (Projektgruppe HSH  PG HSH -) geh&amp;#246;rten neben der Abteilungsleiterin mittlerweile 2 Kr&amp;#228;fte h&amp;#246;herer Dienst und 1 Kraft gehobener Dienst an, die sich  bis auf die Abteilungsleitung  ausschlie&amp;#223;lich, also unter Freistellung von den &amp;#252;brigen zugewiesenen Aufgaben um die Belange der HSH Nordbank zu k&amp;#252;mmern hatten.

An der herausragenden Kompetenz meiner Beteiligungsverwaltung zu zweifeln hatte ich niemals Anlass. Ich kann heute in der R&amp;#252;ckschau zu meiner vollen Zufriedenheit feststellen, dass ich durch meine Beteiligungsverwaltung in jeder Lage gut beraten worden bin. Die Kolleginnen und Kollegen in der Projektgruppe HSH haben, genau wie ich, gerade in der schwierigen Phase der verantwortlichen Erarbeitung des Restrukturierungskonzeptes f&amp;#252;r die HSH Nordbank AG buchst&amp;#228;blich Tag und Nacht f&amp;#252;r die Belange des Landes Schleswig-Holstein gearbeitet. Dazu hat sicherlich beigetragen, dass meine Mitarbeiter bereits in der Vergangenheit eine sehr gute gemeinsame Arbeitskultur und Vertrauensbasis mit den entsprechenden Mitarbeitern in der Bank geschaffen haben. Das haben wir auf meine Initiative in Richtung Hamburg deutlich intensiviert. Und so haben sich die Interessen des Landes Schleswig-Holstein, der Stadt Hamburg und das Interesse auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank, ihrer Gesellschaft und damit auch ihren Arbeitspl&amp;#228;tzen eine Chance f&amp;#252;r die Zukunft zu er&amp;#246;ffnen, in g&amp;#252;nstiger Allianz vereint.


Die Vorbereitung der Sitzung des Aufsichtsrats erfolgte durch die Beteiligungsverwaltung. Dabei wurden die Unterlagen nach Tagesordnungspunkten geordnet und, soweit die Beteiligungsverwaltung Anmerkungen zum Hintergrund bzw. Anregungen mitzuteilen hatte, entsprechend aufbereitet. 

Die Unterlagen sind, im gleichen Umfang wie sie mir zur Verf&amp;#252;gung gestellt wurden, auf meine Ver-anlassung hin, auch an das weitere Aufsichtsratsmitglied des Landes in das Innenministerium weiter-gereicht worden. Damit verf&amp;#252;gten alle Schleswig-Holsteinischen Aufsichtsr&amp;#228;te aus der Landesregierung, also auch beide Minister der sozialdemokratischen Partei, &amp;#252;ber dieselben Unterlagen wie ich. 

Um dieses klar zu stellen: Mir gegen&amp;#252;ber ist niemals eingewendet worden, die zur Verf&amp;#252;gung gestellten Unterlagen seien f&amp;#252;r die Wahrnehmung der Aufsichtsratst&amp;#228;tigkeit zur Vorbereitung der Sitzungen nicht ausreichend gewesen. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn heute behauptet wird, zwar eine Zuarbeit im Sinne einer Sitzungsvorbereitung jeweils erhalten zu haben, deren quantitative und qualitativen Umfang aber nicht beurteilen zu k&amp;#246;nnen. 
Wer an den Sitzungen teilgenommen hat, musste dabei doch Quantit&amp;#228;t und Qualit&amp;#228;t der Vorbereitungen beurteilen k&amp;#246;nnen. Ich betone nochmals, nach den Sitzungen nie &amp;#252;ber die Qualit&amp;#228;t der Sitzungsvorberei-tung Klage vernommen zu haben. 


Meine Zust&amp;#228;ndigkeit f&amp;#252;r die HSH Nordbank AG als Beteiligung des Landes endete zum 31. Dezember vergangenen Jahres.

Nun wird der eine oder andere von Ihnen schon die vorbereitete, an mich zu richtende Frage vor sich liegen haben, ob ich mir vorstellen k&amp;#246;nne, warum der Ministerpr&amp;#228;sident die Gesch&amp;#228;ftsverteilung in Bezug auf die HSH Nordbank AG ge&amp;#228;ndert hat. Ich will Ihnen die Antwort gern schon vorab geben: Ich habe bei der Beratung der Gesch&amp;#228;ftsverteilung in der AG Finanzen zur Vorbereitung des Koalitions-vertrages den Vorschlag gemacht, die Zust&amp;#228;ndigkeit f&amp;#252;r die Beteiligung an der Bank an das Wirt-schaftsressort zu geben. Das Restrukturierungskonzept war erarbeitet, vorgelegt und von den Kabi-netten und den Parlamenten beschlossen. Die Umsetzung hatte begonnen. Ich wollte vermeiden, dass die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes m&amp;#246;glicherweise behindert wird, weil die parteipolitische Auseinandersetzung sich auf meine Person konzentriert und damit immer wieder auch die HSH Nordbank erreicht.

Mein Vorschlag deckte sich  das war mir nat&amp;#252;rlich nicht entgangen  mit &amp;#196;u&amp;#223;erungen des jetzigen Koalitionspartners im Wahlkampf.



II.	Der Aufsichtsrat der HSH Nordbank

In den gut vier Jahren meiner Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der HSH Nordbank AG war ich nicht nur im Aufsichtsrat selbst, sondern auch in diversen Aussch&amp;#252;ssen des Aufsichtsrats Mitglied.

Gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 76 des Aktiengesetzes hat der Vorstand der Aktiengesellschaft unter eigener Verantwortung die Gesellschaft zu leiten. Gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 93 des Aktiengesetzes haben die Vorstandsmitglieder bei ihrer Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Gesch&amp;#228;ftsleiters anzuwenden. 

Gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 111 des Aktiengesetzes ist es Aufgabe des Aufsichtsrats, die Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrung zu &amp;#252;berwachen.

Gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 11 der Satzung der HSH Nordbank hat der Aufsichtsrat alle Aufgaben und Rechte, die ihm durch das Gesetz, die Satzung oder in sonstiger Weise zugewiesen werden.

Der Aufsichtsrat hat sich eine Gesch&amp;#228;ftsordnung gegeben, die neben der Leitung und Ordnung der Gesch&amp;#228;fte, den Sitzungsturnus, die Beschlussf&amp;#228;higkeit und die Bildung von Aussch&amp;#252;ssen regelt. &amp;#167; 5 der Gesch&amp;#228;ftsordnung des Aufsichtsrates sieht die Bildung eines Pr&amp;#228;sidialausschusses, eines Pr&amp;#252;-fungsausschusses, eines Risikoausschusses, eines Vermittlungsausschusses und eines Nominierungsaus-schusses vor.

Dem Pr&amp;#228;sidialausschuss obliegt die Auswahl von Mitgliedern des Vorstands, die Vorbereitung der Bestellung und Abberufung sowie die Beschlussfassung &amp;#252;ber Abschluss, &amp;#196;nderung und Beendigung der Vertr&amp;#228;ge mit den Vorstandsmitgliedern sowie &amp;#252;ber die Verg&amp;#252;tung der Vorstandsmitglieder. 

Der Pr&amp;#252;fungsausschuss hat sich mit Fragen der Rechnungslegung und Pr&amp;#252;fung des Jahresabschlusses, der Bestimmung von Pr&amp;#252;fungsschwerpunkten bei der Abschlusspr&amp;#252;fung und der Vorbereitung der Bestel-lung des Abschlusspr&amp;#252;fers durch die Hauptversammlung zu befassen. Dar&amp;#252;ber hinaus obliegt dem Pr&amp;#252;fungsausschuss die Vorbereitung der Erteilung des Pr&amp;#252;fungsauftrages an den Abschlusspr&amp;#252;fer und Abschluss der Honorarvereinbarung mit dem Abschlusspr&amp;#252;fer durch den Aufsichtsrat, die Pr&amp;#252;fung der Unabh&amp;#228;ngigkeit des Abschlusspr&amp;#252;fers von der Gesellschaft, die Behandlung der von der internen Revision vorgelegten Berichte und Informationen und die &amp;#220;berpr&amp;#252;fung der Einhaltung der Mindestanforderungen an die Ausgestaltung der internen Revision der Gesellschaft.

Dem Risikoausschuss obliegt die Pr&amp;#252;fung der Adressenausfallrisiken, der operativen Risiken und der Marktpreisrisiken, die &amp;#220;berwachung der Risikosteuerung und ggf. die Zustimmung zu Organkrediten gem. &amp;#167; 15 Kreditwesengesetz.


Dar&amp;#252;ber hinaus obliegt es gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 19 Abs. 2 der Satzung der HSH Nordbank AG dem Aufsichtsrat selbst, auf Vorschlag des Vorstands die Beiratsmitglieder zu berufen und f&amp;#252;r den Beirat eine Gesch&amp;#228;ftsordnung zu erlassen, die auch den Beiratsvorsitz und die Verg&amp;#252;tung der Beiratsmitglieder zu regeln hatte. Der Beirat ist seinerzeit zur sachverst&amp;#228;ndigen Beratung des Vorstands der Gesellschaft bei der Wahrnehmung ihrer Gesch&amp;#228;fte und zur F&amp;#246;rderung des Kontaktes mit der Wirtschaft, der &amp;#246;ffentlichen Verwaltung und den Sparkassen gebildet worden und d&amp;#252;rfte dem einen oder anderen unter Ihnen nicht g&amp;#228;nzlich unbekannt sein.

An den Sitzungen des Aufsichtsrats hat jeweils ein Vertreter der Bundesanstalt f&amp;#252;r Finanzdienstleis-tungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank teilgenommen.

Die T&amp;#228;tigkeit im Aufsichtsrat ist verg&amp;#252;tet worden. Bis zu meinem Ausscheiden galten folgende Rege-lungen.

Nach dem Deutschen Corporate Governance Kodex soll die Verg&amp;#252;tung der Aufsichtsratsmitglieder u.a. der Verantwortung und der T&amp;#228;tigkeit der Aufsichtsratsmitglieder sowie der wirtschaftlichen Lage und dem Erfolg des Unternehmens Rechnung tragen. Vorsitz und stellvertretender Vorsitz im Aufsichtsrat sowie Vorsitz und Mitgliedschaft in Aussch&amp;#252;ssen sind gesondert zu ber&amp;#252;cksichtigen. &amp;#220;blich ist, dass der Aufsichtsratsvorsitzende das 2-fache und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende das 1,5-fache der Verg&amp;#252;tung eines Aufsichtsratsmitglieds erh&amp;#228;lt. Dies entspricht der Regelung bei der HSH Nordbank AG. Dar&amp;#252;ber hinaus werden Mitgliedschaft sowie Vorsitz und stellvertretender Vorsitz in Aussch&amp;#252;ssen zus&amp;#228;tzlich verg&amp;#252;tet.

Der variable Anteil betr&amp;#228;gt j&amp;#228;hrlich einmal 3.500  f&amp;#252;r ein Aufsichtsratsmitglied, 5.250  f&amp;#252;r den stell-vertretenden Aufsichtsratsvorsitz und 7.000  f&amp;#252;r den Aufsichtsratsvorsitz. Dies h&amp;#228;tte jeweils rund einem Drittel der j&amp;#228;hrlich festen Aufsichtsratsverg&amp;#252;tung entsprochen.

Die Zahlung des variablen Anteils kn&amp;#252;pfte an den Umstand an, ob eine Dividende ausgesch&amp;#252;ttet w&amp;#252;rde. Dividende ist der Teil des Bilanzgewinns, der auf die Aktieninhaber ausgesch&amp;#252;ttet wird. F&amp;#252;r das Gesch&amp;#228;ftsjahr 2008 ist ein variabler Anteil an der Aufsichtsratsverg&amp;#252;tung nicht ausgezahlt worden.

Meiner Pflicht aus dem Amtsverh&amp;#228;ltnis, den Eigenbehalt &amp;#252;bersteigende Nebeneink&amp;#252;nfte an das Land Schleswig-Holstein abzuf&amp;#252;hren, bin ich stets nachgekommen. Ich habe z.B. f&amp;#252;r 2007 etwa 47.000 Euro an das Land abgef&amp;#252;hrt sowie rd. 10.000 Euro Mehrwertsteuer an das Finanzamt.

Organkredite der HSH Nordbank AG habe ich nicht in Anspruch genommen.

Meine Pr&amp;#228;senzen in den jeweiligen Sitzungen des Aufsichtsrats und seiner Aussch&amp;#252;sse sind dokumen-tiert. Wenn ich an Sitzungen nicht teilgenommen habe, so lagen daf&amp;#252;r jeweils dienstliche Gr&amp;#252;nde vor, so dass eine Abw&amp;#228;gung erforderlich wurde.

Ungeachtet der unmittelbaren Teilnahme an Sitzungen bin ich als ressortzust&amp;#228;ndiger Minister und Vertreter des Anteilseigners Schleswig-Holstein &amp;#252;ber die Situation der Bank und die T&amp;#228;tigkeit des Aufsichtsrats und seiner Aussch&amp;#252;sse st&amp;#228;ndig informiert gewesen.



III.	Die Kapitalma&amp;#223;nahme 2008

Bereits im Zeitpunkt der Fusion 2003 stand fest, dass die HSH Nordbank AG im Vergleich zu ihren Wettbewerbern unterkapitalisiert war. Es war daher richtig, sie im Zuge der Fusion zur Erreichung der Kapitalmarktf&amp;#228;higkeit gleich in der Rechtsform der Aktiengesellschaft zu gr&amp;#252;nden. Die moderate Kapitalausstattung der HSH Nordbank AG war aus Sicht der Ratingagenturen immer wieder Anlass f&amp;#252;r ein kritisches Bemerken.

Die Zielsetzung der Bank war auf eine Steigerung der Profitabilit&amp;#228;t und auf eine deutliche und nach-haltige Verbesserung der Kapitalausstattung und -struktur gerichtet.  Dar&amp;#252;ber hinaus wurde angestrebt, die Kooperation mit den Sparkassen konsequent weiterzuentwickeln. 

Die HSH Nordbank zeichnete sich in der Vergangenheit durch eine stabile Ertragslage aus, von der auch das Land profitierte: Von 2003 bis 2007 hat die Bank insgesamt brutto 1.244 Mio  an die Anteilseigner ausgesch&amp;#252;ttet (Dividenden und Zinsen auf stille Einlagen), davon 322 Mio  an das Land Schleswig-Holstein. 2004 erfolgte dar&amp;#252;ber hinaus eine Sonderzahlung von rd. 200 Millionen Euro.

&amp;#167; 2 der Satzung der HSH Nordbank AG (Gegenstand des Unternehmens) benennt die Bank als Allgemeine Gesch&amp;#228;ftsbank. Unternehmensgegenstand der Gesellschaft sind Bank- und Finanzgesch&amp;#228;fte aller Art sowie weitere Dienstleistungen und Gesch&amp;#228;fte im kreditwirtschaftlichen Bereich. Sie bietet ferner als Bankpartner der L&amp;#228;nder Schleswig-Holstein und Hamburg Finanzdienstleistungen f&amp;#252;r &amp;#246;ffentliche Kunden an und nimmt die Funktion einer Sparkassenzentralbank wahr.

Nach Absatz 2 ist die Gesellschaft berechtigt, im Inland und im Ausland Banken und andere Unter-nehmen zu gr&amp;#252;nden oder sich an solchen zu beteiligen sowie Niederlassungen und Repr&amp;#228;sentanzen zu er&amp;#246;ffnen und zu unterhalten.


Das Gesch&amp;#228;ftsmodell der HSH Nordbank AG weist ein klares Bekenntnis zur Region auf. Es ist stets auf Wachstum in allen Gesch&amp;#228;ftsbereichen ausgerichtet worden. 

Im Rahmen des Strategieprozesses wurde das wachstumsorientierte Gesch&amp;#228;ftsmodell der HSH Nordbank AG im Kreis der Anteilseignern erneut diskutiert und best&amp;#228;tigt. Gleichzeitig wurde die sich aus den Wachstumsplanungen ergebende L&amp;#252;cke in der Kapitalausstattung der HSH Nordbank weiter analysiert. Ein Aspekt der Kapitalschw&amp;#228;che war in dem Anteil an Hybridkapital zu sehen, worunter auch die stillen Einlagen zu fassen waren. Die stillen Einlagen werden bei der Zugrundelegung der von den Ratingagenturen angewandten Methode zur Berechnung des Kapitals, der sog. ACE-Eigenkapitalquote (&quot;Adjusted Common Equity&quot;) n&amp;#228;mlich nicht ber&amp;#252;cksichtigt. Dieser Umstand hat dazu gef&amp;#252;hrt, dass die Kapitalqualit&amp;#228;t der Bank im internationalen Vergleich im unteren Ende angesiedelt werden musste. Die ACE-Quote der Bank betrug Ende 2007 lediglich 3,1 % und war damit geringer als bei vergleichbaren Kreditinstituten, deren entsprechende Quoten bei mindestens 5,5 % gelegen haben.

Wohlgemerkt: Diese Situation war bereits bei Fusion der beiden Landesbanken Kiel und Hamburg festzustellen. 

Zum Zwecke der notwendigen Kapitalbeschaffung und damit zur Sicherung des Gesch&amp;#228;ftsmodells der HSH Nordbank AG sollte ein B&amp;#246;rsengang der Bank das erforderliche Kapital verschaffen. Die f&amp;#252;r den B&amp;#246;rsengang weiter erforderlichen Voraussetzungen, insbesondere die Aufstellung eines Jahresab-schlusses nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) anstelle des Abschlusses nach HGB sowie eine st&amp;#228;rkere Konzentration des Gesch&amp;#228;ftsmodells hatte die Bank mit der Vorlage des Jahresabschlusses erreicht. 

Gleichzeitig waren im zweiten Halbjahr 2007 erste Verwerfungen der Finanzm&amp;#228;rkte und damit ein-hergehend ein allgemeiner Wertr&amp;#252;ckgang der b&amp;#246;rsennotierten Bankaktien festzustellen.

Zum Vergleich: Am 5. Januar 2007 notierten Aktien der Deutsche Bank bei ca. 102 , am 11. Mai 2007 erreichten sie ihren seinerzeit h&amp;#246;chsten Wert mit ca. 118 , am 7. September 2007 notierten sie nur noch bei ca. 90 , also rund 25 % unter Mai 2007. Die Wertentwicklung der Aktie der Deutschen Bank war danach kontinuierlich r&amp;#252;ckl&amp;#228;ufig. Am 4. Januar 2008 lag sie bei ca. 87 , am 4. Juli 2008 bei ca. 54 , am 10. Oktober 2008 notierte sie bei ca. 31 , ihren niedrigsten Wert wies sie am 17. Januar 2009 mit ca.17  auf. &amp;#196;hnliche Entwicklungen lassen sich f&amp;#252;r die Aktien der zweitgr&amp;#246;&amp;#223;ten deutschen Ge-sch&amp;#228;ftsbank, der Commerzbank, feststellen. 

Vor diesem Hintergrund wurde von den Eigent&amp;#252;mern am 7. M&amp;#228;rz 2008 festgestellt, dass die allgemeine Marktverfassung einen B&amp;#246;rsengang absehbar nicht erfolgreich durchf&amp;#252;hren l&amp;#228;sst. Dies wurde in der Aufsichtsratssitzung am selben Tage mitgeteilt.

In diesem Zusammenhang sind auch die Er&amp;#246;rterungen im Aufsichtsrat Ende 2007 (5. September und 10. Dezember 2007) zu verstehen. Die Bank hat sich nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden, schon gar nicht in einer Schieflage, wie von interessierter Seite gern behauptet wird. 

Die angestrebte Verbesserung der Eigenkapitalstruktur hat der Finanzierung des weiteren Wachstums und damit der Steigerung des Unternehmenswertes der Bank auch im Hinblick auf den angestrebten B&amp;#246;rsengang gedient. Die mit der Kapitalma&amp;#223;nahme angestrebte Kapitalausstattung war dazu bestimmt, die bislang positiven Bewertungen der Bank durch Analysten und Ratingagenturen zu halten. Die ansonsten zu bef&amp;#252;rchtende Verschlechterung des Ratings, ich verweise auf meine oben gemachten Ausf&amp;#252;hrungen, h&amp;#228;tte sich ansonsten negativ auf die H&amp;#246;he der Refinanzierungskonditionen bei der HSH Nordbank ausgewirkt. Neben einer Schm&amp;#228;lerung der Ertragssituation der Bank w&amp;#228;re damit auch das auf qualifiziertes Wachstum ausgerichtete Gesch&amp;#228;ftsmodell der HSH Nordbank gef&amp;#228;hrdet gewesen.

Als Gesamtpaket ist von den Aktion&amp;#228;ren eine Kapitalerh&amp;#246;hung im Umfang von rd. 2 Mrd.  angestrebt worden, wobei rd. 1,3 Mrd.  auf neue Mittel entfallen sind und rd. 0,7 Mrd.  auf eine Optimierung der Kapitalstruktur, die auch in einem B&amp;#246;rsengang umgesetzt werden sollte. Die geplanten Ma&amp;#223;nahmen haben zwei Elemente umfasst, einerseits die Wandlung bestehender stiller Einlagen in Stammaktien der HSH Nordbank, verbunden mit einer parallelen Barkapitalerh&amp;#246;hung durch Flowers und die von ihm beratene Gruppe; ferner durch Zeichnung einer Pflichtwandelanleihe durch alle Anteilseigner zu identi-schen Konditionen.

In diesem Zusammenhang will ich einmal darauf hinweisen, dass alle Beteiligten an dieser Kapitaler-h&amp;#246;hung nat&amp;#252;rlich von externen Beratern begleitet wurden. Ich hatte Herrn Peiner vorgeschlagen, uns erstmals gemeinsam von einer Investmentbank beraten zu lassen. Wir haben uns dann f&amp;#252;r Morgan Stanley entschieden. Aber entscheidend ist: Die Bank und ihre Berater und die Anteilseigner und deren Berater haben die Notwendigkeit einer Kapitalunterst&amp;#252;tzung f&amp;#252;r das Gesch&amp;#228;ftsmodell best&amp;#228;tigt. Das war insbesondere f&amp;#252;r unseren neuen Mitanteilseigner J.C. Flowers von Bedeutung. Die Gruppe hatte ja gerade erst vor knapp eineinhalb Jahren rd. 1,2 Milliarden Euro f&amp;#252;r den Anteil bezahlt und im Zuge damals bereits geplanten Umwandlung Stiller Beteiligungen Ende 2007 weitere 200 Millionen eingebracht, um bei dieser Aktion nicht verw&amp;#228;ssert zu werden. Bei dieser Ma&amp;#223;nahme jetzt war Flowers wieder mit gleich zweimal 300 Millionen dabei. Zum einen, um bei der erneuten Umwandlung Stiller Beteiligungen nicht verw&amp;#228;ssert zu werden. Zum anderen mit seinem Anteil an der Pflichtwandelanleihe. Also insgesamt rd. 600 Millionen Euro bei dieser Aktion. Es d&amp;#252;rfte jedem einleuchten, dass insbesondere Herr Flowers und seine Investoren mit gro&amp;#223;er Sorgfalt gepr&amp;#252;ft haben und zu dem positiven Ergebnis gekommen sind, wie die anderen Anteilseigner auch.

Die Voraussetzungen und Durchf&amp;#252;hrung der Kapitalma&amp;#223;nahme in 2008 habe ich in einer entsprechenden Vorlage an den Finanzausschuss vom 3. Juli 2008 umf&amp;#228;nglich er&amp;#246;rtert (Umdruck 16/3291). Dazu hat eine ausf&amp;#252;hrliche Er&amp;#246;rterung im Finanzausschuss in der Sitzung am 10. Juli 2008 stattgefunden, an der auch der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Herr Berger, teilgenommen hat. 

Herr Berger hatte ausgef&amp;#252;hrt, dass die HSH Nordbank infolge der internationalen Finanzmarktkrise im Jahr 2007 Abschreibungen (Bewertungsverluste) in H&amp;#246;he von 1,3 Mrd.  und im 1. Quartal 2008 in H&amp;#246;he von 190 Mio.  zu verzeichnen hatte. Dabei sei die besondere St&amp;#228;rke der Bank zu Tage getreten. Denn trotzdem habe man im Jahr 2007 einen &amp;#220;berschuss in H&amp;#246;he von 285 Mio.  und im 1. Quartal 2008 von 81 Mio.  erwirtschaftet. Die Bank werde unter Ber&amp;#252;cksichtigung der beabsichtigen Kapitalma&amp;#223;nahmen das Jahr 2008 mit einem &amp;#220;berschuss von gut 400 Mio.  abschlie&amp;#223;en, worin als Vorsorgeposition bereits Abschreibungen von 350 Mio.  enthalten seien. 

Die Entscheidung, einen B&amp;#246;rsengang absehbar nicht umzusetzen, war richtig. Angesichts der hohen Bewertungsabschl&amp;#228;ge auf Bankaktien h&amp;#228;tte ein &amp;#252;bereilter B&amp;#246;rsengang der Bank eher geschadet. Mit der erkennbaren Reduzierung der Bewertung von Aktien bis zu 30 % war das Umfeld f&amp;#252;r einen B&amp;#246;rsengang alles andere als optimal.

Andererseits hat das Jahresergebnis, das trotz der Finanzmarktkrise einen &amp;#220;berschuss von mehr als 250 Mio  aufgewiesen hat, deutlich gemacht, dass die  HSH Nordbank auch in der Vergangenheit solide gewirtschaftet hat. 

Ich weise in diesem Zusammenhang auf die Presseinformation der SPD Landtagsfraktion Nr. 67/2008 vom 10. M&amp;#228;rz 2008 hin. Dort ist nachzulesen, dass nach der Wertberichtigung auch keine stillen Lasten aus Subprime mehr in der Bank liegen w&amp;#252;rden, so dass die Risiken nunmehr vollst&amp;#228;ndig verarbeitet seien. Das hohe Plus bei den operativen Ertr&amp;#228;gen h&amp;#228;tte gezeigt, dass der Wachstumskurs der HSH Nordbank anh&amp;#228;lt. Auch der fr&amp;#252;here SPD-Landtagsabgeordnete G&amp;#252;nter Neugebauer hat in seiner Rede am 23. April 2008 vor dem Schleswig-Holsteinischen Landtag darauf hingewiesen, dass die HSH Nordbank wesentlich besser mit der Subprimekrise und der darauf folgenden internationalen Finanzkrise fertig geworden sei als vergleichbare &amp;#246;ffentliche Landesbanken.

Auch von Bedeutung ist, dass die Anteilseigner bereits im Fr&amp;#252;hjahr bei der Vorbereitung dieser Kapi-talma&amp;#223;nahme in Gespr&amp;#228;chen mit dem Vorstand gebeten haben, seinerseits Ma&amp;#223;nahmen vorzubereiten, die zu einer Entlastung des Kapitals und der G+V beitragen. Hieraus wurde dann im Herbst das Programm Wetterfest.



IV.	Der Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers und die Liquidit&amp;#228;tskrise bei der HSH Nordbank AG

Noch am 8. September 2008 hat die HSH Nordbank in ihrer Pressekonferenz f&amp;#252;r das erste Halbjahr 2008 eine positive Bilanz ziehen k&amp;#246;nnen. Der Konzern&amp;#252;berschuss belief sich auf 129 Mio. , das Ergebnis vor Steuern lag bei 99 Mio. . Darin enthalten waren Abschreibungen auf das Credit-Investment-Portfolio in H&amp;#246;he von 511 Mio . 

Gleichzeitig hat der Vorstand der Bank dem Aufsichtsrat das oben bereits erw&amp;#228;hnte umfassende Ma&amp;#223;nahmenpaket Wetterfest vorgelegt, mit dem Finanzkraft, Profitabilit&amp;#228;t und Effizienz der Bank deutlich gesteigert werden sollten. Mit dem Programm waren zwei Sto&amp;#223;richtungen verbunden: Eine weitere Sch&amp;#228;rfung des Gesch&amp;#228;ftsmodells und eine sp&amp;#252;rbare Senkung der Kostenbasis.

Wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers am 15. September 2008 haben wir im Schleswig-Holsteinischen Landtag &amp;#252;ber das Ma&amp;#223;nahmenpaket des Vorstands der HSH Nordbank AG debattiert. In der Sitzung am 10. September 2008 habe ich auf die Lage auf den inter-nationalen Finanzm&amp;#228;rkten hingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir feststellen, dass die inter-nationale Finanzmarktkrise bereits seit 14 Monaten andauerte und sie aus damaliger Sicht auch l&amp;#228;nger dauern w&amp;#252;rde als seinerzeit bereits bef&amp;#252;rchtet. Die Bank hat sich bei ihren weiteren Prognosen f&amp;#252;r die Zukunft aus damaliger Sicht darauf eingestellt, dass die internationale Finanzmarktkrise noch 1 1/2  2 Jahre anhielte. 

Wir k&amp;#246;nnen feststellen, dass noch im M&amp;#228;rz 2008 die kritische Situation in den USA die amerikanische Zentralbank zwar dazu bewegte, Bear Stearns zu retten, aber nur f&amp;#252;nf Tage nach unserer Aussprache am 10. September 2008 die viertgr&amp;#246;&amp;#223;te amerikanische Investmentbank, die &amp;#252;ber 150 Jahre alte Bank Lehman Brothers, in die Insolvenz gegangen ist. 

Das ist f&amp;#252;r ein Land, das 45 von insgesamt 64 Nobelpreistr&amp;#228;gern (und damit 70 %) des seit 1969 ver-gebenen &quot;Nobelpreises f&amp;#252;r Wirtschaftswissenschaften&quot; vorzuweisen hat, wahrlich eine meisterhafte Leistung.

Wenige Tage sp&amp;#228;ter musste der zweitgr&amp;#246;&amp;#223;te Versicherer der Welt, die US-amerikanische AIG, mit 85 Mrd. US Dollar stabilisiert werden, ebenso wie zuvor die beiden US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Mit einem Volumen von 750 Mrd. US$ hat die US-Regierung, nachdem sie offensichtlich eingesehen hatte, mit der Hinnahme des Niedergangs des Bankhauses Lehman Brothers einen der gr&amp;#246;&amp;#223;ten finanzpolitischen Fehler der Geschichte begangen zu haben, das gr&amp;#246;&amp;#223;te Ret-tungsprogramm in der Geschichte der internationale Finanzm&amp;#228;rkte aufgelegt. Ein Beispiel, dem sich am Ende auch Regierungen und Parlamente weltweit, so auch auf den europ&amp;#228;ischen M&amp;#228;rkten und auch in der Bundesrepublik Deutschland, verpflichtet f&amp;#252;hlten.

Hat die Bank im Jahr 2007 noch Abschreibungen in einer Gr&amp;#246;&amp;#223;enordnung von ca. 1,3 Mrd.  vorge-nommen, die aber &amp;#252;ber die Gewinn- und Verlustrechnung abgewickelt worden sind, konnte sie gleichwohl f&amp;#252;r 2007 einen dreistelligen Millionengewinn ausweisen und die volle Dividende zahlen.

F&amp;#252;r das Jahr 2008 hatte die Bank eine Risikovorsorge in H&amp;#246;he von 350 Mio.  eingeplant, die aber durch Abschreibungen bereits im ersten Halbjahr in H&amp;#246;he von 511 Mio.  aufgezehrt waren. Gleichwohl konnte die Bank im ersten Halbjahr 2008 noch einen dreistelligen Millionengewinn als &amp;#220;berschuss ausweisen.

Die Bank war zu dem Ergebnis gekommen, dass die internationale Krise und die auf die Bank einwir-kenden Ereignisse wohl bis ins Jahr 2010 reichen werden. Im Zuge der sich weiter zuspitzenden Fi-nanzkrise musste die HSH Nordbank AG Vorsorge treffen.

Deshalb hatte der Vorstand das eingangs erw&amp;#228;hnte Ma&amp;#223;nahmenpaket verabschiedet und dem Auf-sichtsrat am 5. September 2008 vorgestellt:
Das Ma&amp;#223;nahmenpaket, das der Vorstand auf den Weg gebracht hatte, bestand aus zwei wichtigen Bereichen. Der eine Bereich umfasste die Neuordnung gesch&amp;#228;ftlicher Aktivit&amp;#228;ten. Es ging insbesondere darum, das Neugesch&amp;#228;ft auf das seinerzeit m&amp;#246;gliche Ma&amp;#223; zu reduzieren und ggf. auf solche Bereiche zu konzentrieren, in denen die Bank eine marktf&amp;#252;hrende Position h&amp;#228;tte.

Neben der St&amp;#228;rkung des Stammkundengesch&amp;#228;ftes war das Ma&amp;#223;nahmenpaket aber auch darauf ange-legt, nur noch solche Gesch&amp;#228;fte zu f&amp;#246;rdern, bei denen die Margen als au&amp;#223;erordentlich gut zu bezeichnen waren. Da das Eigenkapital, das die Anteilseigner zur Verf&amp;#252;gung gestellt haben, keine Ma&amp;#223;nahme darstellte, die den Anteilseignern leicht gefallen ist, mussten die mit Eigenkapital zu unterlegenden Gesch&amp;#228;fte weiter konzentriert werden.

Zusammengefasst bedeutete das f&amp;#252;r die Bank, sich neben dem marktschonenden Abbau des Credit Investment Portfolios von einer Reihe von Aktivit&amp;#228;ten und nichtstrategischen Beteiligungen zu trennen. Das betraf Aktivit&amp;#228;ten im Leasingbereich, die Immobilienbranche in New York, das regionale Firmenkundengesch&amp;#228;ft in Asien sowie die Schlie&amp;#223;ung von Niederlassungen auch im Ostseeraum.

Das Programm &quot;Wetterfest&quot; beinhaltete auch eine Ver&amp;#228;nderung der Kostenbasis der Bank. Wies die Bank 2007 noch eine Kostenbasis von etwa 985 Mio.  auf, so sollte diese Kostenbasis bis 2010 auf 900 Mio.  reduziert werden. Das inkludierte auch einen nennenswerten Personalabbau.

Das Ma&amp;#223;nahmenpaket &quot;Wetterfest&quot; ist Gegenstand einer nicht &amp;#246;ffentlichen Sitzung des Finanzaus-schusses am 25. September 2008 gewesen. Ich stelle im Zuge dieser Sitzung fest, dass Herr Berger ausf&amp;#252;hrlich zur Entwicklung der Bank im ersten Halbjahr 2008 unter dem Eindruck der Ereignisse nach dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers berichtet hat. Er hat sich im &amp;#220;brigen auch zu der Kapitalma&amp;#223;nahme 2008 verhalten.

Ich stelle ferner fest, dass neben der sozialdemokratischen Partei auch die Fraktion B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN in einer Pressemitteilung am 25. September 2008 dem Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank Berger ihr Vertrauen ausgesprochen haben.

Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt erahnen, welche Zuspitzung die internationalen Finanzm&amp;#228;rkte nach dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers nehmen w&amp;#252;rde. Denn mit dem Zu-sammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers und dem daraus resultierenden validen Abschrei-bungsbedarf entwickelte sich eine manifeste Krise des Interbankenmarktes, also der Finanzierungsbedingungen der Banken untereinander. Betroffen von der Krise waren nicht mehr nur noch schwach eingesch&amp;#228;tzte Marktteilnehmer. Vielmehr waren auch gro&amp;#223;e, ertragsstarke Finanzinstitute in ihrer Existenz bedroht. Auch die HSH Nordbank blieb von diesen Ereignissen nicht verschont. 

Der Bundesfinanzminister hat im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages eine Woche nach der Lehman-Pleite ausgef&amp;#252;hrt, ein ganzer Teil der Landesbanken sei in schweres Fahrwasser geraten. Positiv sei hervorzuheben, dass allein die HSH Nordbank ein eigenes, an sich tragf&amp;#228;higes Gesch&amp;#228;ftsmodell habe. Leider sei sie dennoch von den Turbolenzen betroffen. Die L&amp;#228;nder seien selbst f&amp;#252;r ihre Landesbanken verantwortlich. Der Bund werde nicht als Ausfallb&amp;#252;rge bereitstehen. Es sei richtig, privates Kapital aufzunehmen. Auch hier habe allein die HSH Nordbank bisher den richtigen Weg beschritten.

Die Finanzkrise ist das Produkt mehrerer Fehlentwicklungen. Als Ursprung der Krise gilt heute die expansive Zinspolitik in den USA. Das hat starke Anreize geschaffen, Investitionen zu einem sehr hohen Fremdfinanzierungsanteil zu realisieren, die damit von konjunkturellen Entwicklungen besonders abh&amp;#228;ngig waren. Da Kredite in Zeiten der Globalisierung zunehmend verbrieft, strukturiert und an internationale Finanzinvestoren weitergereicht wurden, konnte sich aus der amerikanischen am Ende eine weltweite Krise entwickeln. 

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers versch&amp;#228;rfte die Situation. Neben hohen Abschreibungen auf das Eigenkapital trat nun noch eine Zuspitzung der Liquidit&amp;#228;tsproblematik hinzu. Banken gelang es zum Teil nur noch unter finanziell erh&amp;#246;hten Anstrengungen, ihre Ausleihungen angemessen zu refinanzieren. Es wird beschrieben, dass sich in diesem Zusammenhang auch die internationalen Bilanzierungsstandards gegen&amp;#252;ber der Krise als prozyklisch erwiesen haben. 
Anl&amp;#228;sslich eines Aktion&amp;#228;rstreffens am 29. September 2008 ist vereinbart worden, regelm&amp;#228;&amp;#223;ige Liqui-dit&amp;#228;tsbesprechungen durchzuf&amp;#252;hren, in welche die Fachebene des Finanzministeriums einbezogen worden ist. Diese Besprechungen begannen am 16. Oktober 2008.



V. Die Finanzmarktstabilisierung

Die Bundesregierung hat am 13. Oktober 2008 ein Rettungspaket mit einem Gesamtvolumen von bis zu 500 Mrd  beschlossen, das &amp;#252;ber den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) f&amp;#252;r die an-geschlagene Finanzbranche zur Verf&amp;#252;gung gestellt wurde. Ziel war es, drei zentrale Problemstellungen des Finanzsektors zu entsch&amp;#228;rfen: 

Die Vertrauenskrise am Interbankenmarkt und die sich daraus ergebenden Liquidit&amp;#228;tsrisiken sollten durch staatliche Garantien am Kapitalmarkt beseitigt bzw. abgefedert werden.
Die Eigenkapitalanforderungen waren durch neue Anforderungen an die Mindestkapitalausstattung der Banken zu &amp;#252;berdenken. Dabei erschien eine Mindestkernkapitalquote von 7% als Voraussetzung f&amp;#252;r die Inanspruchnahme einer Liquidit&amp;#228;tsgarantie angemessen. 
Zur Abschirmung von Risikoaktiva war eine &amp;#220;bernahme (Auslagerung) von Aktiva, die von den Fi-nanzunternehmen vor dem 13. Oktober 2008 erworben wurden, m&amp;#246;glich.
Die Finanzmarktstabilisierung hat sich insgesamt bisher bew&amp;#228;hrt und auf die Finanzmarktkrise weit-gehend richtige Antworten gegeben. Sie stellt sich als konsequente Erfahrung leidvoller Erinnerungen an die Finanz- und Weltwirtschaftskrise nach 1929 dar, in der entscheidende Fehler begangen wurden. Die Bedeutung systemischer Banken ist seinerzeit deutlich untersch&amp;#228;tzt worden.

Die HSH Nordbank hat am 6. November 2008 Liquidit&amp;#228;tsgarantien vom SoFFin in H&amp;#246;he von bis zu 30 Mrd  beantragt, von denen 10 Mrd  kurzfristig zur Verf&amp;#252;gung gestellt wurden. 

Im Gegenzug haben sich die Anteilseigner verpflichten m&amp;#252;ssen sicherzustellen, dass die HSH Nordbank &amp;#252;ber eine angemessene Eigenkapitalausstattung verf&amp;#252;gt, die Altlasten abgeschirmt werden und ein tragf&amp;#228;higes Gesch&amp;#228;ftsmodell vorgelegt wird.

Ein Rechtsanspruch auf Leistungen des SoFFin bestand grunds&amp;#228;tzlich nicht.

Eine Beteiligung durch den Fonds selbst - also eine Rekapitalisierungsma&amp;#223;nahme- konnte nur dann erfolgen, wenn ein wichtiges Interesse des Bundes vorl&amp;#228;ge und der vom Bund angestrebte Zweck sich nicht besser und wirtschaftlicher auf andere Weise h&amp;#228;tte erreichen lassen. Nach dem Willen des Ge-setzgebers stellte die Rekapitalisierung das &amp;#228;u&amp;#223;erste Mittel f&amp;#252;r den Fall dar, dass keine andere Ma&amp;#223;-nahme h&amp;#228;tte in Betracht gezogen werden k&amp;#246;nnen. 
Die Situation bei den Landesbanken war von Anfang an der Sph&amp;#228;re, also der Verantwortung der L&amp;#228;nder zugeordnet. 

Voraussetzung f&amp;#252;r die Gew&amp;#228;hrung einer Garantie gegen&amp;#252;ber der HSH Nordbank war der vom SoFFin vorgelegte &amp;quot;Vertrag &amp;#252;ber die &amp;#220;bernahme von Garantien vom 26. November 2008 zwischen dem Son-derfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) als Garantiegeber und der HSH Nordbank AG als Kredit-nehmer&amp;quot;. 
Entsprechend waren die Risiken aus den Altbest&amp;#228;nden grunds&amp;#228;tzlich durch die Alteigent&amp;#252;mer abzu-decken.
Die Anteilseigner wurden verpflichtet sicherzustellen, dass die HSH Nordbank AG &amp;#252;ber eine angemes-sene Eigenkapitalausstattung, d. h. eine Kernkapitalquote von mindestens 8 % - gem&amp;#228;&amp;#223; EU-Vorgabe mindestens 7% - verf&amp;#252;ge, sowie die Restrukturierung der HSH in die Wege zu leiten mit dem Ziel, die Zukunftsf&amp;#228;higkeit der Bank mit einem tragf&amp;#228;higen Gesch&amp;#228;ftsmodell wieder herzustellen. Dies erforderte die Separierung von Risiken sowie der strategisch nicht notwendigen Gesch&amp;#228;ftsbereiche und Beteiligungen. Die Altlasten und diese Kosten w&amp;#252;rden durch die derzeitigen Anteilseigner &amp;#252;bernommen.

Was sich hier so schlank anh&amp;#246;rt, war allerdings ein ziemlich schwieriger Weg. Fast t&amp;#228;glich haben die Anteilseigner in Telefonkonferenzen &amp;#252;ber neue Bedingungen beraten m&amp;#252;ssen, die vom Lenkungsaus-schuss des SOFFIN diktiert wurden. 
Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir zweimal in dieser Zeit &amp;#252;ber die beiden Regierungschefs das Bundeskanzleramt einschalten m&amp;#252;ssen.


In Gespr&amp;#228;chen, die der Ministerpr&amp;#228;sident und ich am 12. Februar mit BM Steinbr&amp;#252;ck und am 20. Februar 2009 mit St Nawrath im Bundesministerium der Finanzen f&amp;#252;hrten, wurde seitens des SoFFin erneut klargestellt, dass die HSH Nordbank eine systemisch relevante Bank sei und best&amp;#228;tigt, dass es bei den Entscheidungen aus dem November 2008 verbleibe. Es ist weiter festgestellt worden, dass das von der Bank vorgestellte Modell (10 Mrd  B&amp;#252;rgschaft, 3 Mrd  frisches Kapital), welches insbesondere die Tragung der Altlasten durch die Anteilseigner sicherzustellen bestimmt war, die SoFFin-Auflagen aus dem November 2008 erf&amp;#252;lle.

Die f&amp;#252;r die HSH Nordbank AG erreichte Stabilisierung war auch alternativlos.

In seinem Schreiben vom April 2009 an den Finanzausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages (Umdruck 16/4167) hat der seinerzeitige Bundesfinanzminister ausgef&amp;#252;hrt, dass die Grunds&amp;#228;tze f&amp;#252;r die Unterst&amp;#252;tzung durch Eigenkapital und Garantien nach dem Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetz (FMStFG) f&amp;#252;r alle Landesbanken gleich seien.
So gelte f&amp;#252;r alle Landesbanken die vom Lenkungsausschuss der Finanzmarktstabilisierungsanstalt getroffene Grundsatzentscheidung, dass die Alteigent&amp;#252;mer f&amp;#252;r die Altlasten einzustehen haben. Eine Beteiligung des SoFFin an der Bereitstellung von Eigenkapital zu Gunsten der HSH Nordbank kam daher nicht in Betracht. 
BM Steinbr&amp;#252;ck f&amp;#252;hrte ferner aus, die schleswig-holsteinische Landesregierung h&amp;#228;tte vor diesem Hin-tergrund prinzipiell zwei M&amp;#246;glichkeiten gehabt: Erstens w&amp;#228;re eine Rekapitalisierung &amp;#252;ber den SoFFin gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 7 FMStFG nach Auslagerung der Altlasten und zu Gunsten der gesunden Kernbank m&amp;#246;glich gewesen. Die Landesregierung h&amp;#228;tte sich seinerzeit gegen diesen Weg entschieden.
Stattdessen h&amp;#228;tte sich die Landesregierung f&amp;#252;r die zweite M&amp;#246;glichkeit einer Unterst&amp;#252;tzung &amp;#252;ber Ga-rantien gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 6 FMStFG entschieden.

Diese Darstellung des seinerzeitigen Bundesfinanzministers ist so nicht vertretbar; sie ist dar&amp;#252;ber hinaus h&amp;#246;chst irref&amp;#252;hrend.
Die Landesregierung hat sich nicht gegen die erste M&amp;#246;glichkeit entschieden, sondern im Gegenteil alle Ma&amp;#223;nahmen ergriffen, die Auslagerung der Altlasten voranzutreiben, um dadurch erst die M&amp;#246;g-lichkeiten zu schaffen, auch eine Rekapitalisierung durch den SoFFin in Betracht ziehen zu k&amp;#246;nnen.

Aber selbst diese au&amp;#223;erordentlich ernste Krisensituation war nicht frei von den &amp;#252;blichen politischen Spielchen auf Bundesebene. Dabei hatten wir tats&amp;#228;chlich andere Sorgen.

Dass die &amp;#196;u&amp;#223;erung des ehemaligen Bundesfinanzministers gegen&amp;#252;ber dem Schleswig-Holsteinischen Landtag beabsichtigt h&amp;#246;chst missverst&amp;#228;ndlich ausgelegt werden konnte, ergibt sich auch aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der FDP (dortige Druck-sachen 16/12499 und 16/12633). Unter 9. ist dort gefragt, wie die Bundesregierung die Kritik bewerte, der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) zwinge durch seine Zur&amp;#252;ckhaltung gegen&amp;#252;ber den Landesbanken zu partikularen L&amp;#246;sungen.

In der Erwiderung hei&amp;#223;t es w&amp;#246;rtlich:

&quot;Die geltende Lastenverteilung zwischen Bund und L&amp;#228;ndern bleibt bestehen und kann nicht &amp;#252;ber das FMStFG au&amp;#223;er Kraft gesetzt werden. Daraus folgt, dass die Alteigent&amp;#252;mer f&amp;#252;r die Altlasten der Lan-desbanken einzustehen haben. Eine Rekapitalisierung gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 7 FMStFG ist erst nach Auslagerung der Altlasten und nur zu Gunsten einer gesunden Kernbank m&amp;#246;glich. Falls erforderlich, kommt zuvor jedoch eine Unterst&amp;#252;tzung &amp;#252;ber Garantien gem&amp;#228;&amp;#223; &amp;#167; 6 FMStFG in Betracht, sofern die Landesbank &amp;#252;ber eine Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent und ein tragf&amp;#228;higes Gesch&amp;#228;ftsmodell verf&amp;#252;gt. Die an eine Garantiegew&amp;#228;hrung gekn&amp;#252;pften Bedingungen sind europarechtlich vorgegeben; die Bundesregierung hat insoweit keinen Ermessensspielraum. 

In welchem Umfang und auf welche Art den Landesbanken &amp;#252;ber den Finanz-marktstabilisierungsfonds geholfen werden kann, ist mithin durch die rechtlichen und faktischen Umst&amp;#228;nde vorgegeben. Ein Zwang zu partikularen L&amp;#246;sungen folgt daraus keineswegs.&quot;

Das war unmi&amp;#223;verst&amp;#228;ndlich. Die schleswig-holsteinische Landesregierung musste also so handeln, wie sie gehandelt hat. Eine Alternative, also die Entscheidung zwischen zwei M&amp;#246;glichkeiten, wie in dem Schreiben Steinbr&amp;#252;cks zumindest angedeutet, hatte sie nicht.




VI. Das Restrukturierungskonzept der HSH Nordbank AG

Die Bank hat sich konsequent neu ausgerichtet. Die Bank hat in k&amp;#252;rzester Zeit ein auch in der Krise tragf&amp;#228;higes Gesch&amp;#228;ftsmodell vorgelegt, die beiden L&amp;#228;nder haben dazu eine ausreichende Kapitalbasis geschaffen. 

Damit wurde ein regional wichtiger Kreditversorger f&amp;#252;r die Wirtschaft und der nahezu letzte Verm&amp;#246;-genswert f&amp;#252;r das Land Schleswig-Holstein erhalten. Bankfunktionen wurden und werden weiter op-timiert, insbesondere durch St&amp;#228;rkung der Organisation und der Risikosteuerung.

Die Konzeption orientierte sich ausschlie&amp;#223;lich daran, die St&amp;#228;rkung des regionalen Gesch&amp;#228;fts mit der Sicherung von Kernkompetenzen in ausgew&amp;#228;hlten internationalen Gesch&amp;#228;ftsaktivit&amp;#228;ten, diese wiederum mit hohem regionalem Bezug, zu verbinden.
Gleichzeitig wurden solche Gesch&amp;#228;ftsfelder, die nicht oder nur im geringen Ma&amp;#223;e der strategische Fokussierung der Bank zu dienen bestimmt waren, identifiziert und zur Disposition gestellt.

Die Bank hat ihre strategischen wie nichtstrategischen Portfolien identifiziert und neu geordnet. Die Konzentration auf die Region sieht eine St&amp;#228;rkung des norddeutschen Firmenkunden- und Privatkun-dengesch&amp;#228;fts, des Sparkassengesch&amp;#228;fts sowie des deutschen Immobiliengesch&amp;#228;fts vor. Im Sektorgesch&amp;#228;ft konzentriert sich die Bank auf  internationale Schiffs- und Transportfinanzierungen sowie die Finanzierung von erneuerbaren Energien mit europ&amp;#228;ischem Bezug. Das Kapitalmarktgesch&amp;#228;ft wird reduziert. 

Die Bilanzsummen werden nahezu halbiert. Die Bilanzsumme f&amp;#252;r 2009 weist zum 31. Dezember 2009 noch eine Gr&amp;#246;&amp;#223;enordnung von 175 Mrd  aus gegen&amp;#252;ber 208 Mrd  zum 31. Dezember 2008. 

Das Restrukturierungskonzept verlangte auch einen Beitrag der Anteilseigner.
Die Bank hat bei ihren Planungen f&amp;#252;r die Jahre 2009 und 2010 sowie in der mittelfristigen Betrachtung bis 2012 die Rahmenbedingungen der Krise bewertet. Die Bank ist in der Betrachtung so genannter makro&amp;#246;konomischer Parameter f&amp;#252;r ihre Planungen dabei von einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bis Ende dieses Jahres ausgegangen. Das beinhaltete entsprechende Betrachtungen hinsichtlich Kreditvergabe, Liquidit&amp;#228;tsengp&amp;#228;sse, eine negative Entwicklung der Charterraten und Schiffswerte sowie der Immobilienwerte.

Dar&amp;#252;ber hinaus sind die relevanten Planjahre 2009 und 2010 einer kritischen, d.h. einer Stressbe-trachtung unterzogen worden. Diese Bewertungen wurden im Auftrag der L&amp;#228;nder, die die erforderlichen Kapitalma&amp;#223;nahmen allein zu erbringen hatten, von PriceWaterhouseCooper sowie MorganStanley auf Schl&amp;#252;ssigkeit und Belastbarkeit der Annahmen hin &amp;#252;berpr&amp;#252;ft. PWC hatte die Risikoentwicklung auf der Basis der von der Bank bewerteten Szenarien hinsichtlich so genannter Ausfallrisiken nachzuvollziehen und zu kommentieren. Darin umfasst waren das Credit-Investment-Portfolio, das eigentliche Kreditgesch&amp;#228;ft, aber auch das &amp;#252;brige Wertpapierportfolio. Das Kommentieren vollzog die logische Herleitung der vorausentwickelten Ausf&amp;#228;lle und die rechnerische Richtigkeit nach. Im Ergebnis war der Sorgfaltsma&amp;#223;stab eines vorsichtigen Kaufmannes eingehalten, ohne aber zugleich &amp;#252;berm&amp;#228;&amp;#223;ige Vorsorge zu treffen.

Mit der der Bank gew&amp;#228;hrten Unterst&amp;#252;tzung von 3 Mrd  Kapital und einer Garantie &amp;#252;ber 10 Mrd  wurde die Bank f&amp;#252;r die Zukunft so aufgestellt, dass im Planungszeitraum bis 2012 mit einer Unterschreitung der vom SoFFin geforderten Mindestkernkapitalquote nicht zu rechnen sein w&amp;#252;rde. Aktuell liegt die Kernkapitalquote zum 31. Dezember 2009 bei 10,5 % gegen&amp;#252;ber 5,1% zum 31. Dezember 2008. Nur bei einer sich erheblich versch&amp;#228;rfenden wirtschaftlichen Krise h&amp;#228;tten m&amp;#246;glicherweise in diesem Gesch&amp;#228;ftsjahr, also 2010, die notwendigen Kernkapitalquoten unterschritten werden k&amp;#246;nnen. Dieser Eintritt wurde seinerzeit jedoch als unwahrscheinlich angesehen; diese Annahme hat sich best&amp;#228;tigt. 

Abgeschirmt durch die Garantie werden Aktiva, soweit sie aus rechtlichen Gr&amp;#252;nden durch eine Fi-nanzgarantie abgeschirmt werden k&amp;#246;nnen. Darunter fallen z.B. Kredite oder Wertpapiere mit fest vereinbartem R&amp;#252;ckzahlungsbetrag, nicht aber Aktiva, deren Werte marktbedingten Schwankungen unterliegen (z.B. Aktien). Die Aktiva sind eindeutig und abschlie&amp;#223;end bestimmt. Risiken aus den abge-schirmten Bilanzaktiva k&amp;#246;nnen sich nur realisieren, wenn der Zahlungsbetrag  nach Aussch&amp;#246;pfung aller M&amp;#246;glichkeiten  nicht beigetrieben werden kann und sich der Verlust in der Gewinn- und Ver-lustrechnung niederschl&amp;#228;gt. 

Die Garantie wird von einem gemeinsam von den beiden L&amp;#228;ndern geschaffenen Fonds in der Rechts-form der Anstalt &amp;#246;ffentlichen Rechts (&quot;HSH Finanzfonds A&amp;#246;R&quot;) begeben. Dadurch wird der entstehende Pr&amp;#252;fungsaufwand f&amp;#252;r die Abrechnung der Garantie in einer Einrichtung konzentriert. Ferner steht die Garantieprovision, die die Bank auf die begebene Garantie als Aval zu leisten hat, in diesem Fonds zur Risikoabdeckung unmittelbar zur Verf&amp;#252;gung.

Zus&amp;#228;tzlich zur Garantie bedurfte es einer Kapitalzuf&amp;#252;hrung in H&amp;#246;he von 3 Mrd , die  durch eine Bar-kapitalerh&amp;#246;hung der L&amp;#228;nder begeben worden ist. Der Fonds beider L&amp;#228;nder hat diesen Betrag als Kredit aufgenommen und deckt die Refinanzierungskosten f&amp;#252;r das Kapital und die Verwaltungskosten aus den vereinnahmten Garantieprovisionen. Auf Sicht betrachtet soll der Zinsaufwand aus Dividenden bzw. &amp;#220;bersch&amp;#252;ssen nach Garantieabrechnung getragen werden. 



VII. Information des Landtages

Abschlie&amp;#223;end m&amp;#246;chte ich auf die von Ihnen zu kl&amp;#228;rende Fragen zu sprechen kommen, ob ich das Par-lament, also Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, in Bezug auf die HSH Nordbank AG stets vollst&amp;#228;ndig und wahrheitsgem&amp;#228;&amp;#223; informiert habe.

Auch hier sind im politischen Alltagskampf schwere Vorw&amp;#252;rfe gegen mich erhoben worden. 

Dazu vorab: Niemals w&amp;#228;re ich auch nur auf die Idee gekommen, dem Parlament etwas f&amp;#252;r eine von ihm zu treffende Entscheidung Relevantes zu verschweigen oder gar etwas aus meiner Sicht Unwahres mitzuteilen. Warum sollte ich?

Selbstverst&amp;#228;ndlich l&amp;#228;sst sich politisch immer dar&amp;#252;ber streiten, ob Informationen nicht auf eine andere Art oder detailreicher oder zu einem anderen Zeitpunkt h&amp;#228;tten &amp;#252;bermittelt werden k&amp;#246;nnen, d&amp;#252;rfen oder gar m&amp;#252;ssen. Auch dieser Diskussion und darauf bezogenen Kritik habe ich mich zu stellen. Dies tue ich mit reinem Gewissen.

Dies gilt gerade auch in Bezug auf zwei besonders medienwirksam erhobene Vorw&amp;#252;rfe:

1. Stichwort: Kapitalma&amp;#223;nahme 2008

Hier wurde der Vorwurf erhoben, ich h&amp;#228;tte den tats&amp;#228;chlichen Zustand der HSH Nordbank AG besch&amp;#246;nigt und verschwiegen, dass sich die Bank in einer Schieflage oder gar in einer Krise befunden h&amp;#228;tte, um die parlamentarische Zustimmung zu der nicht nur von mir f&amp;#252;r richtig und angezeigt gehaltenen Kapitalma&amp;#223;nahme 2008 zu erlangen.

Auf den Sachverhalt selbst bin ich vorhin bereits eingegangen. Jetzt geht es um die dem Parlament &amp;#252;bermittelten Informationen.

Wenn Sie die Protokolle s&amp;#228;mtlicher einschl&amp;#228;giger Sitzungen des Finanzausschusses und des Plenums unseres Landtages sorgf&amp;#228;ltig auswerten, werden Sie feststellen, dass alle relevanten Fakten ausf&amp;#252;hrlich dargelegt und diskutiert wurden.

Es gab keine Schieflage und erst recht keine Krise der Bank, die es mit der zu beschlie&amp;#223;enden Kapi-talma&amp;#223;nahme abzuwenden gegolten h&amp;#228;tte. Wohl aber galt es, die Bank vor einem zunehmend kri-senhaft werdenden Umfeld zu sch&amp;#252;tzen, also vorzusorgen - was ohne die Lehman-Pleite auch gelungen w&amp;#228;re.

Nun l&amp;#228;sst sich politisch dar&amp;#252;ber streiten, ob nicht auch die hier im parlamentarischen Untersu-chungsausschuss in &amp;#246;ffentlicher Sitzung zitierte Formulierung aus Berichten des Vorstandes vom Sep-tember und Dezember 2007, wonach die Liquidit&amp;#228;tslage der Bank &quot;angespannt aber nicht kritisch&quot; sei, h&amp;#228;tte zum Gegenstand der politischen 
</description>
</item>


<item>
	<title>Plenarprotokoll: 17. Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtages Mittwoch, 19. Mai 2010</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=104</link>
	<description>Finanzminister Rainer Wiegard: Nach 50 Jahren ist endlich Schluss mit neuen Schulden
Herr Pr&amp;#228;sident! Meine Damen! Meine Herren! 
Sie alle kennen mich und wissen, dass ich ungern einem Streit aus dem Wege gehe. Aber ich bitte Sie um Verst&amp;#228;ndnis, wenn ich auf manche Wortbeitr&amp;#228;ge dieser Debatte nicht eingehe, weil ich glaube, dass einfach der Anlass der Verfassungs&amp;#228;nderung, die wir heute miteinander vorhaben, es gebietet, in dem Sinne, wie Herr Kubicki das hier ausgef&amp;#252;hrt hat, vielleicht ein bisschen mehr die grunds&amp;#228;tzlichen Fragen zu er&amp;#246;rtern, als gleich wieder den Versuch zu machen, grunds&amp;#228;tzliche Fragen durch Einzelheiten der Tagespolitik in die eine oder andere Richtung zu bewegen. 

Was mich heute bewegt, ist, dass wir nach 40 Jahren endlich diesen Irrweg beenden und dass wir es schaffen, in diesem Landtag dazu eine gro&amp;#223;e Zweidrittelmehrheit zustande zu bringen.

[Wolfgang Kubicki (FDP): Vier F&amp;#252;nftel!]
- Oder sogar noch mehr.

Ich bin seit zehn Jahren in diesem Landtag, und vom ersten Tag an hat mich dieses Problem ber&amp;#252;hrt und besch&amp;#228;ftigt. Ich habe an allen Sitzungen der F&amp;#246;deralismuskommission teilgenommen, an der Beschlussfassung im Bundestag und an der Beschlussfassung im Bundesrat letztes Jahr. 

Aber heute habe ich eine G&amp;#228;nsehaut. 

Ich glaube, dass wir es geschafft haben, die Erkenntnis endlich zur Einsicht wachsen zu lassen, dass es grunds&amp;#228;tzlich nicht so weiter geht wie seit 40 Jahren in Deutschland - im Bund wie in allen L&amp;#228;ndern - praktiziert, jedes Jahr neue Schulden auf die alten drauf zu packen. Das haben sich auch Plisch und Plum so nicht vorgestellt, als sie damals Ende der 1960er Jahre die &amp;#196;nderung der finanzverfassung in der ersten Gro&amp;#223;en Koalition in Bonn bewirkt haben. 

Wenn es auch ein bisschen zu lange gedauert hat, diese Erkenntnis nun in einen neuen Willen umzusetzen, so ist es doch nie zu sp&amp;#228;t, das zu tun. Dass wir das heute miteinander &amp;#252;ber Parteigrenzen und &amp;#252;ber die Streitigkeiten hinweg tun, die auch heute ihren Ausdruck in der Diskussion gefunden haben, das bewegt mich. 

Herr Habeck, Sie haben &amp;#252;ber die Generationen gesprochen: Ich habe mit meiner Frau zusammen vier Kinder und seit Kurzem auch eine Enkelin, und ich erwarte noch ein paar mehr. Und eben deshalb bleibe ich bei meinem Leitmotiv in dieser Frage: Niemand, keine Regierung, kein Parlament und nicht einmal Eltern und Gro&amp;#223;eltern, haben das Recht, heute noch nicht geborene Generationen in beliebiger H&amp;#246;he mit Schulden zu belasten, damit sie sich heute einen angenehmeren Lebensstandard leisten k&amp;#246;nnen.
 
[Beifall bei CDU, FDP, B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN und SSW]

Die Schulden in Schleswig-Holstein sind von 1990 bis 2005 um 13 Milliarden auf 23 Milliarden Euro gestiegen. Wir haben jetzt eine Zinsbelastung - das kann man auch im Haushalt nachlesen - von einer Milliarde Euro, die wir nur f&amp;#252;r die Vergangenheit bezahlen. Man k&amp;#246;nnte noch ein paar der impliziten Belastungen hinzunehmen. Aber bleiben wir bei dem Betrag. Wenn wir dann die Diskussion von heute Morgen aus der Aktuellen Stunde nehmen, Ekkehard Klug, dann k&amp;#246;nnten wir den Zuschuss des Landes f&amp;#252;r die Betreuung unserer Kinder in den Kindertagesst&amp;#228;tten, die 60 Millionen Euro, &amp;#252;ber die so viel geredet wird, verf&amp;#252;nfzehnfachen, wenn wir nicht die Schulden der Vergangenheit finanzieren m&amp;#252;ssten.

Deshalb sage ich, dass es so unendlich wichtig ist, diese Erkenntnis aus diesen 40 Jahren jetzt endlich in einen neuen Willen zu packen und zu sagen: Wir m&amp;#252;ssen auf behutsame Weise und auf unterschiedlichen Wegen - das kann auch von Land zu Land unterschiedlich sein - das Ziel erreichen, aufh&amp;#246;ren, immer neue Schulden auf den ohnehin vorhandenen Berg oben drauf zu packen. Wenn das dann erreicht ist, werden 50 Jahre vergangen sein, seit mit diesem Unsinn begonnen wurde. Aber wenn es dann nach 50 Jahren so weit ist, dass dann Schluss ist, dann ist das ja auch gut.

Und dann m&amp;#252;ssen wir in der Tat das tun, was wir jetzt auch gerne mitgetan h&amp;#228;tten - Sie wissen, der Vorschlag kam aus Schleswig-Holstein -: Nicht nur eine Nullneuverschuldung zu verabreden, sondern gleich auch den Abbau der alten Schulden mit zu verabreden.

[Beifall bei CDU, FDP, B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN und SSW]

Das ist in diesem Durchgang nicht gelungen, aber auch der Abbau von Altschulden f&amp;#252;hrt immer erst &amp;#252;ber den Flur, n&amp;#228;mlich zun&amp;#228;chst einmal &amp;#252;ber das Aufh&amp;#246;ren, neue Schulden zu machen. Insofern ist es auch da nicht zu sp&amp;#228;t.

Bei der Beratung &amp;#252;ber den neuen L&amp;#228;nderfinanzausgleich, der in einigen Jahren sehr intensiv entbrennen wird, wird diese Frage eine herausragende Rolle spielen m&amp;#252;ssen. Schleswig-Holstein ist als eines der am schwersten belasteten L&amp;#228;nder immer daran interessiert und wird es bleiben, ganz gleich, welche Regierungskonstellation wir hier haben, an dieser Frage vorrangig mitzuwirken. Dies ist unser gemeinsames Interesse.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen, die diese Entscheidung heute m&amp;#246;glich machen.

[Beifall bei CDU, FDP, B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN und SSW sowie vereinzelt bei der SPD]

* * *

</description>
</item>


<item>
	<title>9. Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtages - Donnerstag, 28. Januar 2010 </title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=85</link>
	<description>Finanzminister Rainer Wiegard: Niemand hat das Recht, heute noch nicht geborene Generationen in beliebiger H&amp;#246;he mit Schulden zu belasten, um jetzt ein angenehmeres Leben zu f&amp;#252;hren.
Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Frau Pr&amp;#228;sidentin! Meine sehr verehrten Damen! Meine Herren! 
Es gibt eine neue Schuldengrenze. Es gab bisher auch schon eine. Das ist richtigerweise von zwei Rednern bereits dargestellt worden. Der wesentliche Unterschied ist: Bisher waren Schulden grunds&amp;#228;tzlich zul&amp;#228;ssig, wenn auch mit einer Grenze in H&amp;#246;he der investiven Ausgaben. Die neue Regelung hei&amp;#223;t: Schulden sind grunds&amp;#228;tzlich nicht zul&amp;#228;ssig. Das ist der entscheidende neue Punkt, der es auch er&amp;#252;brigt, Diskussionen dar&amp;#252;ber zu f&amp;#252;hren, was eine Investition ist. Das ist der Punkt, Kollege Habeck, bei dem ich und wahrscheinlich die meisten hier Bauchschmerzen bei Ihrem &amp;#196;nderungsantrag habe, n&amp;#228;mlich einfach irgendwelche anderen konsumtiven Ausgaben zu Investitionen zu erkl&amp;#228;ren.

Ich gebe zu, wir haben f&amp;#252;r die Zeit der Schuldenbremse - 2011 bis 2019 - ein Kl&amp;#228;rungsproblem, wie hier mit Kreditaufnahmen verfassungsrechtlich zu verfahren ist. Aber einfach zu sagen, wir machen das, was in den vergangenen 40 Jahren auch schon gemacht wurde, indem wir ein bisschen an dem Investitionsbegriff herumschrauben - das ist regelm&amp;#228;&amp;#223;ig passiert -, ist nicht der richtige Weg.

(Zuruf der Abgeordneten Monika Heinold [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

Entscheidend ist, dass die &amp;#196;nderung notwendig ist, nicht etwa, weil wir eine Neuregelung in der Verfassung stehen haben, sondern dass sie notwendig ist, weil Schleswig-Holstein - das gilt im &amp;#220;brigen auch f&amp;#252;r die meisten anderen L&amp;#228;nder und den Bund - bei einer Fortsetzung regelm&amp;#228;&amp;#223;iger weiterer Schuldenaufnahmen schlicht und ergreifend nicht &amp;#252;berlebensf&amp;#228;hig ist.

(Beifall bei CDU und FDP)

Deshalb finde ich es bemerkenswert, dass wir &amp;#252;ber die Begrifflichkeit noch ein bisschen miteinander zu diskutieren haben. Ich habe den Eindruck, dass noch nicht jeder die Notwendigkeit richtig erkannt hat.

Herr Kollege Stegner, Sie begr&amp;#252;nden Ihren Antrag damit, dass Sie auf der Grundlage einer Verfassungs&amp;#228;nderung die M&amp;#246;glichkeit haben wollen, gegen die entsprechende Verfassungsregel des Bundes zu klagen. Das ist keine ausreichende Fiktion, sondern wir brauchen ein Verst&amp;#228;ndnis, das deutlich macht: Keine Landesregierung, kein Parlament hat das Recht, heute noch nicht geborene Generationen in beliebiger H&amp;#246;he mit Schulden zu belasten, um jetzt angenehmer leben zu k&amp;#246;nnen. Dem haben wir uns zu beugen. 

(Beifall bei CDU und FDP)

Wenn man - wie ich gerade vor einigen Stunden - aus einem Land zur&amp;#252;ckkommt, das eine mehr als 4.000-j&amp;#228;hrige Geschichte detailliert nachweisen kann, dann ist es schon mindestens bemerkenswert, dass sich die f&amp;#252;r die Finanzlage des Landes Schleswig-Holstein in den letzten 20 Jahren Verantwortlichen an ihren Teil der Verantwortung offensichtlich nicht mehr erinnern k&amp;#246;nnen.
(Beifall bei CDU und FDP)

Ihre Verantwortung, insbesondere Ihre, Herr Stegner, f&amp;#252;r den Teil von 1988 mindestens bis 2005: regelm&amp;#228;&amp;#223;ig deutlich &amp;#252;berdurchschnittliche Einnahmen verbraucht, Landesverm&amp;#246;gen vollst&amp;#228;ndig ver&amp;#228;u&amp;#223;ert, die bis heute geltende Schuldengrenze regelm&amp;#228;&amp;#223;ig &amp;#252;berzogen, eine Milliarde  Zinsen, die aus dieser Verschuldung resultieren, eine weitere Milliarde  aus Pensionslasten, f&amp;#252;r die keinerlei Vorsorge getroffen wurde, Lehrer besch&amp;#228;ftigt, aber nicht bezahlt, Infrastruktur str&amp;#228;flich vernachl&amp;#228;ssigt, UK S-H-Sanierungsstau von 700 Millionen , Sanierungsstau bei den Schulen in H&amp;#246;he von 200 Millionen , Verkehrsnetze-Sanierungsstau kaum absch&amp;#228;tzbar, wahrscheinlich eine Milliarde . Es gibt kein einziges Jahr in der gemeinsamen Regierungszeit von Rot-Gr&amp;#252;n, in dem Sie es geschafft haben, einen Haushaltsabschluss vorzulegen, bei dem Sie weniger Schulden gemacht als investiert und Verm&amp;#246;gen entnommen haben. 
Sich dann hier hinzustellen und so zur aktuellen Politik zu reden! In einigen F&amp;#228;llen, wie Sie wissen, habe ich erhebliche Zweifel, ob uns das im Detail wirklich so richtig voranbringt, wenn man sich anguckt, was Sie an Antr&amp;#228;gen zu Steuerentlastungsgesetzen des Bundes eingebracht haben. Sie haben sogar vorliegende Drucksachen, in denen darauf hingewiesen wurde, dass hier mit Einnahmeverlusten zu rechnen ist, durch einen Resolutionsentwurf abge&amp;#228;ndert, in dem es hei&amp;#223;t - ausschlie&amp;#223;lich auf Antrag Schleswig-Holsteins &amp;#226;: Der Bundesrat begr&amp;#252;&amp;#223;t das vorliegende Steuerentlastungsgesetz, das insbesondere darauf ausgerichtet ist, Wachstum und Besch&amp;#228;ftigung zu verbessern sowie Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Familien sp&amp;#252;rbar zu entlasten.
(Zurufe)

Der Bundesrat stellt fest, dass in dem nun vom Deutschen Bundestag beschlossenen Gesetz wesentliche steuerliche Belange der mittelst&amp;#228;ndischen Wirtschaft eine angemessene Ber&amp;#252;cksichtigung gefunden haben. Der Bundesrat verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Beibehaltung der Teilwertabschreibung, des Verlustr&amp;#252;cktrags, die Ansparabschreibungen sowie auf die Freibetragsregelung bei Ver&amp;#228;u&amp;#223;erungsgewinnen. Das hei&amp;#223;t: Wer ein Paar Schuhe verkauft, der zahlt Steuern. Wer eine Schuhfabrik verkauft, der zahlt keine Steuern.
(Zurufe)
Das war die Diktion der sozialdemokratischen Regierung in Schleswig-Holstein, unterst&amp;#252;tzt von den Gr&amp;#252;nen seit 1996.
(Ulrich Schippels [DIE LINKE]: Aber nicht von uns! - Wolfgang Kubicki [FDP]: Sie spielen doch keine Rolle!)

Meine Damen und Herren, ich habe vor diesem Landtag und vor der schleswig-holsteinischen &amp;#214;ffentlichkeit vor eineinhalb Jahren eine ausdr&amp;#252;ckliche Entschuldigung ausgesprochen - jedenfalls f&amp;#252;r den Teil, den ich zu verantworten habe - hinsichtlich der Verfassungsbr&amp;#252;che bei der Aufstellung und im Vollzug der Haushalte der letzten Jahre. Herr Stegner, ich warte immer noch darauf, dass Sie sich hier hinstellen und gegen&amp;#252;ber der schleswig-holsteinischen &amp;#214;ffentlichkeit Ihren Anteil der Verantwortung &amp;#252;bernehmen.
(Beifall bei CDU und FDP)

Dazu geh&amp;#246;rt nat&amp;#252;rlich auch, dass man wei&amp;#223;, wor&amp;#252;ber man redet. Und den Eindruck habe ich - gestatten Sie mir das bitte - bei dem, was Sie hier heute vorgetragen haben, &amp;#252;berhaupt nicht. Herr Kollege Stegner, Sie sprechen von einem strukturellen Defizit von 600 Millionen . Da sind Sie nur bei der H&amp;#228;lfte. 600 Millionen  sind der strukturelle Nachteil gegen&amp;#252;ber den anderen westdeutschen Fl&amp;#228;chenl&amp;#228;ndern hinsichtlich der Einnahmeentwicklung und der Mehrausgaben bei den Zinsen. Aber das strukturelle Defizit liegt bei etwa 1,2 Milliarden .
Das Zweite ist ein von Ihnen immer wieder wiederholter v&amp;#246;llig unsinniger Vergleich, n&amp;#228;mlich der Vergleich der staatlichen Kreditaufnahme mit der Kreditaufnahme einer Familie f&amp;#252;r ein Auto oder f&amp;#252;r ein Haus. Die Familie kriegt den Kredit f&amp;#252;r das Haus gar nicht mehr, wenn sie nicht vorher den Kredit f&amp;#252;r das Auto planm&amp;#228;&amp;#223;ig getilgt hat. Das Land Schleswig-Holstein hat noch nie Schulden getilgt. Wir h&amp;#228;tten nie einen weiteren Kredit kriegen k&amp;#246;nnen, aber der Staat unterliegt anderen Regeln. Das ist der entscheidende Unterschied, den Sie ignorieren.

Herr Kollege Habeck, ich habe mich &amp;#252;ber einen Teil Ihres Redebeitrags, soweit er sich mit den Grunds&amp;#228;tzen befasst hat, gefreut und hoffe, dass wir bei den weiteren Beratungen in den n&amp;#228;chsten Monaten bis zur Verabschiedung der Verfassungs&amp;#228;nderung die eine oder andere Ver&amp;#228;nderung gemeinsam erarbeiten k&amp;#246;nnen. Helmut Kohl hat einmal von der Gnade seiner sp&amp;#228;ten Geburt gesprochen; Sie haben die Gnade der sp&amp;#228;ten Mitgliedschaft in diesem Haus, sodass Sie sich nicht unbedingt pers&amp;#246;nlich f&amp;#252;r das verantwortlich f&amp;#252;hlen m&amp;#252;ssen, was Ihre Fraktion in fr&amp;#252;heren Zeiten, insbesondere der Zeit ihres Mitregierens von 1996 bis 2005, hier an finanziellem Schaden, sowohl was den Landeshaushalt als auch was die Infrastrukturverhinderung in diesem Land betrifft, verursacht hat.
(Zurufe)

Herr Kollege Habeck, ich will damit nur deutlich machen: Wenn es richtig ist - ich hatte den Eindruck, dass wir in dem Punkt &amp;#252;bereinstimmen -, dass wir aus der Erkenntnis heraus, dass wir nicht so weitermachen k&amp;#246;nnen, eine &amp;#196;nderung wollen, nicht weil es irgendwo geschrieben steht, dann geh&amp;#246;rt dazu auch, dass jeder den Teil seiner Verantwortung &amp;#252;bernimmt, der dazu gef&amp;#252;hrt hat, dass wir heute zu dieser Ver&amp;#228;nderung kommen m&amp;#252;ssen. Da kann man sicherlich noch auf ein Wort von Ihnen hoffen. 
Die Erg&amp;#228;nzungstexte der SPD zu der Einschr&amp;#228;nkung der S&amp;#228;tze 1 bis 4 sind so schwammig, das man sie kleindr&amp;#252;cken und &amp;#246;ffnen kann, bis sich der Schwamm &amp;#252;berdehnt. Meine Damen und Herren, Sie k&amp;#246;nnten auch reinschreiben: Abends wird es dunkel, und morgens wird es hell. Auch das k&amp;#246;nnten wir in der Verfassung regeln. 
Meine Damen und Herren, was meinen Sie denn konkret damit? Meinen Sie bei den Regelungen des Bundes, die zu Einnahmeverlusten f&amp;#252;hren, die rechnerischen, strukturellen, durchschnittlichen Einnahmeverluste, oder meinen Sie tats&amp;#228;chliche Einnahmeverluste? Ist das auf das Haushaltsjahr bezogen? Oder gibt es da einen Spielraum, den Sie beliebig ausdehnen wollen? Wollen Sie damit zum Beispiel sagen, wenn der Bund ank&amp;#252;ndigt, die BAf&amp;#246;G-S&amp;#228;tze zum Herbst dieses Jahres zu erh&amp;#246;hen, dass wir sozusagen wie Rumpelstilzchen mit dem Fu&amp;#223; auftreten und sagen k&amp;#246;nnen sollen: Na gut, dann &amp;#228;rgern wir eben den B&amp;#252;rger und nehmen zu seinen Lasten h&amp;#246;here Kredite auf? Wir m&amp;#252;ssen hier schon sehr viel konkreter werden, wenn derartige Einschr&amp;#228;nkungen erforderlich sein sollten. 

Vizepr&amp;#228;sidentin Herlich Marie Todsen-Reese: 
Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Bernd Heinemann?

Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Bitte sehr!

Vizepr&amp;#228;sidentin Herlich Marie Todsen-Reese: 
Bitte, Herr Abgeordneter Heinemann!

Bernd Heinemann [SPD]: 
Herr Minister, k&amp;#246;nnen wir erwarten, dass Sie Ihre eigenen Standpunkte auch noch zum Besten geben und noch etwas zu Ihren Visionen sagen?

Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Ja, Herr Kollege. Das k&amp;#246;nnen Sie auch in den letzten Debattenbeitr&amp;#228;gen nachlesen. Wir reden nicht zum ersten Mal &amp;#252;ber den Schuldentilgungspakt, die Schuldengrenze oder die Schuldenbremse, sondern wir haben schon stundenlange Debatten zu diesem Thema gef&amp;#252;hrt. Das k&amp;#246;nnen Sie alles nachvollziehen. Die Zeit erlaubt es mir nicht, hier alles erneut vorzutragen. Sie k&amp;#246;nnen es nachlesen.

(Bernd Heinemann [SPD]: Dazu haben Sie bisher &amp;#252;berhaupt nichts gesagt!)

Wenn Ihnen das zu schwer ist, kann ich Ihnen die Redebeitr&amp;#228;ge gern zur Verf&amp;#252;gung stellen. Aber ich m&amp;#246;chte gern auf die Debatte eingehen, weil es notwendig ist, dass wir hier miteinander debattieren. Das bedeutet, dass zu getroffenen Aussagen auch konkrete Antworten gegeben werden m&amp;#252;ssen.

Meine Damen und Herren, Sie wissen, dass die vorige Landesregierung einen Vorschlag f&amp;#252;r einen Altschuldentilgungspakt gemacht hat. Nun w&amp;#228;re ein Antrag von Herrn Stegner nicht ein Antrag von Herrn Stegner, wenn er wahrheitsgem&amp;#228;&amp;#223; w&amp;#228;re.

(Widerspruch bei der SPD - J&amp;#252;rgen Weber [SPD]: Das geht zu weit! - Wolfgang Kubicki [FDP]: Wer austeilt, muss auch einstecken k&amp;#246;nnen!)

- Ich komme noch dazu, Ihnen das zu erl&amp;#228;utern.

Herr Stegner hat auch heute wieder gesagt, dass der Altschuldenfonds, den die SPD im Rahmen des Steuerpakts 2004 vorlegte, auch von der Regierung von Peter Harry Carstensen vertreten worden sei. Diese Aussage ist definitiv falsch. Dar&amp;#252;ber haben wir auch in diesem Haus mehrfach miteinander debattiert. Ihren Altschuldenfonds habe ich bereits 2004 und auch im Rahmen der Beratungen der F&amp;#246;deralismuskommission abgelehnt; er wurde da auch von anderen unterbreitet. Wir werden diesen Vorschlag auch in Zukunft ablehnen, weil es eben kein Altschuldentilgungsfonds ist. Vielmehr sollen die aufgelaufenen Altschulden beiseite gestellt, sozusagen in Beton gegossen werden - weil sie ja von so gro&amp;#223;er Bedeutung f&amp;#252;r die Nachwelt sind -, und dann laufend dauerhaft mit Zinsen bedient werden.

Wie man mit volkswirtschaftlichen Rechnungen m&amp;#246;glicherweise belegen kann, wird die entsprechende Gr&amp;#246;&amp;#223;e bei steigendem Bruttoinlandsprodukt und steigender Inflation in Relation zum Haushalt immer kleiner. Aber eine gute Milliarde  bleibt eine gute Milliarde . Diese f&amp;#252;r die Ewigkeit zu betonieren mit dem Argument: &quot;Das, was wir damals gemacht haben, war von so gro&amp;#223;er Bedeutung&quot;, ist schlicht und ergreifend Betrug an k&amp;#252;nftigen Generationen. Deshalb sagen wir Nein zu einer solchen L&amp;#246;sung.

(Beifall bei CDU und FDP)

Was wir wollen, ist ein Altschuldentilgungsfonds. Einen entsprechenden Vorschlag haben wir in die Diskussion eingebracht. Wie Sie wissen, sind wir in der ersten Runde damit nicht durchgedrungen; aber wir bleiben dabei. Unser Vorschlag zum Altschuldentilgungsfonds besagt, dass die aufgelaufenen Staatsschulden in etwa dem gleichen Zeitraum, in dem sie entstanden sind, auch zur&amp;#252;ckgezahlt werden m&amp;#252;ssen, also mit einem Tilgungssatz von etwa 0,5 %.

Unser Vorschlag folgt nicht dem Grundsatz, der auch in Ihrer Diktion hier enthalten war, dass einige L&amp;#228;nder f&amp;#252;r andere L&amp;#228;nder die Schulden zur&amp;#252;ckzahlen sollen. Nach unserem Plan zahlt jedes Land die eigenen Schulden zur&amp;#252;ck. Geholfen wird durch eine Art Fortsetzung des Solidarit&amp;#228;tszuschlags, wie wir ihn f&amp;#252;r den Aufbau Ost verwendet haben. Die Gr&amp;#246;&amp;#223;enordnung des Zuschlags auf die Einkommensteuer l&amp;#228;ge bei 1,5 % bis 2 %. Das ist notwendig, um die Landes- und Kommunalschulden in einem Zeitraum von f&amp;#252;nfzig Jahren zu tilgen und mit Zinsen zu bedienen.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Robert Habeck [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

Weitere 3 % braucht man, um dem Bund das Gleiche zu erm&amp;#246;glichen. Damit sind wir wieder bei einem Zuschlag von 5,5 %, wie er bereits jetzt als Zuschlag auf die Einkommensteuer erhoben wird. Ich glaube, wir werden &amp;#252;ber diesen Punkt erneut miteinander diskutieren.

(Beifall der Abgeordneten Monika Heinold [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN])

M&amp;#246;glicherweise nennen wir es dann anders. Die Neuordnung des L&amp;#228;nderfinanzausgleichs steht in den n&amp;#228;chsten Jahren an; sp&amp;#228;testens am Ende dieser Wahlperiode beginnen die Beratungen. Dann werden wir erneut &amp;#252;ber diese Frage reden.
Nur, die Nettotilgung von Altschulden beginnt erst dann, wenn man mit der Neuverschuldung bei null ist. Dort m&amp;#252;ssen wir erst einmal hinkommen. Deshalb ist die Reihenfolge richtig, erst die Schuldengrenze festzulegen, die Schuldenbremse auf dem Weg dahin umzusetzen und dann mit der Altschuldentilgung definitiv zu beginnen. In der F&amp;#246;deralismuskommission II ist vereinbart worden, dass in einer weiteren Beratungsrunde - das wird die sein, in der wir den L&amp;#228;nderfinanzausgleich neu ordnen - auch &amp;#252;ber die Altschuldentilgung neu diskutiert wird. Dann werden wir unseren Antrag erneut einbringen.

(Anhaltender Beifall bei CDU und FDP)


</description>
</item>


<item>
	<title>Debatte &amp;#252;ber Schuldengrenze im Landtag</title>
	<link>http://www.rainerwiegard.de/reden.php?id=77</link>
	<description>Rainer Wiegard: Wir haben nicht das Recht, noch nicht geborene Generationen mit Schulden zu belasten, um heute angenehmer leben zu k&amp;#246;nnen.
Ich bitte nun die Landesregierung um den Bericht. Das Wort hat Herr Finanzminister Rainer Wiegard.

Rainer Wiegard, Finanzminister: 
Frau Pr&amp;#228;sidentin! Meine sehr verehrten Damen, meine Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eines eint inzwischen offenbar alle Fraktionen dieses Hauses, n&amp;#228;mlich die Erkenntnis, dass wir endlich mit dem Wahnsinn Schluss machen m&amp;#252;ssen, der &amp;#252;brigens in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, und zwar die &amp;#196;nderung der Finanzverfassung von 1969 der ersten gro&amp;#223;en Bonner Koalition. Daraus hat sich die Entwicklung ergeben, dass Jahr f&amp;#252;r Jahr neue Schulden auf die bereits vorhandenen aufget&amp;#252;rmt wurden, weil die Verfassung es erlaubt hat, in jedem Jahr so viele neue Schulden zu machen, wie investiert wird.

Wir wissen, wir brauchen Nachhaltigkeit vor allen Dingen in der Finanzpolitik. Wir k&amp;#246;nnen und d&amp;#252;rfen regelm&amp;#228;&amp;#223;ig nur so viel ausgeben, wie wir auch erwirtschaften und wie wir aus dieser Erwirtschaftung einnehmen. Regelm&amp;#228;&amp;#223;ig - wie bisher - mehr auszugeben als einzunehmen bedeutet, dass wir unseren heutigen Lebensstandard auf Kosten heute noch nicht geborener Generationen einrichten. 

Wer diese Erkenntnis gewonnen hat, braucht eigentlich keine Verfassungsregel, die ihn dazu zwingt, dieser Logik moralischen Handelns gegen&amp;#252;ber k&amp;#252;nftigen Generationen zu folgen,

(Beifall bei der CDU)

egal, ob sie im Grundgesetz oder in der Landesverfassung verankert ist. 

Denn die finanzielle Ausgangslage ist seit Langem eindeutig:
Wir geben inzwischen eine Milliarde Euro f&amp;#252;r Zinsen f&amp;#252;r alte Schulden aus und eine weitere f&amp;#252;r Pensionsleistungen f&amp;#252;r Beamte, f&amp;#252;r die in der Vergangenheit keine Vorsorge getroffen worden ist. Das sind zusammen zwei Milliarden Euro, und damit haben wir fast jeden dritten eingenommen Steuereuro nur f&amp;#252;r die Bezahlung von Vergangenheit ausgegeben - nicht f&amp;#252;r Zukunft, nicht f&amp;#252;r Familie, nicht f&amp;#252;r Kinderbetreuung, nicht f&amp;#252;r die Bildung unserer Kinder, die wir alle so hochhalten, und nicht f&amp;#252;r den Ausbau einer zukunftsf&amp;#228;higen Infrastruktur.

Wenn wir das Niveau unserer heutigen Ausgaben - ohne es zu steigern - dauerhaft fortschreiben und lediglich eine j&amp;#228;hrliche Tarifsteigerung von zwei Prozent f&amp;#252;r unsere Besch&amp;#228;ftigten einrechnen, dann wird unser strukturelles Defizit bei regelm&amp;#228;&amp;#223;igem Wachstum der Einnahmen um 2,5 % j&amp;#228;hrlich im Jahr 2020 auf &amp;#252;ber zwei Milliarden Euro steigen, der Schuldenstand auf &amp;#252;ber 43 Milliarden Euro, und die Zinslast daraus wird sich mit 2,3 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Dabei tr&amp;#246;stet nicht im Geringsten, dass die heutige Situation schon deutlich besser als die vor vier Jahren ist. Denn bis 2005 war das Defizit im Haushalt mit 1,7 Milliarden  mehr als doppelt so hoch wie die damalige Zinslast. 2008 haben wir einen Abschluss vorgelegt, in dem der Fehlbetrag mit weniger als 300 Millionen  gerade noch ein Drittel der Zinslast betrug.

(Monika Heinold [B&amp;#220;NDNIS 90/DIE GR&amp;#220;NEN]: Sie rechnen sich die Welt aber auch sch&amp;#246;n, Herr Wiegard!)

- Frau Kollegin Heinold, von Ihnen h&amp;#228;tte ich diesen Zwischenruf am wenigsten erwartet, denn Sie sind im Wesentlichen daf&amp;#252;r verantwortlich. Aufgrund Ihres Zwischenrufes will ich f&amp;#252;r Sie gern noch einmal wiederholen, was ich in jeder Sitzung zu diesem Thema sagen werde:

(Zuruf des Abgeordneten Dr. Ralf Stegner [SPD])

- Sie beide sind daf&amp;#252;r verantwortlich, dass es in keinem einzigen Jahr der rot-gr&amp;#252;nen Regierungszeit geschafft wurde, einen Haushalt vorzulegen, der den Vorschriften der Verfassung entspricht. In keinem einzigen Jahr!

(Beifall bei CDU und FDP - Zuruf des Abgeordneten Dr. Ralf Stegner [SPD])

- Herr Kollege Stegner, der entscheidende Unterschied zwischen Ihrer Politik und unserer ist der, dass wir unter meiner Verantwortung die ungeplant eingegangenen Steuermehreinnahmen vollst&amp;#228;ndig zur Senkung der Neuverschuldung verwendet haben. 

(Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der FDP)

Sie waren es, der uns bei den ersten Anzeichen einer leichten Verbesserung im Fr&amp;#252;hjahr 2007 aufgefordert hat, vorher gemeinsam beschlossene Ausgabenbegrenzungen wieder zur&amp;#252;ckzunehmen.

(Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der FDP)

Deshalb sage ich noch einmal: Es tr&amp;#246;stet &amp;#252;berhaupt nicht, dass die Situation heute ein bisschen besser ist als zu Ihrer Zeit. Aber zu Ihrer Zeit war noch nicht einmal die Erkenntnis vorhanden, dass es &amp;#252;berhaupt ein Problem gibt. Darauf mussten wir erst hinarbeiten. Ohne die erdr&amp;#252;ckenden Altschulden h&amp;#228;tten wir im Jahre 2008 einen &amp;#220;berschuss von 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Das macht die Dimension des Problems deutlich.

Das zeigt, wie wichtig es ist, das Anwachsen der Schulden endlich zu stoppen. Es zeigt aber auch, dass ein ausgeglichener Haushalt ohne Neuverschuldung im Jahr 2020 nicht etwa das Ziel ist, sondern nur ein Zwischenschritt auf dem Weg, den bis dahin angeh&amp;#228;uften Schuldenberg wieder abzubauen. Deshalb werden wir die gegen Ende dieser Wahlperiode anstehenden Beratungen &amp;#252;ber den L&amp;#228;nderfinanzausgleich wieder dazu nutzen, die Frage des Abbaus der Staatsverschuldung auch in diesem Zusammenhang auf die Tagesordnung zu setzen.
Dies zeigt auch, dass es die Lage ist, die uns zum Handeln zwingt, und nicht etwa eine Regel in der Verfassung - gleich, wo sie geregelt ist.
Die weltweit wirkende wirtschaftliche Rezession hat uns bei der weiteren Senkung der Neuverschuldung einen m&amp;#228;chtigen Brocken in den Weg gelegt. Sie darf uns aber nicht daran hindern, diesen Weg konsequent zu gehen. Deshalb hat diese Koalition fest vereinbart, dass die Aufnahme von Krediten zum Haushaltsausgleich ab dem Jahr 2020 in konjunkturellen Normallagen nicht mehr zul&amp;#228;ssig ist.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Axel Bernstein [CDU])

&amp;#220;ber- und unterdurchschnittliche konjunkturelle Entwicklungen m&amp;#252;ssen sich in einem Zyklus ausgleichen. Das haben Plisch und Plum damals &amp;#252;brigens auch schon so gewollt; es hat sich nur niemand daran gehalten. Nur in au&amp;#223;ergew&amp;#246;hnlichen Notsituationen und bei Naturkatastrophen soll eine Kreditaufnahme zul&amp;#228;ssig sein. Diese Kreditaufnahme setzt dann eine qualifizierte Mehrheit im Landtag voraus und ist k&amp;#252;nftig mit einem verbindlichen Tilgungsplan zu verbinden. Diese Regelung wollen wir in unserer Landesverfassung anstelle der bisherigen Regelungen verankern. Wir werden dem Landtag deshalb so rechtzeitig einen Vorschlag zur &amp;#196;nderung der Landesverfassung vorlegen, dass entsprechende Beschl&amp;#252;sse bis zur Jahresmitte 2010 gefasst werden k&amp;#246;nnen.

(Beifall bei CDU und FDP)

Ich bitte Sie um Verst&amp;#228;ndnis, wenn ich die Frage nach dem Stand der Vorbereitungen einer Klage des Landtags gegen die die L&amp;#228;nder verpflichtende Regelung im Grundgesetz nicht beantworte. Denn diese Frage richtet sich an Sie selbst, und ich werde mir nicht das Recht herausnehmen, f&amp;#252;r die Landesregierung eine Erkl&amp;#228;rung im Namen des Landtags abzugeben.

Wir wollen das strukturelle Defizit bis 2020 auf null reduzieren. Bei der Einhaltung des Defizitabbaupfades erhalten wir Konsolidierungshilfen von insgesamt bis zu 720 Millionen  bis zum Jahr 2020. Voraussetzung ist allerdings, dass wir Jahr f&amp;#252;r Jahr etwa 10 % des strukturellen Defizits aus dem Jahr 2010 abbauen. Dies werden wir gegen&amp;#252;ber dem Stabilit&amp;#228;tsrat nachweisen m&amp;#252;ssen, und das werden wir im Rahmen der bundesstaatlichen Finanzordnung entsprechend zu organisieren haben.

Voraussetzung f&amp;#252;r die Darstellung eines kontinuierlichen Defizitabbaupfades ist ein Konjunkturbereinigungsverfahren. Mit diesem Verfahren werden der Ausgangswert des Jahres 2010 bestimmt und die j&amp;#228;hrlichen Tilgungsschritte festgelegt. &amp;#220;ber die Eckpunkte eines solchen Bereinigungsverfahrens wird derzeit mit dem Bund und den anderen L&amp;#228;ndern verhandelt. Wir werden dem Finanzausschuss Anfang des Jahres &amp;#252;ber den Stand der Beratungen informieren.

Noch vor einem Jahr konnte man eine solche Trendberechnung auf Basis der Vergangenheitsentwicklung ohne gr&amp;#246;&amp;#223;ere Probleme durchf&amp;#252;hren. Aber die Wirtschafts- und Finanzkrise stellt einen dramatischen Strukturbruch dar, und solche Br&amp;#252;che haben die Angewohnheit, dass sie Trendverschiebungen zur Folge haben. Deshalb wird die gro&amp;#223;e Steuersch&amp;#228;tzung im Mai 2010 Auskunft dar&amp;#252;ber geben, wie stark dieser Strukturbruch voraussichtlich sein wird, und der Bund wird sich bis dahin erkl&amp;#228;ren m&amp;#252;ssen, inwieweit er Strukturen zus&amp;#228;tzlich ver&amp;#228;ndern will; die entsprechende Diskussion werden wir in der heutigen Tagung noch im Rahmen eines eigenen Tagesordnungspunktes f&amp;#252;hren. 

Auf der Grundlage der gro&amp;#223;en Steuersch&amp;#228;tzung im Mai 2010 werden wir Ihnen eine langfristige Finanzplanung bis zum Jahr 2020 und eine mittelfristige Finanzplanung f&amp;#252;r das laufende Haushaltsjahr und die n&amp;#228;chsten Haushaltsjahre vorlegen sowie die Anforderungen an die n&amp;#228;chsten beiden Haushalte ableiten. 

Ich habe die Ausgangslage noch einmal dargestellt, weil viele neue Mitglieder in diesem Hause sind, die die bisherige Diskussion in dieser Tiefe nicht mitverfolgen konnten. Es wird deutlich, dass es ein &quot;Weiter so!&quot; nicht geben darf und nicht geben kann. Es wird deutlich, dass neben einer Stabilisierung der Einnahmen durch stetiges Wachstum auch Ausgabek&amp;#252;rzungen unumg&amp;#228;nglich sind. Ich betone dies, weil Einzelne offensichtlich immer noch glauben, ein strukturell ausgeglichener Haushalt sei m&amp;#246;glich, ohne dass die B&amp;#252;rger es merken. 

(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Mit Steuersenkungen geht es am besten!)

- Herr Kollege Stegner, der gr&amp;#246;&amp;#223;te Steuersenker in der Geschichte ist offensichtlich Herr Steinbr&amp;#252;ck. Er hat uns in Schleswig-Holstein Mindereinnahmen in der Gr&amp;#246;&amp;#223;enordnung von 300 Millionen Euro beschert und sich dann mit der Nachricht verabschiedet, dass es f&amp;#252;r Steuersenkungen keinen Spielraum gibt. Das ist eine bemerkenswerte Logik, Herr Kollege.

(Beifall bei CDU und FDP - Zurufe)

- Meine Damen und Herren, ich komme zur&amp;#252;ck zu denen, die der Meinung sind, dass wir ohne Reduzierung des Personalbestandes und ohne K&amp;#252;rzung &amp;#246;ffentlicher Leistungen einen ausgeglichenen Haushalt herstellen k&amp;#246;nnen. Wer dies will, muss j&amp;#228;hrlich etwa zwei Milliarden Euro mehr einnehmen, als wir ohnehin in der durchschnittlichen Entwicklung bereits unterstellt haben. Politischer Wille ersetzt nun einmal nicht die vier Grundrechenarten. Nur damit diejenigen, die sich mit diesen Gedanken befassen, ann&amp;#228;hernd wissen, wor&amp;#252;ber sie eigentlich reden: Um dies zu erreichen, m&amp;#252;ssten Sie zum Beispiel die Umsatzsteuer verdoppeln auf etwa 36 Prozent, oder sie m&amp;#252;ssten die Lohnsteuer verdoppeln. 

(Zurufe)

Auch die nun aus der Mottenkiste herausgeholte Verm&amp;#246;gensteuer, die zu reaktivieren w&amp;#228;re, ist keine L&amp;#246;sung.

(Andreas Beran [SPD]: Tr&amp;#228;gt aber dazu bei!)

Ihr Aufkommen m&amp;#252;ssten Sie verzwanzigfachen, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Das h&amp;#228;tte allerdings zur Folge, dass Sie das nicht dauerhaft machen k&amp;#246;nnen, sondern nur f&amp;#252;nf Jahre, dann sind die Verm&amp;#246;gen weg, und dann gibt es aus den Verm&amp;#246;gen keine Ertr&amp;#228;ge mehr. 

(Zurufe von der SPD)
Dann gibt es auch keine Steuern auf diese Ertr&amp;#228;ge mehr. Dann ist das Ziel einer ganzen Reihe von Salonsozialisten, Herr Kollege Stegner, erreicht: Alle sind gleicherma&amp;#223;en arm.

(Beifall bei CDU und FDP)

Deshalb warne ich auch dringend davor, die Ausgaben f&amp;#252;r immer mehr &amp;#246;ffentliche Aufgaben relativ an das Bruttoinlandsprodukt zu koppeln. Es ist inzwischen Mode geworden, alles am BIP zu orientieren, auch wenn der Zusammenhang nicht wirklich erkennbar ist. Es kann doch nicht Ziel sein, dass mit einer f&amp;#252;r alle geltenden Excel-Tabelle die Verteilung der Ausgaben bis hin zu den Gemeinden festgelegt wird, w&amp;#228;hrend wir hier noch dar&amp;#252;ber diskutieren, ob wir eine Verschuldungsregel im Grundgesetz oder in der Landesverfassung festlegen wollen. 

Deshalb glaube ich, dass sehr viel mehr Ernsthaftigkeit notwendig sein wird. Wir haben eine gewaltige Aufgabe vor uns. Ich wei&amp;#223; nicht, ob jeder bereits die Dimensionen &amp;#252;berschaut hat. Ich bin auch davon &amp;#252;berzeugt: Wir werden diese Aufgabe nur gemeinsam l&amp;#246;sen, nicht gegeneinander.

(Beifall bei CDU und FDP)


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